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Zeitung für die Landeshauptstadt

22. November 2017 | 04:53 Uhr

Weihnachtsmusik : Sie sorgt für die guten Töne

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wenn Not an den Orgeln der Kirchengemeinde Uelitz ist, dann spielt Marlies Schubert auf – heute begleitet sie um 23 Uhr die Christmette

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erstellt am 24.Dez.2015 | 19:00 Uhr

Er baute Orgeln, 109 an der Zahl. Friedrich Ludwig Theodor Friese, genannt Friese III, war ein Meister seines Fachs. So wie es seine Vorfahren auch schon waren. Großherzog Friedrich Franz II ernannte ihn zum Hoforgelbauer, die Orgelbauwerkstatt Friese avancierte zur bedeutendsten in Mecklenburg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Mehr als 70 völlig oder annähernd unverändert oder aber auf den Originalzustand zurück restauriert Orgeln von ihm sind bis heute erhalten. Die letzte von Friese III höchstpersönlich eingebaute Orgel steht in der Kirche Uelitz. Mit Balgwerk, so wie es vor 121 Jahren üblich war, als sie gebaut wurde. Das Balgwerk muss keiner mehr drücken, um die Orgelpfeifen mit Wind zu versorgen. Seit der Restaurierung vor 15 Jahren ist dafür ein elektrischer Motor zuständig. Aber die acht Register werden noch gezogen. Das zu tun, davor hatte Marlies Schubert ganz viel Respekt. Und lange Zeit auch nicht die Traute. Sie, die das klassische Orgelspiel nie gelernt hat. Sie, die mit 40 Jahren erst angefangen hat, Keyboard zu spielen, weil ihre Tochter sich eins gewünscht hat und die Mutter Spaß daran hatte, mit ihr gemeinsam zu üben. „Wenn ich mich an die Friese-Orgel setze“, sagt Marlies Schubert, „dann bin ich aber immer aufgeregt“.

An die Tasteninstrumente der Kirchengemeinde Uelitz setzt sich die Kraakerin Marlies Schubert seit mehr als einem Dutzend Jahren. Zuvor spielte die Frau des damaligen Pastors die Orgel, bevor es in den Ruhestand ging. Immer dann, wenn bei den Gottesdiensten keine anderen erfahrenen Organisten für die Gottesdienste engagiert werden können, ist Marlies Schubert im Einsatz. „In der Kraaker Kirche spielt sie aber fast immer. Sie ist Gold wert“, sagt Pastorin Kristin Gatscha.

Marlies Schubert bringt sich ein. Ehrenamtlich. Im Kirchengemeinderat ist die 56-Jährige tätig, macht auch Küsterdienst. Aber bei Gottesdiensten die Orgel in Kraak, Mirow oder Uelitz zu spielen, das war eine echte Herausforderung. Sie nahm sie an, übte, ging auch zum Orgelunterricht bei Kirchenmusikdirektor Jan Ernst in Schwerin. „Ich habe viel gelernt, aber ich bleibe eben eine Laien-Organistin“, sagt sie. Etwa zweimal im Monat spielt sie bei Gottesdiensten. In Goldenstädt gibt es keine Orgel. Dann nimmt sie das Keyboard mit, auf dem ihre Tochter schon lange nicht mehr spielt.

Ein viel zu warmer Tag im Dezember. Marlies Schubert sitzt auf der Empore der Uelitzer Kirche. Vor ihr steht die Orgel von Friese III und darauf liegen Notenblätter. „Ihr Kinderlein kommet“ ist dabei. Auch ein polnisches Weihnachtslied. Bis um 14 Uhr war sie noch arbeiten im Büro. Jetzt wird geprobt. In der betagten Kirche ist es so kalt, wie die Temperaturen draußen zu dieser Jahreszeit eigentlich sein müssten. „Ich brauche immer zwei, drei Anläufe, damit sich meine Finger warm spielen“, sagt sie und legt los. Es klappt. Sie hofft, dass es Weihnachten auch gut funktioniert.

Heute, am Heiligen Abend, begleitet sie um 23 Uhr die Christmette in der Uelitzer Kirche. Marlies Schubert wird „O Tannenbaum“ und „O du Fröhliche“ spielen. Das polnische Weihnachtslied auch. Dafür hat sie geübt. Die Aufregung, auf der Friese-Orgel zu spielen, die bleibt aber. Sie lässt sich nicht so einfach wegproben.

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