Schwerin : Sommer 2012: Gewinner und Verlierer

<strong>Geisterstimmung im Freibad Kalkwerder: </strong>Obwohl es im Wasser wärmer ist als an der Luft, kommen zurzeit nur wirklich Hartgesottene an diesen gepflegten Strand.<foto>Unger</foto>
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Geisterstimmung im Freibad Kalkwerder: Obwohl es im Wasser wärmer ist als an der Luft, kommen zurzeit nur wirklich Hartgesottene an diesen gepflegten Strand.Unger

Hoteliers sind unzufrieden, Einzelhändler murren: Der verregnete Sommer drückt nicht nur auf die Stimmung, sondern auch auf den Umsatz in der Landeshauptstadt.

svz.de von
18. Juli 2012, 07:49 Uhr

Schwerin | Der verregnete Sommer drückt nicht nur auf die Stimmung, sondern auch auf den Umsatz. In Schwerin machen weniger Touristen Halt, als sich das die Branche in der Hauptsaison wünschen würde - und braucht. Hoteliers sind unzufrieden, auch viele Einzelhändler murren. Lediglich die Center sind bei Regen richtig voll. Sogar das Staatliche und das Schlossmuseum, sonst die klassischen Schlecht-Wetter-Profiteure, verzeichnen in der ersten Hälfte des Sommers gut 5000 Besucher weniger als im Vorjahr. Der Sommer 2012 kennt in der Landeshauptstadt mehr Verlierer als Gewinner. Eine Zwischenbilanz:

Am Strand des Freibades Kalkwerder herrscht in dieser Woche fast jeden Tag gähnende Leere. Nicht mal eine Handvoll Gäste tummelt sich dort vormittags. Lediglich die Teilnehmer des Kinder-Schwimmcamps, aktuell 17 an der Zahl, sorgen für ein bisschen Lärm und Leben. Morgens wird zudem Seniorenschwimmen angeboten, immerhin fünf Gäste lockt das an. Die drei DRK-Rettungsschwimmer, die dort jeden Tag von 10 bis 18 Uhr Dienst tun, tragen es mit Fassung. "Die Hartgesottenen, die ihre Monatskarten haben, kommen trotzdem zum Schwimmen", sagt Andreas Böttcher. "Das Wasser ist mit 20 Grad schließlich oft wärmer als die Luft." Das Freibad in Kalkwerder, das vom DRK finanziert werden, ist in diesem Sommer ganz klar ein Zuschussgeschäft. An heißen Top-Tagen drängen sich dort bis zu 700 Badefreunde, weiß "Sprotte" Böttcher. Dann beginnt das Freibad tatsächlich Geld abzuwerfen.

Auch die übrigen Strände der Landeshauptstadt - Zippendorf oder Lankow - wirken leer gefegt wie an rauhen Herbsttagen. Kaum ein Gast liegt am zugigen Strand. Schweriner und ihre Gäste tummeln sich zurzeit lieber in den Einkaufszentren. Doch von Euphorie ist auch das Schlosspark-Center noch weit entfernt, aber "ganz unzufrieden sind wir nicht", sagt der stellvertretende Center-Manager Wolfgang Werner. "Wenn das Wetter richtig schlecht ist, sind wir richtig voll. Inwieweit die Menschen auch wirklich einkaufen, ist eine andere Frage. Wir werten immer erst quartalsweise aus. Aber erfahrungsgemäß bleibt da etwas hängen."

Auch das Modehaus Kressmann kann nach eigenen Aussagen mit dem Sommer 2012 gut leben. Viele Urlauber gehören zu den Kunden, so Evelyn Hoffmann. "Die Wetterlage ist für uns optimal." Um sich auf die fremdsprachigen Sommergäste besser einstellen zu können, hat Kressmann jetzt zehn Mitarbeitern einen Englischkurs gegönnt.

Die Einzelhändler der Werbegemeinschaft Altstadt hingegen "haben nach wie vor zu kämpfen", sagt Vorsitzender Martin Wollschläger. Vielleicht müsse man hier über die Ladenöffnungszeiten noch einmal neu nachdenken. Die Gastronomie funktioniere, könne aber besser sein. "Die Tagesausflügler von der Ostsee kommen schon, aber auch dort gibt es derzeit eben deutlich weniger Urlauber", so Wollschläger.

Genau diesen Eindruck kann auch Katharina Lawrenz von der Stadtmarketing-Gesellschaft nur bestätigen, die mit der Tourismusbranche in ständigem Kontakt steht. "Dieser Sommer ist schon der zweite Regensommer in Folge - da überlegen sich die Leute genau, ob sie an die Ostsee fahren." Vor allem die Küstenregion klagt und Schwerin klagt mit über entsprechend weniger Tagesgäste, die von dort oben kommen - und mit gezielten Marketingstrategien gerade bei schlechtem Wetter nach Schwerin gelockt werden sollen. "Trotzdem ist unser Tourismus sehr wetterabhängig. Wir merken das vor allem bei den Gruppenführungen, die Busunternehmen bei uns buchen. Ist die Wettervorhersage für die Region gut, klingeln die Telefone heiß. Bei Regen ist es genau anders herum." Trotzdem: Gut 500 Kunden kommen täglich in die Tourist-Information am Markt, rechnet Lawrenz hoch. Sie nehmen Abreiß-Stadtpläne mit, buchen Führungen, lassen sich mit Tipps und Ratgebern versorgen. Auch die öffentlichen Stadtführungen liefen mit durchschnittlich 20 Gästen aktuell sehr gut.

Die Hotellerie allerdings hat weniger Grund zur Freude. Die Kapazitäten sind längst nicht ausgelastet - trotz der sehr erfolgreichen Schlossfestspiele und obwohl die Gäste, die erstmal hier sind, redlich begeistert sind von Architektur, Kultur und Gastlichkeit. Und der Juli scheint mit jeder Wettervorhersage für die Übernachtungsbranche noch schlechter zu werden.

Auch das Staatliche Museum präsentiert schlechtere Zahlen als 2011: Insgesamt 43 000 Besucher kamen im Mai und Juni in die Ausstellungen, im Vorjahr waren es noch 48 000. "Trotzdem zählen wir uns zu den Gewinnern des Schlecht-Wetter-Sommers", sagt Museumssprecherin Heidemarie Otto. Auch Erika Hellmich vom Schweriner Zoo möchte Wind und Wolken nicht missen: "Im Juni hatten wir knapp 20 000 Besucher", sagt die Öffentlichkeitsarbeiterin. "Uns gefällt das Wetter ganz gut."

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