zur Navigation springen

Industriebrachen in Schwerin : Sportboothafen statt Flugzeugwerft

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Industriebrachen in Schwerin – heute: Die Fokkerhalle an der Bornhövedstraße wird zum Freizeitparadies

von
erstellt am 08.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Einst gingen Hunderte dort zur Arbeit, die Produktionsstätten waren aus dem Alltag der Schweriner nicht wegzudenken. Heute sind es nur noch dem Verfall preisgegebene Industriebrachen. In dieser Woche nehmen wir fünf davon unter die Lupe – heute: die ehemalige Fokker Aeroplanbau GmbH in der Bornhövedstraße.

Der Holländer Anton Herman Gerard Fokker produzierte in seiner Firma AHG Fokker Aeroplanbau von 1912 an Flugzeuge in Berlin-Johannisthal, wo 1909 der zweite Flugplatz Deutschlands eröffnet wurde.

Schon ein Jahr nach der Gründung seines Unternehmens verlegte Fokker seine Firma nach Schwerin direkt an das Ufer des Schweriner Sees. Dort firmierte er von 1916 an unter dem Namen Fokker Flugzeugwerke mbH.

Legendäre Flugzeuge wurden in den Hallen an der Bornhövedstraße gebaut. Darunter der Dreidecker Dr. I, der im Ersten Weltkrieg von Manfred von Richthofen, dem Roten Baron, geflogen wurde. Doch schon 1919 machte Anton Fokker seine Flugzeugfabrik in Schwerin zu und verlagerte die Anlagen in die Niederlande. Der Versailler Vertrag verbot Deutschland den Bau von Flugzeugen. In Amsterdam bestand die N.V. Nederlandsche Vliegtuigenfabriek Fokker bis 1996.

Nach dem Ende des Flugzeugbaus am Schweriner See wurden die Fokker-Hallen vor allem von Wassersportlern genutzt. Das kleinere der großen Gebäude, die so genannte Halle 1, wurde vor und nach 1990 von einem Privatmann als Bootshalle genutzt. Als sie dann an die Stadt kam, hat die das Gebäude zunächst von Gerümpel und Sondermüll befreien müssen. Dann wurde die Halle denkmalgerecht gesichert. Dabei wurden sogar noch Spinde gefunden, die aus der Fokker-Zeit stammen. Dieses Gebäude und das umliegende Areal soll nun wieder eine Zukunft bekommen.

Ein Investorenkonsortium hat die Fläche erworben und will dort Anlagen für „Freizeit- und Erholungszwecke sowie wassertouristische Nutzungen“ errichten. „An der Stelle des heutigen Sportboothafens und der Bootshäuser werden insgesamt 25 Gastliegeplätze an einer neuen Steganlage entstehen. Mittelpunkt des Bereiches ist die denkmalgeschützte Fokker-Halle 1, die saniert und für verschiedene Aktivitäten nutzbar wird. In den Sommermonaten bietet die Haupthalle Platz für diverse Indoor-Aktivitäten. Im Winter können Boote eingelagert werden. In einem abgetrennten Bereich der großen Halle sind eine Gastronomie sowie das Hafenmeisterbüro untergebracht“, so das Konzept.

Außerdem sind 16 Wohnmobilstellplätze vorgesehen. „Auf den Flächen des ehemaligen nördlichen Klärwerkes entsteht eine Ferienhausanlage mit Doppelhäusern in aufgelockerter und moderner Bauweise. Insgesamt werden 20 Ferienwohnungen auf unterschiedlichen Grundrissen bzw. Größen angeboten.“ Am Ufer verläuft nach den Plänen ein geschwungener Rad- und Fußweg. „Hier ist ein offener Strandbereich mit einem Strandcafé vorgesehen.“ Doch bevor diese Visionen Wirklichkeit werden können, muss zunächst ein Bebauungsplan für das Areal aufgestellt werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen