Schloss Schwerin : Sichern, sanieren, Schätze heben

Bevor der neue Plenarsaal gebaut werden kann, muss erst der Beton aus den Decken zum sechsten Stock geschnitten werden. Als Arbeitsbühne wurde dieses riesige Gerüst im alten Festsaal des Schlosses aufgebaut. Der Umbau kostet rund sieben Millionen Euro und soll Anfang 2017 fertig sein.
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Bevor der neue Plenarsaal gebaut werden kann, muss erst der Beton aus den Decken zum sechsten Stock geschnitten werden. Als Arbeitsbühne wurde dieses riesige Gerüst im alten Festsaal des Schlosses aufgebaut. Der Umbau kostet rund sieben Millionen Euro und soll Anfang 2017 fertig sein.

Bauen im Welterbe: Schloss-Pflege kostet 1,5 Millionen Euro im Jahr, Plenarsaal und Schlossgartenflügel verschlingen 26 Millionen

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06. August 2015, 08:00 Uhr

Eine strahlende Fassade, ein dichtes Dach, schöne Fußböden, sichere Leitungen, funktionstüchtige Sanitär- und Heizungsanlagen – die vielen kleinen Arbeiten, die Hausbesitzer und auch Mieter zur Genüge kennen, die gehören auch zum Tagesgeschäft im Schweriner Schloss. Knapp drei Millionen Euro wurden 2014 und 2015 in die so genannte „Bauunterhaltung“ investiert, sagt Landtagssprecher Dirk Lange. Dass das Schloss regelmäßig eingerüstet ist, liegt genau daran.

„Zweimal im Jahr überprüfen wir beispielsweise die Dächer“, sagt Dirk Lange. „Und natürlich, nachdem schwere Unwetter über Schwerin gegangen sind.“ Auch die Fassade werde regelmäßig nach Mängeln in Putz oder Farbe durchgeschaut, bei Bedarf die Fenster gestrichen. Am Bischofshaus wird die Fassade gerade auf Vordermann gebracht, nächstes Jahr ist die Schlossgartenseite dran.

Im Burggarten nahe der 2015 ebenfalls frisch erneuerten Drehbrücke wird in diesem Jahr noch ein Teil des Ufers befestigt. „Neue Pfähle und Vlies sollen zu starken Wellenschlag verhindern, damit kein Boden abgetragen wird“, erläutert Lange. Im kommenden Jahr werde das Ufer an einer anderen Stelle haltbar gemacht, außerdem würden in beiden Jahren Teile der Wege im Burggarten instand gesetzt. Im Schloss selbst sollen 2016 die Arbeiten an Garderoben und Toilettenanlagen im Tiefkeller beginnen. Hier ist ein Besucherzentrum geplant.

Die größte Baumaßnahme im Schloss selbst ist aktuell der Umbau des Plenarsaals und die gleichzeitig Instandsetzung des 1913 beim Brand beschädigten Schlossgartenflügels. „Der ist seitdem nicht grundlegend saniert worden“, sagt Lange. Insgesamt 26,5 Millionen Euro kostet das Großprojekt, das 2014 begonnen wurde und 2017 abgeschlossen sein soll. Zehn Millionen Euro sind für die Gebäudesanierung veranschlagt, rund 4,5 Millionen für Konferenz-, Presse- und Besucherbereiche, erklärt Lange. Außerdem gäbe es einen 25-prozentigen „Puffer“, falls die ursprünglich kalkulierten Baukosten steigen. Rund sieben Millionen sind für die Erneuerung des Plenarsaals verplant. Insgesamt müssen dafür rund 250 Tonnen Stahlbeton weichen. Die waren in den 1970er-Jahren in die Ruine des einstigen Goldenen Saals eingebaut worden, als er zum heute noch vielen bekannten Festsaal umfunktioniert wurde. In genau diesem Festsaal entsteht nun der Plenarsaal. Arbeiter schneiden auf einem riesigen Baugerüst aktuell Betonplatten aus der Decke zum 6. Obergeschoss.

Das Schloss bildet den Mittelpunkt des Residenzensembles Schwerin, das sich 2020 als Weltkulturerbe bei der Unesco bewerben will. 1843 bis 1857 wurde es unter Friedrich Franz II nach den Prinzipien des Historismus umgebaut und stellt den letzten großen Residenzbau Mitteleuropas dar. Von der Schlossinsel aus wurde aber schon seit 1000 Jahren geherrscht. Im 10. Jahrhundert befand sich hier die slawische Burg Zuarin, nach der Stadtgründung 1160 die Grafschaft Schwerin und seit 1358 die Residenz der Herzöge von Mecklenburg. Immer wenn es jetzt Erdarbeiten im Schlossareal gibt, wird deshalb die Bodendenkmalpflege informiert. Zu den neuesten Funden gehört ein Paddel aus dem 11. Jahrhundert. Auch jetzt wird nach Zeugnissen aus der Geschichte gesucht. „Im Innenhof verlegen wir nämlich eine Versorgungsstrasse“, sagt Dirk Lange. „Und wenn die Archäologen bei uns graben, finden sie eigentlich immer etwas.“

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