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Zuverlässigkeit umstritten : Sind die neuen Blitzer ungenau?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vier neue Messgeräte für die Landespolizei in MV, doch die Zuverlässigkeit der Messmethode ist nach einem Urteil im „Fall Oliver Kahn“ umstritten.

svz.de von
erstellt am 21.Jan.2014 | 07:30 Uhr

Mit vier fabrikneuen Geschwindigkeitsmesswagen soll es Rasern in Mecklenburg-Vorpommern künftig an Kragen und Portemonnaie gehen. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) übergab gestern die Fahrzeuge vom Typ Mercedes Benz Vito, die jeweils mit einem Blitzgerät „ES 3.0“ ausgerüstet sind, an die Landespolizei. „Unsere Polizeibeamten erhalten solide Fahrzeuge und modernste Messtechnik“, sagte der Minister. Pro Fahrzeug bezahlt das Land 36 500 Euro. Die zusätzlichen Leasingkosten für die vier Messgeräte betragen über den Zeitraum von fünf Jahren 588 800 Euro.

Doch diese Messgeräte vom Typ „ES 3.0“ sind umstritten. Sogar in Gerichtsurteilen wird die Zuverlässigkeit der Messergebnisse bezweifelt. Prominentes Beispiel: Ex-Nationaltorhüter Oliver Kahn wurde im Oktober 2009 in seinem AMG-Mercedes (650 PS) auf der A 8 in Richtung München von einem „ES 3.0“ -Messgerät mit angeblich 163 km/h geblitzt. Auf der baufälligen Autobahnbrücke waren lediglich 80 km/h erlaubt. Der Titan legte Einspruch ein. Immerhin drei Monate Fahrverbot und vier Flensburg-Punkte drohten. Das Amtsgericht Traunstein sprach Kahn 2012 frei. Mehrere Sachverständige stellten damals in dem konkreten Fall fest, dass die Geschwindigkeitsmessung fehlerhaft erfolgte, da nicht auszuschließen war, dass die Messung durch einen Lichtreflex ausgelöst wurde.

Das Gerät misst nicht mit Laser oder Radar. Fünf waagerecht angeordnete Sensoren registrieren Helligkeitsveränderungen durch ein vorbeifahrendes Fahrzeug. Aus dem zeitlichen Abstand der Messsignale errechnet der Computer die Geschwindigkeit des Fahrzeugs. Umstritten ist, ob reflektiertes Sonnenlicht, das auf den Sensor trifft, zu fehlerhaften Messergebnissen führen kann. Vor einem Jahr sprach das Amtsgericht Bottrop ebenfalls eine Autofahrerin frei, deren Tempo durch Lichtreflexe falsch gemessen wurde.

Volker Dammann von der Autobahnpolizei Dummerstorf bei Rostock meinte dagegen, er sei von der Zuverlässigkeit der Geräte überzeugt: „In 99,9 Prozent aller Fälle bekommen wir ein exaktes Ergebnis.“ Auch der renommierte Schweriner Rechtsanwalt Holger Rochow sagte gegenüber unserer Redaktion: „Das sind absolute Einzelfälle.“ Außerdem sei die Software des „ES 3.0“ verbessert worden. Sollten dennoch Zweifel an der gemessenen Geschwindigkeit aufkommen, empfiehlt er, Rat bei einem Anwalt zu holen.

Die vier neuen Autos werden in den Polizeiinspektionen Neubrandenburg, Anklam, Güstrow und Wismar zum Einsatz kommen. Rostock und Schwerin haben bereits ein ähnliches Fahrzeug mit dem gleichen Messgerät.

 

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