zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

20. Oktober 2017 | 23:49 Uhr

Wessin : Selbst die Kartoffeln haben jetzt genug

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wessiner holen erste Knollen aus dem Boden – mehr Regen braucht es nicht

von
erstellt am 07.Aug.2017 | 23:11 Uhr

„So langsam sind sie alle satt“, sagt der Wessiner Landwirt Dirk Schünemann. Vor ihm liegt ein großes begrüntes Ackerstück. Kartoffelpflanzen stehen dicht an dicht. Zwischen 45 und 50  000 Pflanzen sind es pro Hektar. Der Bauer ist zufrieden mit der Entwicklung. „Mehr Regen muss wirklich nicht sein. Selbst die Kartoffeln haben genug Wasser bekommen“, erklärt Schünemann. Er ist im Vorstand der Landwirtschaftlichen Produktion- und Absatz-Genossenschaft Wessin und hat neben der Milchviehhaltung auch ein Auge auf den Ackerbau. Die einzigen Profiteure der langen Regenphasen in den vergangenen Wochen seien Mais und Kartoffeln. Letztere werden seit einigen Wochen geerntet und sorgen für zufriedene Gesichter – nicht nur bei Dirk Schünemann, sondern auch Karl Stamer bleibt beim Gedanken an die Knollen-Ernte wohlgelaunt: „Wir müssen zwar ein bisschen nachtrocknen, und das kostet wieder zusätzlich Geld, aber die Qualitäten stimmen. Das ist wichtig.“

Auf 91,48 Hektar werden bei der Wessiner Genossenschaft Speise-, Veredlungs-, Stärke- und Vermehrungskartoffeln angebaut. Früher, erinnert sich Stamer, hätten die Wessiner sechsmal so viel angebaut. Seit 44 Jahren ist der Leiter des Feldbaus nun schon dabei, all zu oft habe es bei den Kartoffeln am Wasser gemangelt. „Kartoffelanbau klappt eigentlich nur wirklich gut mit einer Beregnung. Die gab es in diesem Jahr von ganz allein – von oben“, sagt Stamer und schmunzelt.

Abgesehen von den technischen Voraussetzungen und natürlichen Gegebenheiten sei es dennoch mit den Jahren immer schwieriger geworden, Kartoffeln anzubauen. Viele Betriebe hätten den Zweig aufgegeben. „Wir verbringen gerade bei den Kartoffeln mehr Zeit im Büro als auf dem Acker“, sagt Genossenschafts-Chef Schünemann. Was ihn und seine Mitstreiter noch an den Kartoffel-Anbau glauben lässt? „Du muss die Knollen mögen, sonst baust du die nicht an“, erklärt er.

Am 4. April kamen die Kartoffeln in den Boden, am 13. Mai waren die ersten grünen Blätter zu sehen und bis zum 7. Oktober sollen dann die letzten Kartoffeln aus dem Boden sein. So sieht er aus, der Plan von Andy Gässler. In großen Tabellen hat der künftige Feldbau-Leiter alles dokumentiert. „Es schaut wirklich gut aus. Jetzt kommt es allein auf die Befahrbarkeit des Ackers an. Das ist das größte Sorgenkind“, schiebt er hinterher. Denn allein der Kartoffelroder bringt 9,5 Tonnen auf die Waage. Bei 28 Bodenpunkten und zu viel Regen könne es brenzlig werden.

Gleiches gelte für die Maisernte, aber die steht vorerst nicht an. „Der Mais kann immer Wasser gebrauchen, aber auch Sonne darf nicht fehlen“, erklärt Dirk Schünemann. Die einzelnen Pflanzen ragen mittlerweile mehr als 2,50 Meter hoch in den Himmel. Was ihnen jetzt noch gefährlich werden könnte, sei der Wind. „Sie haben durch das viele Wasser gar keine Ambition gehabt, tief zu wurzeln und somit steht der Mais nicht wirklich fest verankert im Boden“, sagt Andy Gässler. Die Wessiner hoffen auf wenig Sturm bis Ende September, denn dann kommt Mais vom Acker.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen