Wohnraum wird hergerichtet : So leben Asylbewerber in Schwerin

WGS-Chef Thomas Köchig (l.) zeigt die Ausstattung eines Wohnzimmers für vier Asylbewerber.
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WGS-Chef Thomas Köchig (l.) zeigt die Ausstattung eines Wohnzimmers für vier Asylbewerber.

Ein Tisch, ein Stuhl, ein Bett, ein Spind: Flüchtlinge wohnen bis zur Prüfung ihres Antrags in spartanisch eingerichteten WGS-Zimmern

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01. Oktober 2015, 08:00 Uhr

Die kleine Dreizimmerwohnung in dem Plattenbau in Neu Zippendorf ist sauber und ordentlich. Die alten Raufasertapeten sind neu geweißt, der Fußboden mit DDR-Linoleum ist frisch gewischt. Kahle Wände, keine Couch, keine Sessel, kein Fernseher, kein Radio, kein Teppich, keine Gardinen. Im Wohnzimmer stehen vier winzige Tischchen zusammengestellt und vier Küchenstühle. In den beiden Schlafzimmern – das kleine ist vielleicht sieben Quadratmeter groß –, sind je zwei Betten und Schränke aufgestellt, die wie Bundeswehr-Spinde aussehen. Die Unterkunft ist spartanisch. Wäre nicht die kleine Küche, die keine Küchenzeile hat, würde die Möblierung an eine Kaserne erinnern. Doch dort werden demnächst vier Personen einziehen. Im Idealfall eine Familie, möglicherweise aber auch vier Männer.

„Es gibt eindeutige Bestimmungen, wie die Unterbringung von Flüchtlingen während des Asyl-Antragsverfahrens zu erfolgen hat“, sagt Thomas Köchig, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS). Sie hat in den vergangenen Wochen bereits 328 Asylbewerber in 91 zuvor leer stehenden Wohnungen untergebracht. „Wir richten derzeit mit eigenen Kräften durchschnittlich zwei Wohnungen pro Tag her. Doch wir stoßen jetzt finanziell an unsere Grenzen“, sagt Köchig. Die von der Stadt gewünschte dezentrale Unterbringung habe enorme Vorteile für die Integration und für die Lösung infrastruktureller Probleme, weiß er aus Erfahrung. Doch um weitere leer stehende Wohnungen herzurichten, die im Bestand durchaus vorhanden sind, brauche die WGS finanzielle Unterstützung von Bund und Land.

Das betrifft aber nicht nur die WGS alleine, sondern auch andere Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften, sagt Andreas Breitner, Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen. Er kennt die Situation nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, sondern auch in Hamburg und Schleswig-Holstein. „Den Unternehmen ist mit zinsgünstigen Darlehen allein nicht mehr gedient. Sie brauchen jetzt Zuschüsse der öffentlichen Hand“, betont Breitner. Und er lobt Schwerin. Das Engagement der WGS bei der verlässlichen Bereitstellung von Wohnraum für Flüchtlinge sei beispielgebend.

Das Problem im Augenblick ist die Unterbringung der Flüchtlinge, die sich im Asylverfahren befinden. Ist dieses abgeschlossen – in der Regel nach drei Monaten – und sie sind anerkannt, werden sie in die deutschen Sozialsysteme integriert und können ganz normale Mietverträge entsprechend ihren sozialen Verhältnissen abschließen. Dafür steht ausreichend Wohnraum zur Verfügung.

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