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Zeitung für die Landeshauptstadt

26. September 2017 | 00:33 Uhr

Kultur in Schwerin : Seltene Noten für Schwerin

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Holocaust-Überlebende Anita Lasker-Wallfisch schenkt Konservatorium die Bibliothek ihres Mannes Peter

von
erstellt am 14.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Von einem „sehr bewegenden Moment“ sprach Oberbürgermeister Rico Badenschier, als er gestern im Konservatorium neben Anita Wallfisch Platz nahm. Er habe vor wenigen Tagen erst das Theaterstück über ihr Leben gesehen, das Schüler des Fridericianums am Holocaust-Gedenktag aufgeführt haben. Das sei sehr berührend gewesen, so werde Geschichte erlebbar. Es sei sehr wichtig, Zeitzeugnisse zu bewahren. Badenschier dankte der einst international renommierten Cellistin und Überlebenden von Auschwitz mit herzlichen Worten dafür, dass sie das Musikliteratur-Archiv ihres Mannes Peter Wallfisch, einst ein gefeierter Konzertpianist und Musikprofessor, mit zahlreichen Werken verfemter Musik dem Schweriner Konservatorium übereignet hatte.

„Mein Mann würde sich sicher freuen, wenn er sehen würde, dass ich seinen Nachlass nach Schwerin gegeben habe. Denn hier ist er in guten Händen“, sagte Anita Lasker-Wallfisch. „Ich bin sehr froh, dass seine Sammlung nicht nur gut bewahrt wird, sondern dass auch damit gearbeitet wird“, betonte sie. Es sei zwar etwas kurios, dass der Nachlass ihres Mannes, der einst vor den Nazis aus Deutschland geflohen war, jetzt nach Deutschland zurückkehre. Doch es sei eine gute Entscheidung. „Denn hier hat sich seither vieles grundlegend verändert“, sagt die Holocaust-Überlebende.

Nachdem sie vor gut zehn Jahren Volker Ahmels, den Organisator des Festivals Verfemte Musik in Berlin kennen gelernt hatte, kommt sie seither regelmäßig nach Schwerin. Zum jüngsten Festival brachte sie ihren Sohn, ebenfalls ein bekannter Cellist, sowie ihren Enkel Simon, einen talentierten Sänger und Cellisten, mit. Sie selbst bereicherte den Musikwettbewerb als Ehrenvorsitzende der Jury mit der Anregung, künftig bei den Vorrunden neben verfemter Musik auch Klassik ins Programm zu nehmen.

Einer der jungen Leute, die sich die historische Musikliteratur im Peter-Wallfisch-Archiv des Konservatoriums erschließen, ist Daniel Prinz, Student an der Hochschule für Musik und Theater Rostock. Er hatte sich beim Festival Verfemte Musik 2016 zwei Sonderpreise erspielt. Der junge Pianist bedankte sich gestern bei Anita Lasker-Wallfisch auf die naheliegendste Art: mit einem ausgezeichneten Vorspiel.

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