Familie Berckemeyer aus Cambs : Silbernes Erbstück zurück aus Russland

<fettakgl>Präsentieren stolz das Familienerbstück:</fettakgl> Vater Dietrich Bernhard Berckemeyer und Sohn Merten mit der Taufschale <foto>Pätzold </foto>
Präsentieren stolz das Familienerbstück: Vater Dietrich Bernhard Berckemeyer und Sohn Merten mit der Taufschale Pätzold

Die Familie Berckemeyer aus Cambs hält eine 82 Jahre alte Taufschale wieder in ihren Händen, die in den Kriegswirren 1945 verloren ging.

svz.de von
20. Juli 2012, 12:48 Uhr

Eine silberne Schale hat im Hause Berckemeyer in Cambs einen besonderen Platz bekommen. "Es handelt sich um die Taufschale aus dem Jahre 1930, die meinen Großeltern gehörte. Sie wohnten früher im Leezener Gutshaus", erzählt Merten Berckemeyer, der seit 2005 mit Frau und zwei Kindern in dem ehemaligen Gutshaus von Cambs wohnt. Besagte Taufschale war jahrelang verschollen. Dass sie jetzt wieder in ihrem Besitz ist, freut die Berckemeyers umso mehr. "Die Schale ist uns wichtig, weil sie ein Stück Familiengeschichte darstellt", erklärt der 41-Jährige.

Eine Frau aus Russland hat sie der Familie überlassen - ganz legal, mit Ausfuhrgenehmigung und notarieller Beglaubigung. Genannt werden möchte sie trotzdem nicht. Die Schale habe sie als Kind bei einem entfernten Verwandten entdeckt, erklärte sie den Berckemeyers. Viele Jahre später habe die Russin dann im Internet recherchiert. Der eingravierte Nachname sowie das Familienwappen mit Sense und Birke führten schließlich zum richtigen Adressaten. Seit gut einem Jahr hat die Russin mit Merten Berckemeyer, von Beruf Maschinenbau-Ingenieur, Kontakte übers Internet. Die Schale hat sie der Familie bereits vor etwa einem Jahr geschickt. Das Familienstück ist inzwischen fachmännisch aufgearbeitet und gereinigt worden. Berckemeyers haben die Russin nun mit ihrer 14-jährigen Tochter zu einem Besuch nach Deutschland eingeladen.

Die Verständigung mit ihren Gästen sei zwar schwierig gewesen, weil keiner der Berckemeyers russisch spricht, aber unter Nutzung technischer Hilfsmittel habe es irgendwie doch funktioniert, meint Merten Berckemeyer lachend. Seine Familie zeigte den Gästen aus Russland Cambs, Leezen und Schwerin mit dem imposanten Schloss sowie Ratzeburg. Und sein Vater, der seit Jahren in Xanten am Niederrhein lebt, habe ihnen auch seinen Wohnort gezeigt, bevor sie nach zwei Wochen wieder von Berlin aus mit dem Flieger nach Moskau gereist sind.

Wie die Taufschale der Berckemeyers nach Russland kam, weiß keiner so genau. Die Vermutung liegt nahe, so Merten Berckemeyer, dass sie nach Kriegsende mitgenommen worden ist. "Meine Mutter hatte die Schale in Leezen versteckt, bevor die Familie 1945 nach Ratzeburg geflüchtet war. Später versuchte sie, diese wieder ausfindig zu machen - vergeblich", erinnert sich der 68-jährige Dietrich Bernhard Berckemeyer. Sein Name war auf der Taufschale damals nicht eingraviert, die sechs Namen seiner älteren Geschwister schon. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Dietrich Bernhard Berckemeyer wurde 1944 geboren - in Kriegszeiten. Getauft wurde er in der Zittower Kirche, wie all seine Geschwister zuvor. Aber die Umstände ließen es wohl nicht mehr zu, dass die Taufschale auf den neuesten Stand gebracht wurde, meint er aus heutiger Sicht. Das hat der Senior inzwischen nachgeholt. Jetzt ist nicht nur sein Name nachzulesen, auch seine vier Kinder sind hier verewigt. Außerdem wurden die Namen Moritz (6) und Clara (4), die Kinder von Merten und Telse Berckemeyer, eingraviert. Für den Cambser schließt sich ein Kreis, auch in anderer Hinsicht. Sein Vater ist in Zittow getauft worden, er selbst und seine drei Geschwister im Dom zu Ratzeburg. "Meine Kinder wurden nun wieder in Zittow getauft", sagt Merten Berckemeyer.

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