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Zeitung für die Landeshauptstadt

24. September 2017 | 21:12 Uhr

Ernte im Schweriner Umland : Seine Gerste braucht Sonne

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Christian Nagel hat gestern den ersten Ernteversuch gestartet – doch noch fehlt Wärme, denn das Getreide ist zu feucht

von
erstellt am 07.Jul.2017 | 08:00 Uhr

Ein bisschen mehr Sonne dürfte es noch sein, sagt Landwirt Christian Nagel und streicht über die Grannen der goldschimmernden Gerste. Der Landwirt aus Tessin ist startklar. Seine Maschinen sind es seit gestern auch. Nur die Gerste kommt nicht hinterher. Die Regenschauer der vergangenen Tage waren zu stark. „Die Ähren haben sich so voll Wasser gesogen und die Temperaturen sind noch zu niedrig. Wir brauchen dringend Sonne“, erklärt er und zieht noch einmal eine Hand-Probe. Er sucht sich gezielt ein kleines Gerstenkorn aus dem guten Dutzend, das auf seiner Handfläche liegt, beißt es auf und erklärt: „Zu weich. Das wird heute wohl nichts.“ Wenige Stunden später hat Christian Nagel dann das Messgerät dabei. Es dauert wenige Sekunden bis klar ist: Gedroschen wird nicht, denn seine Gerste hat einen Feuchte-Wert von 20 Prozent. Abliefern lässt sich die Gerste erst mit 14,5 Prozent Feuchte. „Sonst gibt es Abzug beim Händler“, sagt der Landwirt. Gut 55 Hektar Gerste hat er angebaut. Alles wird verkauft und zu Futter verarbeitet. Auch Winterweizen und Raps, die er auf den restlichen 600 Hektar gesät hat, verbleiben nicht auf dem Hof.

Zu einer ersten Ernte-Prognose lässt sich der 40-Jährige nicht hinreißen. „Wir haben zwar Probleme mit liegendem Getreide und der Trespe, doch noch wäre es zu früh, von Ernte-Ausfällen zu sprechen“, sagt er.

Ähnlich sieht das auch Friederike Strothmann, die mit ihrem Mann Werner die Flächen des Gut Kuhlen im benachbarten Kuhlen beackert. Auch die anderen Landwirte in der Region haben bereits erste Versuche unternommen oder stehen in den Startlöchern: „Wir müssen noch warten, aber in einer Woche ist es dann ganz sicher soweit“, meint Hansjörg Rotermann von der Agrargemeinschaft Lübstorf. Er verweist zudem auf die momentan sehr problematische Bodenbeschaffenheit. „Auch auf unseren Flächen bei Cambs steht das Regenwasser. Wir haben schwere Erntetechnik und müssen somit stets schauen, ob wir nicht im Boden versinken“, schiebt Christian Nagel hinterher. Eine Sache, die dem Landwirt ebenso missfällt, ist der Durchsatz mit Trespe. Das Unkraut lasse sich zwar mit einigen Mitteln unterdrücken, es aber loszuwerden, sei schwer. „Wir pflügen wieder mehr, um das Unkraut zu bändigen“, sagt er. Doch auf seinen Flächen nordöstlich des Schweriner Sees funktioniere das nur mit mäßigem Erfolg. „Wenn die Trespe dann voll Wasser gesogen ist, drückt sie den Weizen mit runter und das ist weniger schön, denn der kann dann schlechter abreifen“. Doch Christian Nagel ist zuversichtlich und hofft auf Sonne. „Die Regel vom Siebenschläfer ist sicher schon überholt“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

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