Neu im Kino : Sinnfreie Gewaltorgie bietet beinahe Unterhaltungswert

Machete Cortez (Danny Trejo) hinterlässt eine blutige Spur.
Machete Cortez (Danny Trejo) hinterlässt eine blutige Spur.

Robert Rodriguez nimmt mit der Fortsetzung von „Machete“ sich, das Genre und die Zuschauer auf den Arm

svz.de von
26. Dezember 2013, 23:51 Uhr

Wer sich beim Kinobesuch in der Landeshauptstadt für die Fortsetzung des überaus erfolgreichen Films „Machete“ entscheidet und im Mega Movies ein Ticket für „Machete kills“ kauft, sollte von vornherein wissen, dass er kräftig auf die Schippe genommen wird. Dass Regisseur Robert Rodriguez gute Filme machen kann, ist hinlänglich bekannt. Ob Popcorn-Unterhaltung wie „Spy Kids“, spannende Thriller wie „Desperado“, Meisterwerke wie „Sin City“ oder „From Dusk Till Dawn“ – über mangelnde Erfolge kann sich Rodriguez nicht beschweren. Selbst die etwas trashige Vorgänger-„Machete“ präsentierte sich noch spannend, originell altmodisch und mit einem fantastischen Danny Trejo in der Titelrolle. Doch die Fortsetzung ist eine Gewaltorgie, völlig ohne nachvollziehbare Handlung – die wahrscheinlich auch niemand erwartet – und in der Abgefahrenheit schon an einen überspitzten Comic erinnernd. Das beginnt schon damit, dass der eigentliche Film eingebettet ist in Sequenzen eines dritten Teils, der dann Machete ins Weltall führen soll. Die meisten Kinobesucher schauten sich dabei allerdings fragend an, warum nach der ganzen Werbung noch mal eine kam. Es dauerte schon ein wenig, ehe sie begriffen, dass dieser Unsinn mit Laser-Schwert schwingenden Kämpfern, einer davon als Mann mit der Goldenen Maske (eingeblendetes Filmzitat: Die Hauptrolle übernimmt Leonardo DiCaprio, ohne Gewähr) schon der eigentliche Film war.

Und so überspitzt geht die Persiflage auch weiter. Die bösen Buben werden nicht einfach nur getötet, nein, der Kopf muss ab, zumindest aber das Bein oder der Arm. Gern wird der Gegner auch halbiert. Regisseur Rodriguez garniert die Splatter-Orgie mit halbnackten Frauen, wahlweise ausgestattet mit großkalibrigen Pistolen und schießfähigen Metall-BHs.

Darüber hinaus gibt es in dem simpel gestrickten Handlungsstrang – Irrer bedroht die Welt mit Atomwaffen, Machete muss im Auftrag des US-Präsidenten helfen – super unterhaltsame Szenen und geniale Einfälle. Wer beispielsweise schon immer einmal wissen wollte, was es wirklich mit Lady Gaga auf sich hat, erfährt das im Film: Es ist nämlich nur eine Maske eines unbekannten Auftragsmörders. Laut Regisseur Rodriguez entsteht Lady Gaga aus Cuba Gooding Jr. und wechselt nach ihrem Gaga-Auftritt in schrillen Kostümen und mit totem Wolf auf der Schulter zu Antonio Banderas. Kein Wunder, dass das aktuelle Album „Applause“ der Sängerin bei den Fans nicht so gut ankommt… Aber im Ernst: Besser kann man Tom Cruise und „Mission: Impossible“ und den ganzen Masken-Gesichtstausch-Wahnsinn nicht auf die Schippe nehmen.

Und darüber hinaus gibt es gute Leistungen: Carlos Estevez als US-Präsident ist eine geniale Besetzung. Sofia Vergara ist als Puffmutter beeindruckend – nicht nur äußerlich. Lediglich Mel Gibson als Oberschurke bleibt blass. Hätte Robert Rodriguez wie in der guten alten Batman-Serie noch Sprechblasen und „Peng“, „Puff“ und „Aaarghh!“ auf die Leinwand gebracht, wäre die Überzeichnung noch klarer gewesen. So bleibt ein ganz bisschen die Frage: Wollte er das so oder hat er sich eigentlich ernst genommen?

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