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Zeitung für die Landeshauptstadt

21. Oktober 2017 | 01:35 Uhr

Gelebte Integration : Selbstzweifel sind verschwunden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ourobou Arafat Tchakpedeou kam als Student aus dem Togo und arbeitet heute als Koch in Schwerin

von
erstellt am 07.Okt.2015 | 16:00 Uhr

In Deutschland hat Ourobou Arafat Tchakpedeou gelernt, dass man keine Angst davor haben muss, sich als Flüchtling zu behaupten und der zu bleiben, der man ist. Das tägliche Leben ist auch 15 Jahre nach der Flucht aus der Diktatur in Togo für ihn manchmal ein Kampf, sagt er. Doch eines habe sich gründlich geändert: „Neben Anfeindungen standen früher Selbstzweifel“, sagt Ourobou Arafat Tchakpedeou. „Heute sehe ich das als Motivation, mich in der neuen Heimat zu beweisen und meine Kinder stolz zu machen.“

Als Student der Wirtschaftswissenschaften hatte Ourobou Arafat Tchakpedeou in der ehemaligen deutschen Kolonie Togo gegen die Diktatur des Generals Gnassingbé Eyadéma rebelliert, zu dessen Stab auch sein Vater gehörte. Er wurde von der Universität geworfen und politisch verfolgt. Seit 2000 lebt er als politischer Flüchtling in Deutschland. Hier wollte er sein Studium fortzusetzen, was ihm jedoch durch die Asylbestimmungen nicht möglich war. Deshalb begann er eine Ausbildung zum Koch, zog 2004 nach Schwerin. Hier lebt und arbeitet er in einem Café.

„Ich musste vieles in der Heimat zurücklassen, aber am meisten vermisse ich meine Mutter“, erzählt er. Nach 15 Jahren Trennung wird sie ihn in den kommenden Wochen das erste Mal in Deutschland besuchen.

Seine afrikanischen Wurzeln hat er in den vergangenen Jahren gepflegt. Zusammen mit der Arbeiterwohlfahrt betreut er im Ehrenamtsprojekt „Nebenan in Afrika“ den Bau einer Vorschule und die Ausbildung von Lehrern in seinem Geburtsort Koumondé.

Als Vorsitzender des Vereins „couleurs afrik – die Farben Afrikas“ und Initiator des seit 2011 in Schwerin stattfindenden „Afrika-Tages“ setzt er sich zudem für den interkulturellen Austausch zwischen Deutschen und Afrikanern ein. Die zweite Generation Hilfe Suchender auf dem schwarzem Kontinent brauche nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern vielmehr die Integration in die internationale Gemeinschaft. „Afrika muss als eine Vielzahl von Ländern mit unterschiedlichen Kulturen und großem Potenzial verstanden werden. Nur so können sich Vorurteile abbauen und dem Kontinent zu eigener Stärker verholfen werden“, sagt der 43-Jährige. Dieselbe Ansicht vertritt er auch in aktuellen Flüchtlingsdebatten. Das Problem rund um Einwanderung sei vielschichtig und natürlich könne ein Land wie Deutschland nicht jeden aufnehmen. „Niemandem zu helfen ist aber auch keine Lösung.“ Jedoch müssten diejenigen, die nach Deutschland kommen, auch aktiv werden. „Wer es als Ausländer nicht schafft, für sich selbst einzustehen und sich in die Gesellschaft einzubringen, der wird in ihr auch keine Akzeptanz finden.“

Auf der anderen Seite resultierten Fremdenhass und Intoleranz seiner Meinung nach vor allem aus mangelnder Weitsicht und fehlenden Erfahrungen. „Wer seine Heimat noch nie verlassen hat, der kann sich nicht in unsere Situation versetzen und die Eigenarten der anderen nicht verstehen.“ Und was ist mit den Eigenarten der Deutschen? Die fasst Tchakpedeou mit dem Wort „Bürokratie“ zusammen. Was nicht negativ gemeint ist. „Der riesige Verwaltungsapparat wirkt im ersten Moment abschreckend und übertrieben, erweist sich jedoch meist als effektiv“, fügt er hinzu. Die Sicherheit, dass ein Antrag – z.B. auf einen Kita-Platz für seine Kinder – wirklich bearbeitet wird, wisse er jedenfalls zu schätzen. Die typisch deutsche Pünktlichkeit hingegen stößt bei ihm noch heute auf Unverständnis. „Natürlich habe ich mich daran angepasst. Es hat auch Vorteile, vor allem in der Wirtschaft. Die Entspanntheit der Afrikaner, die nicht den ganzen Tag unter Stress stehen, die einfach an das Gute glauben, macht sie aber vielleicht zu den glücklicheren Menschen.“ Rebecca Koch

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