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Mecklenburger Quartett bei Angel-WM : Sie wollen sich einen WM-Titel angeln

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vier Männer aus der Region bei der Dorsch-Weltmeisterschaft in Norwegen dabei

svz.de von
erstellt am 11.Mär.2017 | 15:45 Uhr

Leinen los im Hafen von Svolvær. Dutzende Kutter legen fast zeitgleich im Westfjord ab. Wer zurückblickt, sieht das malerische Fischerdorf am Fuße der Felsformation Svolværgeita, deren Spitzen wie Ziegenhörner aussehen. Doch die meisten der 600 Angler schauen nach vorne auf den Atlantik, in der Hoffnung, dass ihr Skipper sie dorthin bringt, wo der Skrei ist. Skrei, so nennen die Norweger einen arktischen Dorsch, der im Winter aus der Barentssee südwärts in die wärmeren Gewässer schwimmt, um dort zu laichen. An Land feiern die Menschen die Rückkehr des Kabeljaus auf die Lofoten. An Bord der Boote geht es für die Profi- und Hobby-Angler um Ruten, Köder und Blinker, um fette Beute und darum, sich vielleicht bei der Dorsch-Weltmeisterschaft einen Titel zu angeln. Dieses Szenario gibt es seit mehr als 25 Jahren, wenn jeweils im März die Titel vergeben werden. Und bei der WM 2017 in knapp zwei Wochen wollen auch vier Mecklenburger den Fang ihres Lebens machen.

Enrico Dahl hat die Ruten bereits eingepackt. „Die können einiges aushalten“, ist er sicher. Am Material soll es nicht scheitern, wenn ein dicker Fisch anbeißen sollte. Vielleicht so einer, wie er 2011 vor Svolvær aus dem Wasser gezogen wurde. 19,2 Kilo schwer. Oder so einer, wie er bei der Weltmeisterschaft vor 19 Jahren anbiss. Ein 27,5-Kilo-Brocken. Diese Schwergewichte der Anderen sind Fisch von gestern. Hauptsache Dahls sperriges Ruten-Sondergepäck kommt in ein paar Tagen ohne Probleme durch die Abfertigung des Hamburger Flughafens. Am 22. März geht es für den Hof Barniner Enrico Dahl, seinen Bruder Adrian aus Crivitz, Mirko Streuer aus Bahlenhüschen und dem Seehofer Ekkehard Leipe auf Tour. Das Quartett hat sich viel vorgenommen. Dafür nehmen sich Außendienstmitarbeiter, Soldat, Senior-Berater in einem Autohaus und Krankenhaus-Chefarzt sechs Tage Zeit, um in Norwegen das zu machen, was sie im Seen reichen Mecklenburg-Vorpommern auch gerne machen: Sie gehen angeln. Doch fünf Flugstunden von ihrer Heimat entfernt wird das Angeln auf den Lofoten nicht immer so ruhig wie in den Heimatgefilden ablaufen. Bei der Weltmeisterschaft in Norwegen geht es um Schnelligkeit, Masse und Gewicht. Sonst gibt es nichts zu holen, für das Quartett, das als Team „Meck Dorsch 2017“ antritt. Fünf Stunden werden sie jeweils Zeit haben, um am ersten Wettbewerbstag möglichst viele Fische zu fangen, am zweiten den dicksten zu ergattern. „Mal schauen, was da geht“, sagt Mirko Streuer. 39 Jahre ist er alt, hat erst 2015 seinen Angelschein gemacht und ist gespannt auf diese außergewöhnliche Veranstaltung. „Bisher habe ich immer nur Fische in dieser Größenordnung gefangen“, sagt er und zeigt einen etwa 20 Zentimeter langen Fisch – aus Gummi. „Den nehmen wir jetzt als Köder mit“.

Klar, gut abschneiden wollen sie, „aber letztlich steht der Spaß im Vordergrund“, sagt Enrico Dahl. Er hat sich vor einem Jahr zu seinem 40. Geburtstag Geld für die Norwegen-Tour schenken lassen. Billig sei der Trip nicht, sagt er. Flug, Pension, Mietwagen, Anmeldegebühren, Verpflegung. Das summiere sich. Aber trotzdem hat er drei   Mitstreiter gefunden, die mit ihm nach Norwegen fahren wollen. Eigentlich macht Enrico Dahl schon seit 20 Jahren in einer ganz anderen Ecke Norwegens Urlaub. Mit der Familie. Geangelt wird dann auch. Versteht sich. „Aber solch eine WM ist mal was ganz anderes.“

600 Menschen, die Fische im Akkord angeln, das ruft auch Kritiker auf den Plan, die eine Angel-WM, bei der jeder Teilnehmer Tiere um die Wette töten kann, am liebsten verbieten wollen. Dahl kennt die Problematik: „Der gefangene Fisch ist Bestandteil der festgelegten Fangquote in Norwegen.“ Der Fang müsse zudem in der Fischverarbeitungsfabrik in Svolvaer abgegeben werden.

Vor den Wettkämpfen haben die Mecklenburger noch einen Tag lang Zeit, ganz in Ruhe fischen zu gehen. Was anbeißt, beißt an. Und wenn der ganz große Fang ausbleibt? „Das ist auch nicht schlimm“, sehen es Dahl und Streuer sportlich. Aber einen Wunsch haben sie dann doch noch: „Polarlicht. Vielleicht bekommen wird das ja zu sehen.“

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