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Schwerin rockt : Speicher startet nach Angst-Jahr durch

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gescheiterter Privatisierungsversuch hat Schäden hinterlassen, die durch ein attraktives Programm behoben werden sollen

Start nach Maß für das Veranstaltungsjahr 2014 im Speicher: Ein restlos ausverkauftes Haus und ein grandioses Konzert mit der Coverband „Dire Strats“ (SVZ berichtete). Doch die Schäden, die der im vergangenen Jahr von den Stadtfraktionen CDU/FDP, SPD-Grüne und Unabhängige Bürger initiierte Privatisierungsversuch hinterlassen hat, sind noch immer spürbar. „Ich bekomme an jedem Konzertabend dutzendweise Fragen, ob und wie es denn weiter geht mit dem soziokulturellen Zentrum und ob eine Privatisierung nun endgültig vom Tisch ist oder nur aufgeschoben“, berichtet der Leiter der kommunalen Kulturstätte, Dieter Manthey. Fast noch schlimmer seien diese Fragen, wenn sie von großen Konzertagenturen und Veranstaltern gestellt werden. „Und dass ich neun Monate lang keine Verträge für das neue Jahr abschließen durfte, war schmerzhaft. Insbesondere Künstler und Bands aus Übersee haben einen langen Planungsvorlauf und lassen sich nicht auf Wackelpartien ein. Die kommen dann einfach nicht“, sagt der Kulturmanager.

Dass das Programm für 2014 dennoch voll geworden ist und sich durchaus attraktiv liest, hat zwei Gründe: Das hänge mit dem guten Ruf des Speichers zusammen, erklärt Manthey den einen. Bescheiden verschweigt er dabei den anderen, nämlich dass seine Vielzahl von Kontakten und die langjährige Erfahrung als Leiter eines der beliebtesten Live-Klubs im Norden das Musik- und Kabarett-Jahr im Speicher gerettet haben.

Und wie die erste Veranstaltung des Jahres gezeigt hat, liegt er mit seiner Programmzusammenstellung offenbar richtig. Die Mischung aus bekannten und stark nachgefragten Bands und frischem Blut zieht sich durch das ganze erste Halbjahr. Das kommende Wochenende sind zunächst alte Bekannte zu Gast: Am Freitag um 20 Uhr spielt Meiers Clan auf, das Saxofonquartett, das mit Spielfreude und Qualität überzeugt. Sonnabend folgt MTS, das Musikkabarett. Außerdem sind im Januar noch Wolfram Huschke, der Cello-Rebell, die Hamburg Blues Band, der Comedian Ingo Oschmann, Bauchredner Eddy Steinfatt und die Krautrock-Band „Kapusta“ im Speicher sowie als Neuling der englische Gitarrist und Harmonika-Spieler Pete Gavin.

Die Programmvielfalt setzt sich auch in den folgenden Monaten fort: Rock mit „The Grand Opening“ aus Schweden oder den „Lords“, Pop mit „Chapeau Claque“ oder den „Blackbirds“, Blues mit Michael von Merwyk und Bluesoul oder „Blues Horizon“, Kabarett mit Uwe Steimle oder der Leipziger Pfeffermühle, Comedy mit Michael Genähr oder Bauer Korl. Hinzu kommen renommierte Coverbands wie „Re Cartney“ oder „Stone“, Klezmer, Chansons, Balladen, Tango, Kinderveranstaltungen und Theateraufführungen.

Zu Programmempfehlungen will Manthey sich nicht hinreißen lassen, nennt aber gern einige seiner Neuentdeckungen: „44 Leningrad“ gehört dazu. „Eine Rockband aus Potsdam, die russisch singt und die Post voll abgehen lässt“, schwärmt er. Oder Chin Meyer. „Der macht Finanzkabarett – einfach genial.“ Und Ewan Dobson, der Gitarrist, sei auf dem Internet-Portal von youtube eine ganz große Nummer.

„Wir machen ein Programm für alle Schweriner. Zu den Abendveranstaltungen kommen Leute zwischen 20 und 70 Jahren – ohne Dresscode. Egal ob man allein, zu zweit oder in Gruppen kommt, der Speicherbesuch ist immer ein Erlebnis und der Eintritt ist für Live-Konzerte durchaus preiswert“, wirbt er für das soziokulturelle Zentrum. Und dann fügt er nachdenklich hinzu: „Ich danke allen Kulturfreunden, die uns in der schwierigen Zeit die Treue gehalten haben und allen Unterstützern, die das Überleben dieses kommunalen Kulturhauses gesichert haben.“

 

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erstellt am 06.Jan.2014 | 22:00 Uhr

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