Landwirtschaft in Friedrichsruhe : Sichere Bank: Bauer setzt auf Gülle

Thorsten Wagener hat einen besonderen Draht zum Fleckvieh. Er betreibt Milchproduktion in dritter Generation.
Thorsten Wagener hat einen besonderen Draht zum Fleckvieh. Er betreibt Milchproduktion in dritter Generation.

Milchkrise hin oder her – Thorsten Wagener aus Ruthenbeck will in eine Biogasanlage investieren - Erste Planung abgeschlossen

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30. Dezember 2016, 12:00 Uhr

Die Milchbauern: Zuversichtlich, bodenständig und doch bald pleite? „Wenn es mit den Preisen demnächst nicht besser wird, trifft das gewiss auf einige zu“, sagt Thorsten Wagener. Der Milchbauer aus Ruthenbeck will aber nicht klagen. „Ich mag das Gejammer selbst nicht mehr hören. Gut, es ist alles bescheiden, aber jammern bringt uns nicht voran“, betont der 30-Jährige. Und so will er weiter investieren, statt allein auf bessere Milchpreise zu warten.

600 Kühe stehen in seiner Anlage. Sie produzieren nicht nur Milch, sondern auch Gülle. Diese wertet bislang noch unverarbeitet die eigenen Ackerflächen auf, soll aber „veredelt“ werden, wie Wagener es nennt. Die Pläne für eine Biogasanlage liegen bereits seit einigen Monaten in seiner Schublade. Mit der Wärme könnte das Melkhaus geheizt werden, für die Beheizung von Häusern im Ort liegt der Stall zu weit von der Wohnbebauung entfernt. Aber: „Das, was durch die Anlage geht und dann auf dem Acker landet, stinkt nicht mehr so“, sagt der Ruthenbecker Bauer. Und es wäre eine zuverlässige Einnahmequelle – neben den leicht steigenden Preisen für die Milch.

So langsam wird es ernst. Auch die Gemeindevertretung von Friedrichsruhe, zu der Ruthenbeck als ein Ortsteil gehört, hat sich bereits mit den Planungen für die 75-Kilowatt-Anlage befasst. „Wir haben bereits Biogasanlagen in Frauenmark und Friedrichsruhe – da gab es bislang keine Probleme und das bleibt hoffentlich auch mit einer dritten Anlage in der Gemeinde so“, sagt Bürgermeister Uwe Kröger. Da gestern die Unterlagen zu den Ausgleichspflanzungen im Amt eingegangen sind, werde das Thema Biogasanlage gleich zu Jahresbeginn bei den Gemeindevertretern noch einmal Thema sein. Ganz so eilig hat es Wagener aber nicht. „Es gibt immer ein gewisses unternehmerisches Risiko, das es abzuwägen gilt“, sagt er und verweist auf das zur Zeit niedrige Zinsniveau bei festgeschriebener Vergütung. Sollten die Zinsen steigen, würde er alles richtig machen, sagt Wagener. Sollte der Zins jedoch weiter sinken und die Vergütung ebenso, mache er einen Fehler. „Unsere Aufgabe ist es jetzt, dieses Risiko zu bewerten und eine Entscheidung zu treffen“, erklärt Wagener. Wichtig ist ihm außerdem, dass die Gemeinde die Entscheidung mitträgt. „Wir sind nicht nur die, die die Landschaft mit der Bestellung der Ackerflächen prägen. Auch unsere Stallungen und alles drum herum sollte nicht nur als störend empfunden werden“, sagt er und betont: „Dafür ist es wichtig, miteinander zu reden.“ Zur Biogasanlage, die kaum ins Auge fallen würde, käme ein Lager mit 6000 Kubikmeter Gärreste hinzu. „Aber noch ist nichts entschieden“, betont Wagener.


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