Missbrauch im Jugendclub Schwerin : Sonderausschuss prüft jetzt Jugendamt

dpa_148a48003c1ba5c9

Schweriner Stadtvertreter auf Fehlersuche nach Missbrauchsfällen im Jugendtreff Schwerin

von
13. Januar 2016, 06:00 Uhr

Jetzt wird es eng für Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke): Die Schweriner Stadtvertreter wollen die Fehlersuche nach der falschen Reaktion des Jugendamtes auf Hinweise zu Kindesmissbrauch nicht allein der Stadtverwaltung überlassen. Fünf Fraktionen werden einen besonderen Ausschuss der Stadtvertretung einsetzen. Er soll den Umgang des Jugendamtes mit den Fällen des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen und Kindern im Zusammenhang mit dem Verein „Power for Kids“ untersuchen. Dass die  Oberbürgermeisterin  am Montag eine Sonderermittlerin installierte, reicht den Stadtvertretern  nicht aus. 

Es gebe „noch viele Ungereimtheiten, die unabhängig von der Verwaltung geklärt werden müssen“, sagte die SPD-Stadtvertreterin Edda Rakette. „Es kann nicht sein, dass sich Menschen hilfesuchend ans Jugendamt wenden und nichts passiert.“ Zunächst hatten SPD, CDU, Unabhängigen Bürgern und Grünen den Antrag zur Einsetzung eines zeitweiligen Ausschusses an die Stadtvertretung vorbereitet. Gestern Nachmittag kam die Linksfraktion  hinzu.

Der Fakt: Nachdem ein Sozialarbeiter des Jugendklubs von Eltern von sexuellen Übergriffen des faktischen Leiters des Jugendtreffs „Power for Kids“  erfahren hatte, wandte er sich vor einem Jahr hilfesuchend ans Jugendamt. Einen Monat später, als die Eltern dem Sozialarbeiter ankündigten, ihre Kinder würden dem Treff fernbleiben, hielt das Amt den Fall für beendet. Deshalb wurde vom Amt weder im Verein „Power for Kids“ nachgeforscht noch die Polizei informiert.

Die Deutsche Kinderhilfe warf dem Jugendamt „ein gestörtes Verhältnis zur Gefahrenabwehr und zum Opferschutz“ vor. Die Behörde hätte von einer Wiederholungsgefahr an anderen Kindern ausgehen müssen. Der inzwischen Angeklagte, Peter B., vergriff sich in den sechs Monaten bis zu seiner Verhaftung an sieben Kindern. Vor Gericht gestand er, 15 Jungen seit 2007 missbraucht zu haben.

CDU-Stadtfraktionschef Sebastian Ehlers (CDU) sagte, anscheinend sei der Fall der kleinen Lea-Sophie von der Stadtverwaltung nicht so gut aufgearbeitet worden, wie es immer wieder behauptet wurde. Die Fünfjährige war 2007 in der Wohnung ihrer Eltern verhungert.  Für OB Angelika Gramkow „verbietet sich“ der Vergleich mit dem Fall Lea-Sophie.

Heutige Reaktion auf diesen Artikel
Per Mail erreichte uns heute Morgen eine Reaktion des Sachgebietsleiters Jugend-Jugendsozialarbeit beim IB Schwerin, Lothar Wohlgethan, der uns auf einen aus seiner Sicht nicht korrekten Sachverhalt hinwies: „Nicht ein Sozialarbeiter des Jugendklubs Power for Kids hat von sexuellen Übergriffen erfahren, sondern zwei Schüler haben sich an ihren Schulsozialarbeiter gewandt und darüber berichtet." Dass es sich um Schüler als Hinweisgeber handelte, war in der gesamten bisherigen Diskussion noch nie ein Thema. Auch die Stadt Schwerin ging in ihren Stellungnahmen von „einem Sozialarbeiter" aus, ohne sich jedoch tatsächlich auf dessen Tätigkeit im oben genannten Klub zu beziehen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen