Sagenland : Sie lassen den Märchenzauber leben

Edmund Richter (r.) vom Heimatverein erklärt den Kita-Kindern die Crivitzer Sagenwelt.
Edmund Richter (r.) vom Heimatverein erklärt den Kita-Kindern die Crivitzer Sagenwelt.

Kita-Kinder tauchen in die Geschichte der Stadt ab: Das Repertoire des Nachtwächters reicht vom Fischregen bis zu Räuber Röpke

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09. März 2015, 15:00 Uhr

„Hört ihr Leute, lasst euch sagen, die Crivitzer Uhr hat vier geschlagen“, halt es durch die Gassen neben dem Bürgerhaus. Der Nachtwächter ist unterwegs. Und das, obwohl es noch hell ist. Grund sind 56 kleine Kinderaugen, die ganz groß werden beim Anblick der Damen und Herren in den komischen Kleidern. „Du siehst aber lustig aus“, meint die kleine Enie. Sie und die 27 anderen Mädchen und Jungen der Crivitzer Kita „Uns Lütten“ haben ihre Heimatstadt jetzt von einer ganz anderen Seite kennen gelernt. Denn beim Crivitzer Abendrundgang erklären der Nachtwächter, der Räuber Röpke und die Mitglieder des Plattdeutschen Stammtisches Crivitz sowie des Heimatvereins unter anderem, was es mit den Sagen der Stadt auf sich hat. Auch so manch lustige Anekdote wird beim Spaziergang auf historischen Pfaden erzählt. Einige Geschichten sogar auf Plattdeutsch. Denn in der Kindertagesstätte wird diese Sprache seit mittlerweile fünf Jahren vermittelt. Kerstin Kruschinski und Elke Rütz machen das möglich.

Auch beim Stadtrundgang hatte Kerstin Kruschinski das Wort, denn als Nachtwächter erklärte sie den Kindern, wo in der Stadt die Ecksteine sind und wie es einst auf den Straßen zuging. Auf dem Marktplatz übernahm dann Edmund Richter vom Heimatverein das Wort. Er berichtete vom Crivitzer Fischregen aus dem Jahr 1792. „Und plötzlich kam eine große Windhose. Wetter, bei dem nicht mal eine Maus aus ihrem Loch kriechen mochte“, beginnt er die Mär. Und am Ende hatte der Fluss zwar kein Wasser mehr, aber die Frauen auf dem Markt die Körbe randvoll mit Fischen. Anlässlich der 750-Jahr-Feier wurde 2001 sogar eine Münze mit dem Motiv des Crivitzer Fischregens geprägt.

Nach dem Besuch auf dem Marktplatz ging es für die Mädchen und Jungen zur Schule und den Geschichten um Fritz Reuter. Auch der Weinberg mit den „Hupenschietern“ sowie die Kirche mit Sagen von Räuber Röpke und der Besuch am einstigen Crivitzer Gefängnis waren Ziele des Abendrundgangs mit dem Nachtwächter.

„Wir haben das jetzt zum zweiten Mal mit Kindergartenkindern gemacht. Es ist so schön, wie die Kinder über die Sagen staunen und auch schön zu sehen, wie begeistert sie sind“, sagte Kerstin Kruschinski. Edmund Richter zeigte sich besonders überrascht, als die kleinen Mädchen und Jungen selbst Reime aus seiner Kinderzeit vervollständigen konnten. „Eins, zwei, drei, vier, Eckstein; alles muss versteckt sein – das haben wir schon vor 70 Jahren gespielt“, sagt er und lacht.

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