Flüchtlingsgeschichten : Sie teilen ihre Heimat gern

 Nicht nur im Klassenzimmerengagiert: Die Schüler führten auch in ihrer Freizeit Interviews und arbeiteten für das Projekt.
Nicht nur im Klassenzimmerengagiert: Die Schüler führten auch in ihrer Freizeit Interviews und arbeiteten für das Projekt.

Zehntklässler stellen heute im Schloss ihr Projekt zur Geschichte von Toleranz und Fremdenfeindlichkeit in Schwerin vor

svz.de von
27. November 2015, 15:00 Uhr

„Es ist traurig, dass es Menschen gibt, die nicht dazu bereit sind, ihre Heimat zu teilen mit Menschen, die ihre Heimat verloren haben.“ Mit diesem Satz drückt Sophie ihre Gefühle zur derzeitigen Flüchtlingsdebatte in Schwerin aus. Der Satz ist nur einer von vielen Einzelbeiträgen, die Schüler der 10B des Fridericianums seit den Sommerferien in einem Geschichts-Projekt mit dem Titel „Flüchtlinge und Gastarbeiter in Schwerin – Fremdenfeindlichkeit und Toleranz im Wandel der Zeiten“ erarbeitet haben. Die Schüler haben mit alten Damen gesprochen, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verlassen oder Flüchtlinge im eigenen Haus aufnehmen mussten. Sie haben gespannt den Flucht-Geschichten von vier jungen Frauen aus Eritrea gelauscht, die heute in Schwerin leben. Sie haben gängige Vorurteile auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft, sie haben eigene Erfahrungen mit Flüchtlingen aufgeschrieben, kleine Filme gedreht, ein großes Plakat gestaltet, Flyer gedruckt. Mit dem Thema kennen sie sich jetzt besser aus als viele andere Schweriner. „Flüchtlinge im Stadtbild haben mich nie gestört, aber viel darüber nachgedacht hatte ich eigentlich nicht. Jetzt frage ich mich oft: Wie kann man sauer sein auf Leute, die durch so eine Hölle gegangen sind?“, fasst Sophie zusammen.

Gefördert wurde die Arbeit der Klasse vom Projekt „Zeitensprünge“, beim elften Jugendgeschichtstag im Schloss präsentieren die Zehntklässler heute von 12 bis 18 Uhr die Ergebnisse ihrer Arbeit. „Es ging uns bei dem Projekt nicht um ein klares Resümee, sondern wir wollten einen Prozess des Nachdenkens und Hinterfragens anstoßen“, sagt Sozialarbeiter Tobias Neumann von der Sozialdiakonischen Arbeit – Evangelische Jugend, der gemeinsam mit Geschichtslehrerin Doreen Grünheid das Projekt betreut. Auslöser für die Beschäftigung mit Fremdenfeindlichkeit und Toleranz seien die ersten MVgida-Demonstrationen im Land gewesen, erinnert sich Neumann. Die Arbeit mit den Schülern habe sich aber nicht gezielt gegen Rassismus gerichtet, sondern versucht, jedem Raum zu lassen, sich seine eigene Meinung zu bilden, so Neumann. „Wir haben die drei großen Wanderungsbewegungen Zweiter Weltkrieg, Wendezeit und Flüchtlingswelle heute verglichen“, betont Doreen Grünheid.

Die Gesamtnote, die die Gruppe den Schwerinern gibt, fällt „trotz einiger Vollpfosten, die es immer gibt“, positiv aus: „Die Stadt ist sehr tolerant und aufnahmefähig“, sagt Tobias Neumann.

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