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Mein Verein: Crivitz : So arbeiteten unsere Großeltern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Heimatverein Crivitz hat Nützliches aus Küche, Haus und Landwirtschaft gesammelt und stellt es seit 1991 aus

svz.de von
erstellt am 10.Jul.2017 | 16:00 Uhr

In Deutschland gibt es mehr als 620 000 eingetragene Vereine. Dort treffen sich Menschen, um Sport zu treiben, ihren Hobbys nachzugehen, Traditionen und Kultur zu pflegen, zu helfen oder zu fördern. Die SVZ besucht einige der mehr als 100 Vereine im Schweriner Umland, um zu erfahren, warum sich Menschen in Vereinen engagieren, was ihnen wichtig ist und mit welchen Problemen sie dort zu kämpfen haben. Heute stellen wir den Heimatverein Crivitz vor.

Wenn Edmund Richter ins Heimatmuseum Crivitz geht, dann ist er in seinem Element. Egal ob Trachten, Truhen oder Teeservice, ob Handbohrmaschine, Honigschleuder oder Handhebelpumpe für Petroleum – der 77-Jährige könnte zu jedem Exponat etwas erzählen. „Das hier ist die alte Ladenausstattung der Bäckerei Wiese“, sagt Richter und stellt sich hinter die Theke, auf der zwei große Waagen stehen. Im Schrank dahinter liegen betagte Sahne-Spritzen und ein Gerät zum Portionieren von Teig oder fertigen Backwaren. Das zweistöckige Gebäude neben dem Bürgerhaus in Crivitz ist voller Gerätschaften von anno dazumal. „Das sind alles keine Schätze, aber alles Sachen, die früher in Küche, Haus und Landwirtschaft benutzt wurden“, sagt er. Diese zu erhalten und künftigen Generationen zeigen zu können, das sei Anliegen des Vereins mit derzeit etwas mehr als 60 Mitgliedern.

Seit 18 Jahren ist der Wessiner nun Chef des Heimatvereins. Als er kam, lag der Verein am Boden und der Schlüssel fürs Museum auf dem Tisch. „Der gesamte Vorstand hatte gerade hingeschmissen. Warum, das weiß ich bis heute nicht“, erinnert sich Richter. Der ehemalige Mitarbeiter des Bauamtes wurde Vereinsmitglied, kurze Zeit später Vorsitzender. Das jähe Ende des Vereins, der 1991 gegründet wurde, konnte somit verhindert werden.

Auf der Wiese vor dem Museum stehen ein paar alte Landwirtschaftsgeräte. Alle sind in Schuss, viele gerade erst wieder gestrichen wurden. „Wir haben zwei tolle Arbeiter, die alles in Schuss halten. Ihre Stellen werden gefördert und sind auf drei Jahre befristet“, weiß Richter. Was er nicht weiß, ist, wie viele Ausstellungsstücke das Museum insgesamt hat. 4000 bis 6000, schätzt er. Viele davon sind im Bürgerhaus in der Heimatstube ausgestellt. Hier hängen alte Bilder von Crivitz, stehen ausgestopfte Vögel hinter Glas und liegen abgegriffene Inflations-Geldscheine in Vitrinen. Manchmal, wenn Schüler zu Besuch kommen, setzt sich Richter einen Zylinder auf, schlüpft in einen Anzug und spielt einen Lehrer von früher. Die passenden Schulbänke, Schiefertafeln und ein Pult im Museum machen die Zeitreise perfekt. Besucher, „davon könnten ruhig ein paar mehr kommen. Viele Crivitzer kennen noch nicht einmal das Heimatmuseum in ihrer Stadt“, beklagt der Vorsitzende. Regelmäßig kommt der Nachwuchs des Kindergartens „Uns Lütten“, manchmal ein paar Rentner-Gruppen. „Mit der Fritz-Reuter-Schule haben wir gerade einen Kooperationsvertrag geschlossen“, hofft Richter auf mehr Interesse.

Fast jeden Tag ist der Vorsitzende am Museum, schaut nach, ob alles in Ordnung ist, oder, ob wieder jemand – so wie vor kurzem – alte Reklameschilder oder Handlampen geklaut hat. Gästen die Ausstellung zeigen, neue Exponate besorgen – das Museum, sagt Richter, sei eine Herzenssache. „Aber nächstes Jahr ist endgültig Schluss“, ist er sich sicher. Im Februar 2018, wenn die Mitglieder zur Hauptversammlung kommen, dann wolle er nicht mehr für den Vorsitz kandidieren. Das Museum betreuen, das will er aber weiterhin. Von der Honigschleuder bis zur Handhebelpumpe – er kennt halt alle Stücke so wie kein anderer im Verein.

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