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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. Oktober 2017 | 20:30 Uhr

Pinnow : Sippschaften auf der Spur

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Von A wie Abel bis Z wie Zülow: Autoren stellen heute ein Ortsfamilienbuch für das Kirchspiel Pinnow vor

svz.de von
erstellt am 25.Feb.2015 | 23:31 Uhr

Es war das Jahr 1807, als im Kirchspiel Pinnow so viel gestorben wurde, wie in kaum einem anderen Jahr. 56 Menschen wurden beerdigt, darunter 37 Kinder. Häufigste Todesursache bei den Jungen und Mädchen: Frieseln. Frieseln ist ein altdeutscher Ausdruck für Masern oder Ausschlag. Walter Ammoser kennt sich jetzt aus mit Frieseln. Ebenso mit Auszehrung, auch Tuberkulose und Kräfteverfall genannt, oder Bräune, einem alten Ausdruck für Diphtherie. Medizin hat Ammoser nie studiert, dafür aber die Tauf-, Trau- und Sterberegister der Kirchbücher für die Jahre 1793 bis 1874 aus dem Kirchspiel Pinnow. Drei Jahre lang. Dann war das Ortsfamilienbuch fertig. Eine Fleißarbeit in drei Bänden, in denen Walter Ammoser, Hans-Peter Köhler, Wilfried Rachow, Griet Wossidlo und Wilhelm Wossidlo 3478 Familien mit mehr als 11  100 Menschen aufführen. „Im Gegensatz zu einer Ortschronik, die historische Ereignisse eines Ortes beschreibt, betrachtet das Ortsfamilienbuch die Menschen eines Ortes im historischen Umfeld“, sagt Ammoser.

Am Anfang stand die Idee. Dann führte der Weg nach Schwerin ins Mecklenburgische Kirchenarchiv. Dort lagern die Originale der Kirchenbücher, die nicht einfach durchstöbert, geschweige denn ausgeliehen werden dürfen. „Aber es gibt die so genannten Mormonen-Bücher“, sagt Ammoser. Was das ist? Die Mormonen unterhalten aus Glaubensgründen im US-Bundesstaat Utah das größte Familienforschungsarchiv der Welt und haben unzählige Kirchenbücher und andere Dokumente auf Mikrofilm gebannt. Nach dem Krieg haben die Mormonen auch die Kirchenbücher des Kirchspiels Pinnows fotografiert, die damals noch in Ratzeburg lagerten. Dieses Filmmaterial wurde 1951 auf Papier gedruckt, steht als gebundene Kopie in den Regalen des Kirchenarchivs Schwerin und ist für die Zeit der Recherche an die Pinnower ausgeliehen worden.

Schlecht lesbare Handschriften, die wechselnde Schreibweise der Namen oder die Zuordnung der Personen zu den Familien – die Macher des Buchs hatten mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen. Um es der Leserschaft einfacher zu machen, gibt es deshalb auch noch einen Anhang im Buch, der gezielt durch die Vielzahl der Namen, Orte, Berufe und verwandtschaftlichen Beziehungen führen soll. Und es geht nicht nur um das Dorf Pinnow: Gneven, Godern, Görslow, Raben Steinfeld, Zietlitz, Sukow und das alte Petersberg gehören zu diesem Kirchspiel.

Namen, Zahlen, Daten: „Für Familienforscher ist dieses Buch ein ideales Hilfsmittel“, sagt Ammoser. „Ich selber habe schon von Ortsfamilienbüchern bei meiner eigenen Familienforscher profitiert“, sagt der gebürtige Schweriner. Die Wurzeln des 67-jährigen Diplom-Ingenieurs liegen im Salzburger Land in Österreich. 13 Generationen, bis ins 16. Jahrhundert, konnte er die Spuren seiner Vorfahren zurück verfolgen. Ammoser: „Ahnenforschung ist spannend“. Geneaologie – weil ihm diese Materie gefällt, hat er auch die Regie bei der Konzeption des Ortsfamilienbuchs übernommen. „Von uns Autoren kommt keiner gebürtig aus Pinnow, aber wir haben alle ein Herz für diese Region“, so Ammoser. Keine Namen und keine Zahlen von Juni bis September. Das haben sich die Macher des Buches in den vergangenen drei Jahren selbst zur Auflage gemacht. Durchpusten, wieder neue Energie für die unzähligen Eintragungen holen, damit die Lust an diesem Projekt nicht verloren geht. Ein Projekt, aus dem sich aus Namen und Zahlen auch viele Zusammenhänge ableiten lassen, wie das Kindersterben von 1807. Und bei der heutigen Buchpräsentation um 19 Uhr im Pinnower Gemeindehaus, wird Walter Ammoser noch andere Geschichten erzählen können. Geschichten, in denen der Großvater von Thomas Mann oder auch Großherzog Friedrich Franz II. vorkommen – und die Familien Schröder und Schroeder, denn kein Familienname tauchte öfter bei den Recherchen auf. Bei den Nachforschungen haben Ammoser und Co. übrigens auch noch eine Todesursache gefunden, die nicht übersetzt werden muss: „An Branntwein tot gesoffen“.

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