Frau im Männerberuf : Sie hat mehr Ersatzteile als Kleider

Auf einen Blick: Ina Nienhagen erklärt dem Auszubildenden Till Lukas Scheidler, was an dem Auto zu tun ist.
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Auf einen Blick: Ina Nienhagen erklärt dem Auszubildenden Till Lukas Scheidler, was an dem Auto zu tun ist.

Ina Nienhagen arbeitet im VW-Autohaus Ahnefeld – die 25-Jährige nimmt Autos an und sagt den Männern, was sie reparieren müssen

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31. August 2015, 12:00 Uhr

Sie macht ein freundliches Gesicht. Lächelt. „Ich nehme gerne Autos an. Mein Job macht Riesenspaß“, sagt die 25-Jährige. Sie hat schulterlange, blonde Haare, ein paar blaue Strähnen fallen ihr ins Gesicht. Sie passen zur blauen Bluse, die die Autoliebhaberin trägt. Ina Nienhagen ist eher ein zierliches Persönchen. Schlank. Eher klein. Hinter ihrem Schreibtisch in der Hagenower Chaussee wirkt sie aber auf keinen Fall verloren. Sie sitzt im VW-Autohaus Ahnefeld. Ist vorwiegend von Männern umgeben. Doch sie setzt sich durch. Ihr macht kein Mann so schnell etwas vor – wenn es um Autos geht.

Ina Nienhagen nimmt Autos an. Führt Kundengespräche. Erklärt ihnen genau, was ihrem Auto fehlt. Was repariert werden muss. Und gibt das Auto dann in die Werkstatt. „Ich erkläre den Männern in der Werkstatt, was sie am jeweiligen Wagen reparieren müssen“, sagt die 25-Jährige schmunzelnd, die ihre Ausbildung zur Automobilkauffrau fast abgeschlossen hat. Den Serviceberater hat sie bereits parallel gemacht. Seit April sitzt sie an ihrem Annahme-Schreibtisch.

Die 25-Jährige schraubt in ihrer Freizeit selbst gerne an Autos. Sie hat zwei Wagen. Einen 26 Jahre alten Golf und einen 20 Jahre alten VW Polo, der Ina Nienhagens ganzer Stolz ist. „Ich habe ihn selbst mühsam aufgebaut – sieben Jahre lang“, berichtet sie mit fester Stimme. Sogar einen Namen hat sie ihm gegeben: Schrotti. Und wenn sie von Schrotti spricht, wird ihre Stimme liebevoll. Weich. „Das Auto bedeutet mir viel“, unterstreicht die junge Frau. Lächelnd erzählt sie, dass sie fast mehr Ersatzteile für ihren Schrotti hat, als Klamotten im Schrank. Ihr erstes Ziel, am Annahmeschalter der Werkstatt zu sitzen, hat sie erreicht. Irgendwann möchte sie Rennen fahren. „Hoffentlich ist es im kommenden Jahr soweit“, sagt Ina Nienhagen. Sie dreht sich um und geht in die Werkstatt. „Nun muss ich weiterarbeiten.“ Ihre Augen leuchten vor Begeisterung. Sie ist angekommen – in ihrem Traumberuf zwischen Männern.

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