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25. November 2017 | 10:51 Uhr

Schwerin : Speicher-Privatisierung gescheitert

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Einen Wanderzirkus mit Ziegen und Hunden in den Speicher einziehen zu lassen, das dürfte selbst den Fraktionen und Unabhängigen Bürgern, die die Privatisierung initiiert haben, zu weit gehen.

svz.de von
erstellt am 14.Jul.2013 | 07:57 Uhr

Schelfstadt | Einen Wanderzirkus mit Ziegen und Hunden in den Speicher einziehen zu lassen, das dürfte selbst den Fraktionen von CDU, SPD-Grüne und Unabhängigen Bürgern, die die Privatisierung der beiden städtischen Kulturhäuser in der Schelfstadt initiiert haben, zu weit gehen. Aber andere ernsthafte Bewerber stehen nicht vor der Tür. Auf die Ausschreibung hin hatten sich fünf Interessenten in den Räumen umgeschaut, einige hatten sich Zahlen und Berechnungen zeigen lassen, doch dann haben alle abgewinkt: Wenn das Profil des Hauses als kulturelles Zentrum mit großer Programmvielfalt von Live-Musik aller Richtungen, Comedy, Lesungen, Kabarett, Schauspiel, Filmvorführungen und Kinderveranstaltungen erhalten bleiben soll, lässt es sich für einen privaten Unternehmer nicht wirtschaftlich betreiben. So lautete das Fazit von erfahrenen Managern, die Synergie-Effekte hätten nutzen können wie etwa die Betreiber der Sport- und Kongresshalle oder des Filmtheaters Capitol. Zu hoch seien die Betriebskosten, denn es handelt sich um eine städtische Immobilie, für die Miete zu zahlen wäre. Hinzu käme die Übernahme von zwei Mitarbeitern für zumindest zwei Jahre.

Droht dem Speicher jetzt die Schließung? Manager Dieter Manthey hofft auf eine vernünftige Entscheidung der Stadtvertreter für den Weiterbetrieb in städtischer Regie und verweist auf Zahlen und Fakten, die für eine effiziente Arbeit sprechen: 31 ausverkaufte Veranstaltungen im ersten Halbjahr und zwar in voller Bandbreite: Rockkonzerte wie mit den Lords oder Mitch Ryder, Pop mit Schmidt oder Ulrike Hanitzsch, Tango mit Quadro Nuevo, Kabarett mit Uwe Steimle, Comedy mit Emmi und Wilnowsky oder Bauer Korl, Lesungen mit Dr. Bernd Karsten, Kinderveranstaltungen mit der Mukketier-Bande oder Robert Metcalf.

Und auch für das zweite Halbjahr hat der erfahrene Kultur-Veranstalter schon zahlreiche Künstler gebucht, die die Schweriner lieben, wie beispielsweise die Rockbands Keimzeit, Electra, Stoppok, Ragnarök, Pure Irish Drops oder Anna Haigis, Kabarettisten wie die Herkuleskeule, die Academixer und Barbara Kuster. Es gibt zahlreiche Kinderkonzerte, die Literaturtage haben den Speicher für Lesungen gebucht, die Kinder-Kultur-Karawane macht hier Station. Aber wenn es auch 2014 ein attraktives Programm geben soll, muss jetzt eine Entscheidung getroffen werden. "Renommierte Künstler kann man nicht auf Zuruf buchen, nicht mal für den Speicher", sagt Manthey.

Etwas anders stellt sich die Situation für das Schleswig-Holstein-Haus dar. Dessen Rahmen wird durch seine spezielle Geschichte definiert. Zumindest bis 2019 muss es ein Kulturhaus bleiben. Nach der Ausschreibung für einen Trägerwechsel gab es auch für diese Einrichtung mehrere Interessenten, zwei von ihnen haben sogar ein Betreiberkonzept eingereicht. Doch ob diese die Wünsche der Stadtvertreter, die für die Privatisierung gestimmt haben, auch erfüllen, muss sich erst noch zeigen. Die Stadtverwaltung hält sich dazu bedeckt, will nach der Sichtung der vorgelegten Ideen zunächst die Fraktionen informieren. Die Prüfung der Konzeptionen erfolgt durch eine interfraktionelle Arbeitsgruppe, die bereits in der vergangenen Woche getagt hat, aber noch deutlichen Beratungsbedarf signalisiert hat.

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