So wird Schwerin zum Öko-Vorreiter

Ökologie hat Grenzen: Nicht jedes Dach bietet sich für Solar- oder Windkraftanlagen an. Fiktives Projekt: Bevor sich die Schweriner mit einer  großen Glocke  vor Umwelteinflüssen schützen müssen, gibt es zahlreiche andere Vorschläge, um Städte ökologisch und klimafreundlich zu gestalten. Hochschule Wismar (2)
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Ökologie hat Grenzen: Nicht jedes Dach bietet sich für Solar- oder Windkraftanlagen an. Fiktives Projekt: Bevor sich die Schweriner mit einer großen Glocke vor Umwelteinflüssen schützen müssen, gibt es zahlreiche andere Vorschläge, um Städte ökologisch und klimafreundlich zu gestalten. Hochschule Wismar (2)

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15. September 2012, 01:51 Uhr

Schwerin/Wismar | Leben Schweriner der Zukunft in einer künstlichen Atmosphäre? Auch wenn es heute schon das Eden Projekt in Tropical Island (England) gibt, ist diese Idee für Schwerin eher unrealistisch. Prof. Martin Wollensak von der Hochschule Wismar, dessen wissenschaftlicher Schwerpunkt im energiebewussten und nachhaltigen Bauen liegt, untersucht Modelle für die Stadt der Zukunft. Das ideale Ziel: Mit stadteigenen Systemen für Müll, Energie und Wasser werden urbane Zentren zu sich selbst versorgenden Systemen. Beim Immobilienforum zeigte er, welche bedeutende Rolle ökologisches und energiebewusstes Bauen für die Landeshauptstadt spielt.

Die aktuellen Probleme von urbanen Zentren bilden Wollensak zufolge vor allem der Hunger nach Energie und Ressourcen, die wachsende Müll- und Abgasproduktion sowie die zunehmende Mobilität. So produzierte im Jahr 2007 jeder Schweriner rund sechs Tonnen Kohlendioxid (CO2), wie aus dem Klimakonzept der Stadt hervorgeht. Damit liegt die Stadt der sieben Seen zwar rund 60 Prozent unter dem bundesweiten Durchschnitt, dennoch erzeugen die Rostocker immer noch weniger als die Landeshauptstädter. 40 Prozent des

CO2-Ausstoßes entstehen bei der Stromproduktion, ein Drittel verursacht der Verkehr und ein weiteres die Wärmegewinnung. An diesen Punkten zeigt Wollensak Lösungsansätze auf.

Um den Ausstoß von Schadstoffen zu minimieren, müssten Transportwege, Strukturen der Stadt, Wirtschaft und Energieverbrauch effizienter miteinander verzahnt werden. Enormes Potenzial dafür liegt Wollensak zufolge einerseits in der Bauweise von Gebäuden. Mit 40 Prozent würden Haushalte, Handel und Gewerbe andererseits zu den größten Stromverbrauchern gehören, sagt er. "Darin liegt ein enormes Einsparpotenzial." Die populärsten Lösungen sind Solaranlagen auf dem Dach wie in der Solar-Siedlung Freiburg Vauban, hauseigene Wasseraufbereitungsanlagen oder wassersparende Armaturen. Ausgeklügelte Passivhäuser nutzen nicht nur die Sonneneinstrahlung, sondern auch die Abwärme von Bewohnern und technischen Geräten. Die Weiterentwicklung ist das Energieüberschusshaus, das beispielsweise mit dem zu viel produzierten Strom ein Elektro-Auto versorgt und damit eine ökologisch saubere Mobilität ermöglicht.

Der Kern der umweltfreundlichen Stadt von morgen liegt Wollensak zufolge vor allem in kleinen, dezentralen Ver- und Entsorgungssystemen. Damit würden Wege und in der Folge auch Energie, Rohstoffe und die Produktion giftiger Klimagase gespart. So könnten kleine Kraftwerke Quartiere mit Strom und Wärme versorgen. Des weiteren würden Dachgärten ein gutes Klima in Innenstädten schaffen.

Das beste Beispiel für die Landeshauptstadt sei zurzeit die Sanierung der alten Brauerei am Ziegelinnensee. Einerseits würden durch die Erneuerung der alten Gebäude deren Lebensdauer verlängert und unter dem Strich Ressourcen gespart werden. Andererseits bieten solche Umbauprojekt die Möglichkeit zu ökologischen Bauweise und zur Installation beispielsweise von Solaranlagen. Bevor über Schwerin eine Glaskuppel gespannt wird, hält Wollensak noch jede Menge anderer Vorschläge für eine ökologische Stadtentwicklung bereit.

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