zur Navigation springen

Schwerin: Haus gerettet - aber nicht auf Dauer : Sparpaket für Theater verordnet

vom

Die Diskussion der Stadtvertreter dauerte eine Stunde, bei der Abstimmung war die Mehrheit für den Antrag groß - das Mecklenburgische Staatstheater kann eine zusätzliche Finanzspritze von einer Million Euro bekommen.

svz.de von
erstellt am 22.Nov.2011 | 06:57 Uhr

Altstadt | Die Diskussion der Stadtvertreter dauerte eine Stunde, bei der Abstimmung war die Mehrheit für den Verwaltungsantrag groß - das Mecklenburgische Staatstheater kann eine zusätzliche Finanzspritze von einer Million Euro bekommen. Gerettet ist das Haus damit zwar - aber nicht auf Dauer.

"Das Geld reicht bis zum Ende der Spielzeit im kommenden Sommer", sagte Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow. Dem widersprach der SPD-Stadtvertreter Rudolf Conrades: "Nach den Angaben der Beteiligungsverwaltung ist die zusätzliche Million bereits im März aufgebraucht." Er nannte ein paar Zahlen, wo ran das seiner Einschätzung nach liegt. "Im Jahr 2010 waren für die Leitungsebene des Theaters 933 000 Euro für Gehälter nötig. Das waren nach Angaben des Deutschen Bühnenvereins die höchsten Ausgaben unter den Theatern vergleichbarer Größe in Deutschland." Außerdem hatte das Haus ebenfalls im vergangenen Jahr 2302 Verträge "mit nicht ständig Beschäftigten". "Mehr Verträge hatten nur Theater in Berlin, Frankfurt am Main und in Dresden", sagte Conrades. "Die sind aber alle viel größer als Schwerin." Er forderte deshalb, dass zunächst beim Theater selbst nach Ein sparmöglichkeiten gesucht wird. Grundlage könnte ein im August 2011 erstelltes Gutachten des Beratungsunternehmens PriceWaterhouseCooper (PWC) sein. "Das ist mir aber bisher unbekannt", kritisierte Conrades. Dabei war das Gutachten von der städtischen Beteiligungsverwaltung (GBV) in Auftrag gegeben worden. "Es geht aber um Interna der Theater gGmbH", so die Oberbürgermeisterin. "Ich kann Ihnen das Papier deshalb nicht in die Hand geben, aber die Fraktionen können Einsicht nehmen." Dabei enthält das Gutachten Höchstbrisantes. So ist danach das Eigenkapital des Theaters mehr als aufgebraucht - von 400 000 Euro auf minus 500 000. Fazit der Fachleute: Das Staatstheater erfüllt den "Insolvenztatbestand", weil "keine positive Fortführungserklärung für das darauf folgende Geschäftsjahr gegeben werden kann". Diese Aussage gilt auch nach der Gewährung des millionenschweren Rettungspaketes.

Deshalb muss die Intendanz dem Aufsichtsrat am 14. Dezember ein Sanierungskonzept vorlegen, das mindestens fünf Jahre lang Bestand haben soll. "Von der Schließung einer Sparte bis zur Entlassung von jeweils fünf Mitarbeitern in jeder Sparte ist alles möglich", so Angelika Gramkow. Eine Herabstufung der Staatskapelle vom A- zum B-Orchester lehnte sie aber kategorisch ab. "Dieses Problem haben 34 Standorte in Deutschland. Und jeder wartet darauf, dass einer den Anfang macht."

Noch vor dem Aufsichtsratstermin, so kündigte die OB an, werden Gespräche mit den Landräten aus Nordwestmecklenburg und Ludwigslust-Parchim, Birgit Hesse und Rolf Christiansen, und dem Wismarer Bürgermeister Thomas Beyer geführt. Das Ziel: Die Landkreise sollen Gesellschafter der Theater gGmbH werden und einen jährlichen Zuschuss zahlen. Der würde dann aber beispielsweise dem Landestheater Parchim und dem Bespieltheater in Wismar fehlen.

Ein Zusatzantrag der FDP-Stadtvertreter, dass das Theater aus der Tarifbindung oder sogar aus dem Arbeitgeberverband austreten soll, fand im Hauptausschuss noch eine knappe Mehrheit. Die Stadtvertreter verwiesen ihn dann aber doch in die Ausschüsse. "Die Personalkosten betragen 80 Prozent des Gesamtbudgets und steigen ständig", sagte FDP-Politiker Michael Schmitz. "Diese Dynamik müssen wir durchbrechen."

Einigkeit herrschte unter allen Fraktionen, das Mecklenburgische Staatstheater möglichst als Fünf-Sparten-Haus zu erhalten. Von SPD, CDU und Linken wurde mehr Unterstützung vom Land gefordert. "Der Bildungsminister muss endlich sagen, wieviel Theater sich das Land leisten will", so CDU-Fraktionschef Sebastian Ehlers.

Zunächst bekommt das Theater nun aber eine halbe Million Euro vom Land und eine weitere halbe Million von der Stadt. Die muss dafür aber nicht wie ursprünglich geplant einen Kredit aufnehmen. Beim Nahverkehrsbetrieb und beim Abfallentsorger SAS wurden plötzlich noch 500 000 Euro "gefunden".

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen