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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. Oktober 2017 | 22:49 Uhr

Flüchtlinge in Schwerin : Sie packen ihre Zukunft an

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Elf junge Flüchtlinge nehmen am Projekt der Handwerkskammer und der Arbeitsagentur Schwerin zur Berufsorientierung teil

von
erstellt am 29.Jul.2016 | 23:50 Uhr

Sie kommen aus Syrien, Eritrea, dem Iran, Ghana, Mauretanien und Russland. Sie haben ganz unterschiedliche Schicksale hinter sich. Doch sie haben das gleiche Ziel: eine solide handwerkliche Ausbildung. Seit Juni lernen elf Asylbewerber im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer in Süd die Grundfertigkeiten in sechs Handwerksberufen. „PerjuF“ – Perspektiven für junge Flüchtlinge heißt das Projekt. Es ist Bestandteil des Bundesprogramms „Wege in Ausbildung für Flüchtlinge“.

Vor 14 Monaten kam Mohammad Kabalan aus Syriens Hauptstadt Damaskus nach Deutschland. „Ich habe ein Jahr Mathematik studiert“, erzählt der junge Mann in einem ausgezeichneten Deutsch. Dann die Flucht mit der Familie vor dem Krieg. Jetzt wohne er in der Hansestadt Wismar, fühle sich dort sehr wohl. „Es ist eine leise Stadt“, sagt der Syrer. Nun möchte er Fachinformatiker werden, hat Mohammad Kabalan klare Vorstellungen von seiner Zukunft. Ein erster Schritt dorthin könnte die erfolgreiche Teilnahme an dem Programm sein. Und da sind die elf jungen Asylbewerber auf einem guten Weg. Sie alle seien unheimlich motiviert und interessiert, sagt Edgar Hummelsheim, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Das zeige sich auch daran, dass keiner abgesprungen ist, alle dabei geblieben sind, ergänzt Projektleiter Sebastian Köpke. Es herrsche ein unheimlicher Teamgeist. „Einer hilft dem anderen“, so Köpke. Wichtig dabei auch: Alle Projektteilnehmer unterhalten sich auch untereinander nur auf Deutsch. Nur Vokabeln lernen ohne sie anzuwenden, das bringe nichts, sagt Ulrich Planken, der den jungen Männer zur Seite steht. Zwei, drei von ihnen könnten sprachlich gesehen schon jetzt in eine ganz normale Ausbildung wechseln, ist Planken überzeugt. Andere bräuchten vielleicht noch ein wenig Zeit.

Das PerjuF-Projekt von Handwerkskammer und Arbeitsagentur Schwerin ist die zweite Etappe innerhalb des dreistufigen Programms „Wege in Ausbildung für Flüchtlinge“. Bundesweit sollen in diesem Jahr 2500 und im kommenden Jahr 5000 Flüchtlinge daran teilnehmen, erklärt Guntram Sydow, Chef der Schweriner Arbeitsagentur. In der dritten Phase schließe sich ein mehrwöchiges Praktikum in bis zu drei Ausbildungsberufen an. Die elf Asylbewerber in Schwerin werden damit im Oktober starten. Danach sollen die jungen Männer so fit sein, um in Handwerksbetrieben eine Ausbildung zu beginnen.

„Ich würde mir wünschen, dass wir die jungen Männer hier als Meisterschüler wiedersehen“, sagt Sebastian Köpke. Und Kammerchef Edgar Hummelsheim ist überzeugt: „Mit einem deutschen Gesellenbrief finden sie überall Arbeit.“ Gute Fachkräfte würden überall gesucht, ob in Deutschland oder in anderen Ländern der Welt. Auch deshalb werde das PerjuF-Projekt in Schwerin im Oktober mit einer neuen Gruppe von Flüchtlingen fortgesetzt.


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