Schwerin : Sind Gruben in Kleingärten dicht?

Kontrolle in der Kleingartenanlage Hopfenbruchweg-Wiese: Oskar Gramsch untersucht die Klärgrube von Gudrun Krüger. Ist alles in Ordnung, kommt er erst in fünf Jahren wieder.
Kontrolle in der Kleingartenanlage Hopfenbruchweg-Wiese: Oskar Gramsch untersucht die Klärgrube von Gudrun Krüger. Ist alles in Ordnung, kommt er erst in fünf Jahren wieder.

Abflusslose Sickergruben in 8000 Gärten müssen bis zum Jahresende untersucht werden – ansonsten drohen drastische Geldbußen

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13. März 2014, 12:00 Uhr

Ein bisschen sauer auf die Stadt ist Oskar Gramsch schon. Die Aussagen des Umweltdezernenten Dr. Wolfram Friedersdorff haben ihn persönlich getroffen. Weil das Schweriner Grundwasser gefährdet sei, wolle die Stadt vor allem die Kleingärten unter die Lupe nehmen, insbesondere die abflusslosen Sickergruben. Und am Nuddelbach bestehe eine latente Gefahr der Verunreinigung, weil dort gerade einmal jede zehnte Sickergrube überprüft worden sei. Für Oskar Gramsch machen solche Aussagen wenig Sinn. Selbst wenn, was nicht der Fall sei, undichte Sickergruben am Nuddelbach Abwässer ins Erdreich ließen. „Eine Gefahr für das Trinkwasser besteht dadurch nicht“, sagt der agile Senior. „Dann müsste auch das Ausbringen von Gülle verboten werden.“ Vielmehr würde Trinkwasser aus tieferen Schichten entnommen. Undurchlässiger Lehm würde alles darüber ausbremsen.

Oskar Gramsch ist aber auch sauer, weil die Stadt mit der Ankündigung gezielter Kontrollen auch seine eigene Arbeit und die seiner sechs Mitstreiter nicht wertschätze. Gramsch und Kollegen sind seit Herbst als Prüfer der Sickergruben in den 8000 Gärten der Stadt und des Schweriner Umlandes unterwegs – im Auftrag des Kleingartenverbandes. Mehrere hundert Gartenbesitzer haben von ihnen schon das notwendige Zertifikat bekommen, das die Ordnungsmäßigkeit der Sickergruben bestätigt. Nach einer neuen Satzung ist das bis Jahresende Pflicht. Verstöße werden von der Stadt mit 1000 Euro Strafe geahndet. Oskar Gramsch und seine Kollegen kommen nur, wenn die Kleingärtner sie anfordern. Hier liegt das größte Problem. Nur wer sich meldet, bekommt ein Zertifikat. Und wenn die städtischen Kontrolleure keine solche amtliche Bestätigung sehen, wird es teuer. „Einige Spartenvorsitzende haben den Ernst der Lage noch nicht erkannt“, lautet die Bilanz von Gramsch.

Zu DDR-Zeiten erfolgte die Dichtheitsprüfung mit einer Zollstock-Messung, die 24 Stunden später wiederholt wurde. Heute braucht Oskar Gramsch nur 15 Minuten und einen Stab mit feinster Mess-Elektronik, um sein Urteil zu fällen. Bei Beton und Mauerwerk ist eine gewisse Durchlässigkeit erlaubt. Bei Plastikwannen nicht. „Von 120 geprüften Gärten habe ich nur drei gefunden, wo nachgebessert werden musste“, berichtet Gramsch. Diese drei müssten nun eine Nachprüfung vereinbaren. Rund 1000 Euro kostet eine durchschnittliche Plastikwanne. Für das fachgerechte Entleeren zahlt der Schweriner Kleingärtner derzeit etwa 27 Euro für einen Kubikmeter Abwasser.

Wer die Prüfung erfolgreich überstanden hat, bekommt ein zweiseitiges Protokoll – und hat erst einmal Ruhe. Bei gemauerter Sickergrube ist erst nach fünf Jahren die nächste Prüfung fällig. Bei Plastikwannen müssen die Prüfer erst nach zehn Jahren wieder anrücken.


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