Schwerin : Sportlich am Taktstock

Hat in diesem Jahr den Friedrich-von-Flotow-Preis bekommen: Dirigent Martin Schelhaas.
Hat in diesem Jahr den Friedrich-von-Flotow-Preis bekommen: Dirigent Martin Schelhaas.

Hinter Anatevkas Kulissen – heute: Martin Schelhaas.

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12. Juli 2019, 12:00 Uhr

Das kleine Bauerndorf Anatevka auf dem Alten Garten hat in den vergangenen Wochen schon viele Theaterfreunde in Schwerin begeistert. Das Musical der Schlossfestspiele ist beschwingt und unterhaltsam. Doch wer sorgt hinter den Kulissen dafür, dass auf der Bühne alles funktioniert? Wir stellen einige von ihnen vor. Heute: Kapellmeister Martin Schelhaas.

Versteckt hinter der Bühne, für die Zuschauer nicht sichtbar, liegt die Orchesterwanne der Schlossfestspiele. Hier dirigiert Kapellmeister Martin Schelhaas 34 Musiker. Ausgestattet mit zwei Audio-Monitoren und einem kleinen Bildschirm kann der 50-Jährige das Geschehen auf der Bühne verfolgen. „Das sind schwierige Bedingungen. Ich habe nämlich keinen direkten Blickkontakt zu den Akteuren“, erklärt er. Mit vorheriger Absprache funktioniere das aber auch. Sein Job ist es, die Interpretationen der Sänger mit der Musik des Orchesters zu kombinieren. Deshalb informiert sich Schelhaas auch vor jeder Vorstellung darüber, ob Ansgar Schäfer oder Gustav Peter Wöhler die Hauptrolle singt. „Natürlich ist die Musik dieselbe. Aber mit den Details kann man variieren. Und die beiden unterscheiden sich doch. Darauf muss ich mich dann einstellen.“ Die Akteure auf der Bühne wiederum haben den Blickkontakt auch nur via Bildschirm. Sie sehen aber den Dirigenten auf drei Monitoren hinter und neben dem Publikum.

Seit 1998 ist Schelhaas als Kapellmeister und Studienleiter am Theater tätig. Anatevka dirigiert er bereits zum dritten Mal. „Das war Anfang der Neunziger, im Jahr 2012 und jetzt draußen auf dem Alten Garten“, sagt er. Anatevka sei eines der leichteren Stücke. „Das ist nicht so kompliziert wie Tosca. Aber das Musical ist zeitlos mit Themen aus dem Leben. Das funktioniert immer.“ Besonders angetan ist er von Tevjes Lied über seine Tochter Chava. „Das ist einer der ergreifendsten Momente. Schlicht, aber sehr traurig.“

Ohne Emotionen gäbe es keine Musik. Und genau diese Emotionen versucht Schelhaas rüberzubringen. Mit viel Bewegung. „Dirigieren ist wie Sport, mit vielen Gesten verbunden“, erklärt er. „Und durch die zwei Leuchten wird es sehr warm hier unten in der Orchesterwanne. Da komme ich bei einer Aufführung schon ordentlich ins Schwitzen.“

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