Sukower Unternehmen sucht Nachwuchs : Sehnlichster Wunsch: Mitarbeiter

Firmengründer Dirk Falke zeigt eines der Programme zur Berechnung der Modelle am Computer.
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Firmengründer Dirk Falke zeigt eines der Programme zur Berechnung der Modelle am Computer.

Team des Sukower Ingenieurbüros Falke agiert weltweit, doch die Suche nach neuen Kollegen blieb bislang erfolglos

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09. Mai 2017, 08:00 Uhr

Schon beim morgendlichen Griff zur Zahnbürste kommt Dirk Falke mit seiner Arbeit in Berührung. Denn ob Zahnbürste, Lichtschalter oder Bauteile im Auto – sie alle bestehen aus Formen. Und genau diese stellt das Sukower Ingenieurbüro für Kunststofftechnik her. Und das nun mittlerweile seit 25 Jahren. Am 1. April 1992 hat Dirk Falke den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Und bis heute nicht bereut, trotz mancher Hürden. Doch eine Sorge treibt den gebürtigen Schweriner um: Die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern. „Wir konstruieren Kunststoff-Formteile und die zur Herstellung von Kunststoffteilen erforderlichen Formen aus Stahl, in Fachkreisen Werkzeuge genannt“, sagt Falke und präsentiert einige Modelle am Bildschirm.

Die Zeiten von Reißbrett und Bleistift sind auch im Sukower Büro längst Geschichte. Das, was Falke und seine Kollegen planen, wird zu 70 Prozent in der Autoindustrie verwendet. „Es fährt wohl kaum noch ein Fahrzeug in Europa, in dem nicht ein Teil verbaut wurde, was wir in den Händen beziehungsweise auf dem Bildschirm hatten“, sagt der Familienvater. Aber auch für die Medizintechnik sowie den Sport- und Freizeitbereich arbeitet das siebenköpfige Team.

In Sukow werden aber nicht nur Formen geplant. „Mit einer speziellen Software sind wir in der Lage das Fließen der Kunststoffschmelze in den Hohlraum des Werkzeugs, dem späteren Formteil, zu berechnen“, sagt Falke, klickt auf einen entsprechenden Button, und es füllt sich die geplante Form virtuell auf dem Bildschirm. „Da, wo es rot wird, kann es kritisch werden. Und hier ist ein Bereich, der erst sehr spät gefüllt ist – zu spät.“ Allein mit der Arbeit im Sukower Büro ist es aber nicht getan. Es gibt wohl kaum eine Woche im Jahr, in der der Firmenchef an ein und demselben Ort ist. Regelmäßig fliegt er nach Stuttgart. Dort gibt er beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und der DIN-Akademie in Berlin Seminare, ebenso bei Firmen in Süddeutschland. Oftmals seien es sogenannte zweitägige Inhouse-Schulungen. Ein weiteres Ziel seiner Reisen ist Schmalkalden in Thüringen. Falke ist Lehrbeauftragter an der dortigen Hochschule und lehrt verschiedene technische Lehrgebiete der Kunststofftechnik.

Der Diplom-Ingenieur ist zudem Obmann eines Arbeitsausschusses am Deutschen Institut für Normung (DIN) in Berlin. Er war maßgeblich an der Erstellung einer DIN-Norm, die die erreichbare Maßhaltigkeit bei der Fertigung der Kunststoffteile beschreibt, beteiligt. Diese wird nun sogar in eine internationale Norm überführt. Mit zum breit aufgestellten Arbeitsfeld gehören zudem Gerichts-, Privat- und Schiedsgutachten – die erstellt das Team ebenfalls. Viel Arbeit, verteilt auf wenig Schultern. Und genau das würde Dirk Falke gerne ändern. Viele seiner Arbeitswochen beginnen am Sonntagmittag mit der Fahrt zum Flughafen Hamburg. Und so manche Woche endet erst am Sonnabendabend. „Wie man die Arbeitszeit zählen soll, weiß ich nicht, aber bis 70 Stunden pro Woche trifft es wohl“, sagt Falke. Das zu ändern, sei nicht so einfach: „Obwohl wir ein sehr interessantes und abwechslungsreiches Tätigkeitsfeld haben, finden wir kaum neue Mitarbeiter“, sagt er traurig.


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