Wohnen im Denkmal : Seuchenhaus wird Wohntraum

Außen historische Backsteinfassade, innen Fachwerk: Burkhard Rabe und Frank Thielmann (r.) wollen den  Charakter des Krankenhausbaus erhalten. Ein Park mit Rondell nach historischer Vorlage bildet später den Eingangsbereich.   Fotos: Reinhard Klawitter (3)
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Außen historische Backsteinfassade, innen Fachwerk: Burkhard Rabe und Frank Thielmann (r.) wollen den Charakter des Krankenhausbaus erhalten. Ein Park mit Rondell nach historischer Vorlage bildet später den Eingangsbereich. Fotos: Reinhard Klawitter (3)

Architekten-Duo baut historisches Einzeldenkmal auf dem Gelände der Werderklinik zu sieben Stadtvillen mit Gärten um

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28. Juli 2014, 12:00 Uhr

Ende des 19. Jahrhunderts sollten im Seuchenhaus hinter der Werderklinik noch Pocken und Cholera behandelt werden, heute wird der malerische Backsteinbau nicht mehr gebraucht. Seiner Einzigartigkeit für Schwerin verdankt das Gemäuer, dass es als Einzeldenkmal in der Liste der Landeshauptstadt steht. Das Architekten-Duo Burkhard Rabe und Frank Thielmann will dem seit Jahren leerstehenden Bau auf dem Gelände der Werderklinik seinen Charme zurückgeben – als modernes Wohngebäude.

„Als Teil des Klinik-Ensembles wollen wir den Gesamtcharakter der städtebaulichen Anlage mit vorgelagerten Rondell erhalten“, sagt Burkhard Rabe. Erste Gespräche mit der Denkmalbehörde seien vielversprechend gelaufen.

Eingebettet in einen Park entstehen nach den bisherigen Plänen sieben bis acht einzigartige Stadtvillen und Wohnungen mit Gärten sowie Parkplätzen. Der Eigentümer plant nach SVZ-Informationen Miet- und Eigentumsobjekte mit hohem Wohnkomfort und mit Galeriegeschossen. Das Fachwerk soll in den Innenräumen das historische Flair erhalten. Zwar befindet sich das ehemalige Seuchenhaus auf dem Gelände des früheren Schweriner Stadtkrankenhauses, diesen Charakter wird das Gebäude voraussichtlich einbüßen.

Architekt Georg Adolph Demmler (1804-1886) hat das Krankenhaus entworfen, das im Jahr 1841 in der Werderstraße 30 eröffnet wurde. So dokumentiert es Dr. Wilfried Kopp in seinem Werk „Das Gesundheitswesen der Stadt Schwerin“. Das Krankenhaus beherbergte 30 bis 90 Krankenbetten, bot aber im Notfall Platz für 130. Unter seinem Dach befanden sich ein Operationszimmer, ein Raum für Selbstzahler und ein weiterer für „besondere Zwecke“. Eine Hausapotheke und ein kleines pathologisches Kabinett vervollständigen im Jahr 1858 das Krankenhaus. Die Versorgung der Patienten oblag einem leitenden Arzt und seinem Assistenten. In den Anfangsjahren schwankte die Belegung: 40 bis 65 Patienten wurden zeitgleich behandelt und gepflegt. Quellen berichten, dass „die hygienische Verfassung als gut befunden wurde“. Dann brach die Pockenepidemie über Schwerin herein. Das war laut Stadtarchiv im Jahr 1860. Schwerin nahm das zum Anlass, sieben Jahre danach das Seuchenhaus zu errichten. Das sollte sich bezahlt machen, als 1892 die Cholera in Hamburg ausbrach und drohte, auf Schwerin überzugreifen. Das Seuchenhaus wurde im gleichen Jahr saniert und ein Waschraum eingebaut.

Das Gesundheitswesen von Schwerin galt zu jener Zeit als vorbildlich für das ganze Land – vor allem nach den Anforderung des Armenwesens. Dennoch oder gerade deswegen war das Schweriner Krankenhaus Ende des 19. Jahrhunderts nicht ausgelastet. 1901 beherbergte es nur noch etwa 80 Betten und beschäftigte zwei Ärzte.

Davon erzählen heute auch die leeren Räume des Seuchenhauses, in das im Herbst 2015 Familien einziehen sollen.








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