Rekordbeteiligung beim 23. Schweriner Töpfermarkt : So bekommt die Tasse ihren Henkel

<fettakgl>Keramikerin Regine Schönemann zeigt  in ihrer Werkstatt 'Mecklenburger Vogel'</fettakgl> in Rusch, wie die Tassen ihre Henkel bekommen. Sie wird  beim diesjährigen Schweriner Töpfermarkt buntes Geschirr und Salzglasur  ausstellen. <foto>zvs</foto>
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Keramikerin Regine Schönemann zeigt in ihrer Werkstatt "Mecklenburger Vogel" in Rusch, wie die Tassen ihre Henkel bekommen. Sie wird beim diesjährigen Schweriner Töpfermarkt buntes Geschirr und Salzglasur ausstellen. zvs

Wer wissen möchte, wie der Henkel an die Tasse kommt und warum das kleine Teil so fest ist, dass es den ganzen Topf halten kann, ist beim 23. Schweriner Töpfermarkt genau richtig, der am Freitag eröffnet wird.

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02. Juli 2012, 06:47 Uhr

Altstadt | Wer wissen möchte, wie der Henkel an die Tasse kommt und warum das kleine Teil so fest ist, dass es den ganzen Topf halten kann, ist beim 23. Schweriner Töpfermarkt genau richtig, der am Freitag um 10 Uhr auf dem Markt eröffnet wird. Die Verkaufsausstellung des Mecklenburger Vereins "Ton und Töne" hat nicht nur Tradition, sondern auch so manche Neuheit zu bieten. Mit 50 Teilnehmern sind so viele Keramik-Werkstätten und Ateliergemeinschaften aus ganz Deutschland vertreten wie noch nie. So gibt es sowohl für Kunstliebhaber als auch für Freunde guter Gebrauchskeramik allerlei zu sehen, zu bestaunen und zu kaufen.

Campell de Wayne Ross aus Berlin beispielsweise wird Insekten aus Keramik präsentieren. Wolf und Margret Ewert aus Visbek zeigen Gartenkunst, Markus und Ute Böhm aus Alt Gaarz Kristallglasuren. Susanne Engelhardt aus Dresden bringt Irdenware, Geschirr und Vasen mit. Ledwina Scherrer und Pat Benett aus Hollfeld haben neben Steinzeuggeschirr auch Keramik mit Goldauftrag im Gepäck. Wolfgang Knapp aus Trebgast stößt in eine Marktlücke mit seinem kochfesten Geschirr. Andere Teilnehmer bieten verschiedene Porzellane, Feinsteinzeug, Fayencen, Raku und Rauchbrandglasuren, Perlen, Schlickerware, Lüsterglasuren, Reliefs, Schmuck und diverse andere Unikate.

"Schon bei der Auswahl der Teilnehmer ging es uns darum, die ganze Bandbreite keramischen Schaffens sichtbar zu machen", erklärt Birke Kästner, die Vorsitzende des gastgebenden Vereins. "Es ist erstaunlich, wie lebendig sich ein Jahrtausende altes Handwerk zeigt, welch ein Reichtum an Techniken und ästhetischen Strategien vom klassischen Handwerk bis zur Avantgarde allein bei den 50 ausgewählten Keramikern entdecken lässt."

Doch der Schweriner Töpfermarkt ist mehr als eine reine Verkaufsausstellung, er versteht sich als Forum künstlerischer Begegnung. An den Marktständen wird spürbar, dass hier Menschen sind, die eine innige Beziehung zu ihrer Arbeit, zu ihrem Material haben, es als ihr Ausdrucksmittel verstehen und darüber mit den Besuchern auch ins Gespräch kommen wollen. Regine Schönemann aus Rusch kann beispielsweise erklären, warum die zu DDR-Zeiten typische, jetzt aber selten gewordene Keramik meist viele kleine schwarze Äderchen in der Glasur hatte: Wenn man in die Luke des damals weit verbreiteten elektrischen Einheitsbrennofens Kohlenanzünder legt, zieht dessen Feuer zunächst den Sauerstoff aus dem Ofen und später auch aus dem Ton heraus. Dadurch bekommt dieser feine Risse, in die sich schwarzer Kohlenstoff ablagert, der dann in der Glasur sichtbar wird.

Mittendrin im Marktgeschehen gibt es wie immer Live-Musik und Kleinkunst. Am Freitag tritt Gerd Köhler mit dem Akkordeon Tango Musette auf, am Sonnabend und Sonntag musiziert die Folk-Band Malou aus Halle. Das Puppentheater Ernst Heiter spielt am Sonnabend und Sonntag jeweils um 15 Uhr Geschichten für Kinder und Erwachsene.

Für interessierte Hobbykeramiker, Schulen und Freizeiteinrichtungen bietet der Töpfereibedarf Berlin auf dem Markt verschiedene Materialien, Arbeitsutensilien, Werkstattzubehör und Ersatzteile an. Geöffnet ist der Töpfermarkt am Freitag und Sonnabend jeweils von 10 bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

Übrigens: Die Tasse bekommt ihren Henkel, kurz nachdem sie von der Töpferscheibe abgenommen wurde und noch die notwendige Restfeuchte aufweist, erläutert Regine Schönemann. Der Henkel wird aus dem selben Material als Wurst gerollt, fest an die Tasse angepresst und gleich in die gewünschte Form gedrückt. Dann trocknet das Gefäß noch ein paar Tage an der Luft, kommt in den Brennofen - und fertig.

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