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Zeitung für die Landeshauptstadt

13. Dezember 2017 | 21:24 Uhr

Schwerin : So funktioniert Stadttheater

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Intendant Joachim Kümmritz gibt sein Erfolgsrezept preis: Wir spielen für Zuschauer jeden Alters und auf vielen Bühnen

von
erstellt am 17.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Wenn ein Theater innerhalb einer Woche mehr als 25 000 Karten – wie jetzt für das Weihnachtsmärchen – verkauft, muss es vieles richtig gemacht haben. Der Intendant des Mecklenburgischen Staatstheaters, Joachim Kümmritz, berichtet, wie er es schafft, in einer Stadt mit 93 000 Einwohnern mehr als doppelt so viele Besucher für die Bühne zu interessieren.

„Wir spielen für ein sehr breites Publikum. Stadttheater ist wie ein Warenhaus. Da muss für jeden etwas drin sein. Das muss sich im Spielplan reflektieren.“ Dann verweist er auf die ersten Premieren der neuen Spielzeit, die allesamt bei den Besuchern gut angekommen sind. „Erfolg liegt natürlich auch immer an den handelnden Personen. Ich habe über die vielen Jahre, die ich hier in leitenden Funktionen tätig bin, immer versucht, den Theaterbetrieb zu optimieren und gute Leute herzuholen und ans Haus zu binden. Theaterleute sind ein besonderes Völkchen. Gerade in einem Mehrspartenhaus ist es essenziell wichtig, alle mitzunehmen.“

Als Beispiel nennt er die Erfolgsproduktion „Rocky Horro Show“, die über mehr als zehn Jahre hinweg immer für ein ausverkauftes Großes Haus gesorgt hatte. „Es gab damals echten Streit, ob wir so ein Musical überhaupt stemmen können und ob es zumutbar ist, dass das Publikum im frisch renovierten und nagelneu bestuhlten Großen Haus die zur Show gehörenden Rituale ausübt. Wir haben das ausgefochten und es wurde ein Erfolg. Den erringst du im Theater nur, wenn du auch mutig bist“, sagt Kümmritz mit überzeugter Stimme.

Das sei auch bei den Schlossfestspielen so gewesen. Gemeinsam mit Werner Saladin und Dr. Ingo Waszerke hatte er Mitte der 90er-Jahre das Open-Air-Format entwickelt. Damals wurde tatsächlich noch im Schlossinnenhof gespielt. Dann ging das aus Sicherheitsgründen nicht mehr. „Es gehörte viel Mut dazu, auf den Alten Garten zu gehen und vor viermal so viel Publikum zu spielen.“ Es gab aber durchaus auch Sachen, die nicht funktioniert haben, gibt er gern zu. Etwa die Reihe der Meisterkonzerte. Die waren für Schwerin einfach zu teuer.

Dann steckt er sich eine Zigarette an – sein Büro ist der einzige Raum im altehrwürdigen Theater, in dem geraucht werden darf, und verweist auf einen noch wichtigen Faktor für seine Arbeit: „Und man muss sehr aufmerksam sein, was das Publikum will. Sozusagen das Ohr an der Masse haben und dann flexibel reagieren. Ich glaube, das ist uns ganz gut gelungen“, sagt er und nennt wieder ein Beispiel: „Nehmen wir unser Weihnachtsmärchen. Wir haben in einem Zelt auf dem Alten Garten angefangen, weil viele im Haus es für nicht opportun hielten, so etwas auf der echten Bühne zu machen. Doch die Schweriner lieben Peter Dehlers Inszenierungen mit den Kreuzreimen und den vielen Überraschungen, die Alt und Jung ansprechen. Heute reißen sich die Schauspieler darum, darin mitwirken zu können und die Besucher um die Karten.“ Innerhalb von einer Woche wurden 25 000 Karten verkauft. Es gibt nur noch Restkarten.

Das Weihnachtsmärchen sei aber nicht nur Quotenbringer, betont der Intendant. Es habe noch eine andere unschätzbar wichtige Funktion: Kinder ans Theater heranzuführen. „Wir haben mittlerweile eine Vielzahl von Formaten entwickelt: Kinder- und Jugendkonzerte, Kinderopern, Schauspieler auf Tour durch die Schulen, den Jugendtheaterclub, das Schülerprojekt der Theaterfreunde, das Schulklassen den kostenlosen Theaterbesuch ermöglicht und vieles mehr.

„Wir gehen auf die Leute zu. Sonst wären diese Zuschauerzahlen und der hohe Anteil an Eigeneinnahmen nicht erreichbar“, sagt Kümmritz und nennt Theaterthekennacht, Meckpromms, Schauspiel im Dominnenhof oder in der Schelfkirche, Konzerte in der Paulskirche und vieles mehr. Die Schweriner lieben ihr Theater aber auch dafür, dass es immer hilft. Wenn bei einer Veranstaltung in der Stadt Not am Mann ist und Unterstützung gebraucht wird, führen viele Wege zu Joachim Kümmritz. „Vor mir hat keiner Angst, alle wissen, dass ich immer helfe, wo ich kann. Ganz unbürokratisch. So ist Stadttheater und ich bin gern Theaterdirektor“, sagt er und dann schwingt doch ein bisschen Wehmut in der Stimme mit, denn es ist seine letzte Spielzeit in Schwerin.

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