Oberflächentechnik Schwerin : Sie finden auch den kleinsten Riss

Rissprüfer Jörg Schrank prüft ein Ringsegment.
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Rissprüfer Jörg Schrank prüft ein Ringsegment.

Die Mitarbeiter der Oberflächentechnik Schwerin sorgen für Flugsicherheit und haben sich nicht nur damit weltweit einen Namen gemacht

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21. September 2015, 12:00 Uhr

Oft sind sie mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen. Schmaler als ein Millimeter. Doch bei der Oberflächentechnik (OT) Schwerin werden sie erkannt, die Risse im harten Stahl von Turbinenschaufeln. Mit verschiedenen Techniken können die Rissprüfer sie sichtbar machen. Mit einem kleinen Pinsel streicht Jörg Schrank die fluoreszierenden Flüssigkeit über die graue Oberfläche. Das blaue Licht lässt die haarfeinen Spalte in der Oberfläche leuchten. „In diesem Fall ist es ganz deutlich zu erkennen“, sagt Schrank und fährt noch einmal mit dem Pinsel über die Schaufel. Spinnennetzartig sind die Schäden zu sehen. Aber sie lassen sich reparieren, erklärt der Rissprüfer. Jörg Schrank ist einer der 120 Mitarbeiter des Schweriner Unternehmens, das sich auf die komplette Regeneration von Bauteilen aus stationären Gas- und Dampfturbinen sowie Flugtriebwerken und auf das Oberflächenbeschichten mit metallischen und keramischen Werkstoffen spezialisiert hat.

1993 wurde die Firma von Roland Koller, Werner Loppner und Jochen Pauls in Schwerin-Süd gegründet. Mit fünf Mitarbeitern hatte alles begonnen. Dass sein Vater nun gerade Schwerin und nicht einen Ort im heimischen Nordrhein-Westfalen als Standort gewählt hat, sei eher Zufall gewesen, erklärt Carsten Pauls. „Die Hallen standen leer und waren ideal für das Arbeitsprofil von OT“, erklärt der Geschäftsführer. Mittlerweile hat OT nicht nur viel mehr Mitarbeiter und ein größeres Firmenareal, sondern sich auch weit über die Bundesgrenzen einen Namen gemacht. Weltweit sind die OT-Mitarbeiter im Einsatz, vorrangig in Europa, im arabischen Raum, Südostasien und Südamerika. Zu den Kunden der OT gehören unter anderem Siemens, Lufthansa, MAN sowie das Schweizer Unternehmen Alstom.

Dutzende kleine Fähnchen stecken in der große Weltkarte im Besprechungsraum. „Wir kommen gar nicht hinterher überall ein Fähnchen zu stecken, wo wir schon waren“, sagt Betriebsleiter Jürgen Schneider. Denn nicht nur in Schwerin werden Turbinenschaufeln bearbeitet. „Wir sind mit einem mobilen Beschichtungsservice weltweit unterwegs, um Gasturbinen direkt vor Ort zu beschichten“, erklärt der Maschinenbauingenieur und verweist auf die großen Seecontainer in der Werkhalle. Ägypten steht in großen Lettern an der Containertür. „Das Equipment kommt hier rein und wird dann per Schiff in das jeweilige Land transportiert. Unsere Männer reisen dann hinterher und erledigen die Arbeit direkt in den Kraftwerken“, erläutert Jürgen Schneider.

Das Gros der Mannschaft arbeite aber in Schwerin. „Aus- und Weiterbildung sind uns sehr wichtig, nur so können wir seit 20 Jahren Know-how garantieren“, sagt Schneider und erzählt auch von zahlreichen Leiharbeitern, die eine feste Anstellung in der Firma bekommen haben. Die Fluktuation bei OT sei zudem gleich Null.

Mit dem Firmenprofil hat sich die OT Schwerin nicht nur weltweit einen Namen gemacht, sondern auch eine einmalige Stellung erarbeitet. „In dieser Gesamtvielfalt sind wir einmalig in Europa“, betont Gesellschafter Carsten Pauls. Die angelieferten Turbinenschaufeln werden bei OT gereinigt, auf Schäden untersucht, repariert und auch wieder neu beschichtet. Und das alles sehr materialschonend. „Turbinenschaufeln sind sehr starken physischen und auch thermischen Belastungen ausgesetzt. So eine Turbine dreht sich bis zu 3000-mal pro Minute und muss Temperaturen von bis zu 1000 Grad Celsius standhalten“, erklärt Pauls weiter. So komme es durch Dehnung und Stauchung des Materials zu kleinen Rissen, die anschließend zu Sollbruchstellen werden können. „Und soweit soll es ja nicht kommen. Deshalb werden sie hier überprüft und wieder repariert, wenn es denn Sinn macht“, sagt Betriebsleiter Jürgen Schneider. Das entscheide letztlich immer der Kunde.

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