An der falschen Stelle gekürzt : Sparen: Das sagen die Schweriner

Erdmännchen im Zoo – wie lange noch? Nach den vorliegenden Plänen soll der Tierpark verkleinert werden. Nicht heimische Tiere müssten eventuell abgegeben werden.
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Erdmännchen im Zoo – wie lange noch? Nach den vorliegenden Plänen soll der Tierpark verkleinert werden. Nicht heimische Tiere müssten eventuell abgegeben werden.

Die Vorschläge des Beratenden Beauftragten zum Schuldenabbau der Landeshauptstadt werden von den Bürgern abgelehnt

svz.de von
24. März 2014, 22:00 Uhr

Höhere Steuern, teurere Fahrscheine für Busse und Bahnen, ein kleinerer Zoo, ein geschlossener Belasso-Sportpark – insgesamt 26 Sparvorschläge hat der Beratende Beauftragte des Innenministeriums für Schwerin auf den Tisch gelegt. Insgesamt ein dramatischer Sparkurs. Bei den Bürgern kommen die Vorschläge schlecht an.

„Schwerin braucht keine Streichliste vom Sparkommissar“, schreibt Wolfgang Lange. Sein Vorschlag: „Ökonomen müssen dringend Leitungspositionen besetzen, damit der über Jahre entstandene finanzielle Schaden reduziert werden kann.“ Das Fazit des Schweriners: „Die Abwälzung der selbst produzierten Schulden auf die kleinen Steuerzahler ist sehr unsozial und trifft die Unschuldigen.“ Ähnlich sieht es Michael Schröder. Er spricht von „Erhöhungen und Einsparungen zum Nachteil der Bewohner“. Via Facebook fordert er die „lieben Damen und Herren der Stadtvertretung“ auf, dafür zu sorgen, dass Schwerin interessanter wird, „um somit einer Abwanderung wegen fehlender Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten entgegen zu wirken“. Ronny Ha beschwert sich drastisch: „Das Belasso schließen, habt Ihr jetzt endgültig den Verstand verloren?“ Mit Blick auf den Sportpark spricht Steffen Salow ironisch von „tollen Vorschlägen von diesen kühlen Rechnern“. Er fragt: „Was kann denn diese Landeshauptstadt überhaupt noch bieten?“ Ein heikles Thema bringt Michael Westphal in die Diskussion ein: „Man sollte über Eingemeindungen der umliegenden Ortschaften nachdenken.“

Einen breiten Raum nehmen in der Leserdiskussion die Vorschläge zum Zoo ein. „Der Zoo soll kleiner werden und noch mehr Eintritt kosten“, schreibt Christopher Grevismühl. „Ich finde schon 8,50 Euro happig, wer soll sich das noch leisten?“ Und zur vorgeschlagenen Verkleinerung des Tierparks schreibt Rob Shady nur: „Wie absurd ist das denn bitte?“ Und Janett Wilke meint, dass unter diesen Umständen bald niemand mehr in den Zoo gehen wird.

Zum Theater gibt es widerstrebende Aussagen. Robert Blum sagt: „Zum Theater fällt mir ein, dass man die Spiele ruhig von Mai bis September laufen lassen kann, ist doch so schon jedes Jahr fast ausverkauft. Gibt bestimmt ein paar Euro mehr.“ Hingegen meint „von Welt“: „Man sollte lieber an den Kosten des Theaters sparen, denn da läuft ja leider auch nur Rentnerprogramm. Wenn man auch da mal mit anderen Programmen locken würde, könnte sich das Theater sicher auch alleine finanzieren.“

Einigen Facebook-Nutzern gibt es zu wenig Angebote für junge Leute. „Eine Schwimmhalle, die aus allen Löchern pfeift, Veranstaltungen in der Sport- und Kongresshalle werden vom Ordnungsamt bodenlos missbraucht und die Besucher werden abgezockt. Sportangebote? Fehlanzeige“, schreibt Andreas Niess. Ähnlich sieht es Ines König: „In Schwerin ist eh nicht viel los und das bisschen, was es gibt, wird dann noch geschlossen, verkleinert und teurer ... wie bescheuert ist das denn?“ Und in einem weiteren Beitrag fordert Robert Blum, dass man junge Leute mitentscheiden lassen solle: „Sie müssen das Schwerin von Morgen gestalten.“

Im Übrigen kommt „die Politik“ bei den Lesern nicht gut weg. Ob Stadtverwaltung, Stadtvertretung oder Innenministerium – auf alle wird geschimpft. Und „die Beamten“ stehen im Fokus. „Kürzt als erstes mal lieber Eure XXl-Gehälter“, sagt Ronny Ha. Andreas Niess meint, dass die „Politkasper“ zunächst bei sich selbst mit dem Sparen anfangen sollten. Und Christopher Grevismühl ist der Ansicht: „Dann braucht die Stadt einen anderen Bürgermeister und andere Stadtvertreter, damit sich mal was bewegt.“ Das Problem glaubt Bina Jasmund erkannt zu haben und kritisiert, „dass die Verantwortlichen nur von zwölf bis Mittag denken.“ Begründung von Thommy SN: „Politiker sind nun mal seit langer Zeit keine Volksvertreter, sondern Diener eigener Interessen.“ Und Karsten Schatka blickt auf den 25. Mai. „Vielleicht sollten wir alle mal mutig sein und bei der Kommunalwahl unser Kreuz an der richtigen Stelle machen.“

Alles in allem – die Sparvorschläge werden abgelehnt. Anja Nies macht es „bei solchen Vorstellungen des Innenministeriums keinen Spaß mehr, ein Schweriner zu sein“. Und Wilfried Lohmann verlangt: „Macht meine Stadt nicht kaputt.“ Fast schon resignierend hört sich Eva-Maria Tempelhahn an: „Bleibt zu hoffen, dass auch das Land von der Einsicht heimgesucht wird, dass die Vorschläge am eigentlichen Problem, nämlich der strukturellen Schieflage Schwerins, nichts ändern.“




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