Schwerin : Sie plaudert aus dem Nähkästchen

Ob Änderungen, Reparaturen oder ein ganz neues Kleid – Sylke Lumma näht für ihr Leben gerne. Begonnen hat alles mit Puppenkleidern und einem bunten Rock.
Ob Änderungen, Reparaturen oder ein ganz neues Kleid – Sylke Lumma näht für ihr Leben gerne. Begonnen hat alles mit Puppenkleidern und einem bunten Rock.

Hier wird genäht – heute: Schneidermeisterin Sylke Lumma erinnert sich noch an den Beginn ihrer Liebe zu diesem Handwerk.

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12. März 2019, 12:00 Uhr

Der Stoff ist zugeschnitten, die Knöpfe ausgewählt, das Maßband und die Schere liegen bereit. An zahlreichen Orten wird in Schwerin fleißig genäht und geschneidert – zuhause im Sessel, in der Schule oder im Laden. Wir werfen in dieser Woche einen Blick auf flinke Nadeln, bunte Fäden und ratternde Nähmaschinen in der Landeshauptstadt. Heute: Schneidermeisterin Sylke Lumma.

In der Schmiedestraße weht eine Schneiderschere im Wind. An ihr baumelt momentan eine Hose, im Sommer ein Kleid. Doch nur wer die Augen von bekannten Wegen abwendet und für Neues öffnet, wird sie entdecken, hängt sie doch etwas hoch. Und auch die Schneiderstube, auf die die Schere hinweist, liegt etwas versteckt über den Mecklenburger Backstuben. Hier tobt sich Sylke Lumma zwischen Nähmaschine, bunten Fäden, Maßband und Stoffen aus.

Seit 1996 sitzt die gelernte Herrenmaßschneiderin in dem hellen, gut sortierten und aufgeräumten Raum. Begonnen hat sie 1990 am Marienplatz. „Der Schritt in die Selbstständigkeit hat sich einfach angeboten, so konnte ich mit meinem Kind zuhause sein“, erzählt sie und schwingt die Nadel. „Ich nähe alles, so wird mir nicht langweilig und meine Arbeit nicht monoton.“ Egal ob Kleider für die Hochzeit oder den Abiball, Anzüge und Hosen nach Maß oder Blusen und Kissen. Auch Änderungen nimmt sie vor, näht Gardinen um. „Besonders gerne fertige ich aber neue Stücke an. So kann ich die Entstehung von Anfang bis Ende begleiten“, sagt die 55-Jährige. Dabei sei es immer ihr Anspruch, so zu nähen, dass sie es auch tragen würde.

Aufgewachsen mit drei Geschwistern wurde bereits zuhause bei Sylke Lumma viel genäht und gestrickt. In der vierten und fünften Klasse hatte sie Nadelarbeitsunterricht und saß das erste Mal an der Nähmaschine. „Dann habe ich schicke Puppenkleider genäht und für mich einen kunterbunten Rock. Als in der siebten Klasse eine Hose dazu kam, war ich ziemlich stolz“, erzählt sie. Heute würde sie gerne wieder mehr auch für sich nähen. Ab und an findet sie Zeit dafür, wenn zum Beispiel die Lieblingssporthose den Geist aufgibt und die Schneidermeisterin sich einfach eine neue anfertigen kann.

Ihren Schritt in die Selbstständigkeit hat Sylke Lumma nie bereut. „Die sofortige Rückmeldung der Kunden ist das allerschönste im Handwerk.“ Sie könne sich ihren Arbeitsalltag so gestalten, wie sie möchte und freue sich, dass ihre Arbeit und die Qualität wieder mehr wertgeschätzt werde. Dann rattert die Nähmaschine wieder. Das aktuellste Projekt: Kleidung für die neu geborene Enkeltochter Alva.

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