Rastow : Seit 25 Jahren schneidet sie gut ab

Gelernt ist gelernt: Mit flinken Händen verpasst Annerose Schmedemann der Kundin eine neue Frisur.
Gelernt ist gelernt: Mit flinken Händen verpasst Annerose Schmedemann der Kundin eine neue Frisur.

Annerose Schmedemann hat sich mit der Lehre zur Friseurin einen Kindheitstraum erfüllt – heute feiert sie „Silberhochzeit“ mit ihrem Team

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01. Februar 2018, 12:00 Uhr

Wenn die Tanten zu Besuch waren, gingen sie nie mit der gleichen Frisur, mit der sie gekommen waren. Es wurde gekämmt, toupiert, geflochten. Das ist eine der Geschichten, die Annerose Schmedemann aus ihrer ganz persönlichen Erinnerungskiste hervorkramt. „Ich wollte schon ganz früh Friseurin werden. Ich habe es geliebt, anderen in die Haare zu gehen“, sagt die Rastowerin. So war das Berufsziel nach der Schule klar. Die Lehre absolvierte die heute 61-Jährige in Schwerin. In ihrem Ausbildungsbetrieb blieb Annerose Schmedemann 19 Jahre. „Ich musste mir etwas anderes suchen und habe nach ein paar falschen Entscheidungen, die richtige getroffen: Die für das Friseur-Team Keding.“

Heute feiert sie nicht nur mit ihrer Chefin Annette Keding deren Geburtstag, sondern auch ihr eigenes Dienstjubiläum – 25 Jahre ist sie im Unternehmen. „Annerose hat mir nach den ersten Tagen versprochen, dass sie mindestens bis zur Silberhochzeit bleibt“, sagt Annette Keding. Die Rastowerin hat ihr Versprechen gehalten. Aus einem Arbeitsverhältnis wurde mit den Jahren eine tiefe Freundschaft. „Sie ist ein Glücksfall. Stets pünktlich, zuverlässig, umsichtig. Kurzum: Die beste Mitarbeiterin, die man sich wünschen kann“, erklärt die Firmenchefin. Annerose Schmedemann steigt das Wasser in die Augen. So viel Aufsehen um ihre Person mag die Friseurin nicht. „Ich mache nur meinen Job“, winkt sie ab. Ihre Chefin interveniert: „Mit viel Herzblut für die Sache hat sich Annerose einen Namen in der Region gemacht. Es kommen Kunden sogar aus Hamburg.“ Und ist Annette Keding mal nicht da, übernimmt sie das Zepter für die Salons in Banzkow und Rastow sowie die anderen zehn Mitarbeiterinnen.

Doch die große Leidenschaft sind Frisuren. Knallige Farben und verrückte Schnitte sind an Annerose Schmedemann so gut wie vorbeigegangen. Selbst blieb sie stets den Kurzhaarfrisuren und dem Blond treu. „Lange Haare stehen mir nicht und was die Farbe betrifft, da bin ich nicht so mutig“, sagt sie leise und erzählt dann von einem Dauerwellen-Versuch. „Als ich nach Hause kam, sagten die Kinder: Mama, du siehst aus wie eine Tante.“ Ein zweites Mal Dauerwelle? Kein Thema.

Viel lieber probiert sie mit den Kunden Trends aus. Manche kommen mit den Jahren sogar wieder, wie beispielsweise die Blauspülung. „Es ist zu erkennen, dass die Kunden jetzt mehr auf Individualität setzen“, sagt die Friseurin. Auch die Männer legen heutzutage mehr Wert auf eine Frisur. „Nur leider wollen immer noch einige viel zu kurze Haare. Das ist dann gar keine richtige Frisur mehr.“ Dennoch sei ihre Arbeit mit den Jahren vielfältiger geworden. „Es ist nach so langer Zeit noch der schönste und spannendste Beruf, den ich mir vorstellen kann“, versichert die Rastowerin.

Traurige Momente? Die Ausnahme. „Wir hatten eine Kundin, die sich die Haare so stark gefärbt hat, dass sie büschelweise abfielen“, erzählt Annerose Schmedemann. Es halfen nur noch ein Kurzhaarschnitt und ganz viel Pflegespülung. „Ich hätte mitweinen können“, sagt sie. In 48 Jahren in verschiedenen Salons blieb es allerdings ein Einzelfall. Annerose Schmedemann hofft, dass es auch in den nächsten zwei oder drei Jahren so bleibt. Denn dann will sie in den Ruhestand gehen. „Das ist jedenfalls der Plan“, sagt die 61-Jährige. Doch daran will sie heute nicht denken, sondern erst einmal die Silberhochzeit feiern. Heute von 10 bis 14 Uhr hat sie einen Sektempfang für die Kunden vorbereitet, die selbst noch mit 96 Jahren zu ihr kommen – für Kämmen, Toupieren und mehr.

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