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25. September 2017 | 13:27 Uhr

Schwerin : Senioren lösen Kita-Kinder ab

vom

Der Retorten-Bau an der Bertha-von-Suttner-Straße hat sich zu einem attraktiven Wohnstandort für ältere Schweriner entwickelt. Konzipiert war der Gebäudekomplex ursprünglich als klassische Wohngebiets-Kita.

svz.de von
erstellt am 23.Jun.2013 | 06:22 Uhr

Grosser Dreesch | Dass eine Kita aus dem DDR-Baukastensystem erstaunlich lange haltbar ist und bei guter Pflege bzw. aufwändiger Sanierung auch im 21. Jahrhundert ihre Dienste tut, wird in Schwerin an verschiedenen Stellen bewiesen. Aber kaum eine Kita hat so eine wandelvolle Geschichte hinter sich wie die in der Bertha-von-Suttner-Straße 3. Heute ist sie eine Wohnanlage für betreutes Wohnen, die so erfolgreich läuft, dass nebenan sogar ein weiteres Objekt entstand. Für die Zwei- und Dreiraum-Wohnungen wird schon lange eine Warteliste geführt.

Doch zurück auf Anfang: Konzipiert war der Gebäudekomplex als klassische Wohngebiets-Kita und in den 80er-Jahren auch entsprechend gut besucht. Mit der Wende brachen dann die Kinderzahlen ein, diverse Kitas mussten in den folgenden Jahren schließen, darunter auch die in der Bertha-von-Suttner-Straße. Anschließend zog eine Abteilung der Stadtverwaltung in das Haus, danach die Polizei. Doch die Behörden bauten sich selbst neue und schönere Gebäude - die Kita stand schließlich leer und drohte zum Schandfleck für den Großen Dreesch zu werden. Doch die Unternehmer Karsten Bunsen und Gerd Riesner witterten Potenzial in dem von vielen längst abgehakten Areal. Sie kauften das Objekt vom Land und bauten es für mehr als zwei Millionen Euro seniorengerecht um.

In den 31 neuen Wohnungen gibt es keine Schwellen mehr, breite Türen, Lichtschalter auf 85 Zentimetern Höhe. Sogar die Balkone sind stufenlos mit Rollatoren zu betreten. Das Vorderhaus wurde um ein Geschoss aufgestockt, ein bettentauglicher Fahrstuhl führt vom Keller bis in das zweite Obergeschoss. Eine gemütlich eingerichtete Gästewohnung sowie ein kleiner Frisörsalon stehen den Mietern zur Verfügung. Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) stellt eine Hausdame, die die häuslichen Veranstaltungen in der eigens angebauten Begegnungsstätte organisiert: Gedächtnistraining, Seniorensport, Spielenachmittage und anderes. Über die Awo kann auch das Mittagessen bestellt werden.

"Seit der Fertigstellung 2007 sind wir voll vermietet, es gab keinen Tag Leerstand", sagt Gerd Riesner zufrieden. Die Einrichtung läuft so gut, dass Karsten Bunsen ein benachbartes Grundstück von der Stadt erwarb und hier einen dreigeschossigen Neubau erstellte.

15 seniorengerechte Wohnungen gibt es dort. Baulich sind die Gebäude zwar nicht verbunden, bilden aber eine optische Einheit. Die Bewohner beider Häuser teilen sich außerdem die Awo-Hausdame, die Begegnungsstätte und nutzen den neuen Sport- und Therapieraum. Der wird auch von verschiedenen Senio rensportgruppen aus dem Wohnumfeld genutzt.

"Schweriner, Menschen aus dem Umland und solche, die von weiter her kommen und jetzt in die Nähe ihrer Kinder gezogen sind, gehören zu unseren Mietern", sagt Riesner. Das Konzept der seniorengerechten Wohnungen haben die beiden Investoren auch in Grevesmühlen umgesetzt. Einziger Unterschied: Dort wurden die Wohnungen als Eigentumswohnungen verkauft.

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