Firma aus Lübesse baut Schweriner Einheitsjolle aus dem Jahr 1921 nach : Segelklassiker wird zu neuem Leben erweckt

Bootsbauer Stefan Gierke stellt die Form für die künftigen Kunststoffrümpfe her.
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Bootsbauer Stefan Gierke stellt die Form für die künftigen Kunststoffrümpfe her.

Vor den Toren der Landeshauptstadt erlebt derzeit ein Segelboot seine Wiederauferstehung, dass vor 90 Jahren konzipiert wurde - die Schweriner Einheitsjolle.

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06. Oktober 2011, 03:47 Uhr

Lübesse | Vor den Toren der Landeshauptstadt erlebt derzeit ein Segelboot seine Wiederauferstehung, dass vor 90 Jahren konzipiert wurde - die Schweriner Einheitsjolle. Hersteller des Klassikers ist die Firma Boots- und Kunststoffbau (BuK) in Lübesse, die schon durch ihre Drachenboote weltweite Bekanntheit erreichte. Weiter zum Kerngeschäft der Lübesser gehören Motorboote bis 10 Meter Länge und Segelyachten bis 12,5 Meter.

Das Projekt der Einheitsjolle ist in Zusammenarbeit mit dem Schweriner Segler Detlef Huss entstanden. Der hat mittlerweile zwei Oldies aus den 1920er-Jahren restauriert und segelt auch erfolgreich. Das haben die beiden BuK-Geschäftsführer Andreas Stankewitz und Bernd Hocker mit wachen Augen verfolgt, so ist die Idee eines Replikats entstanden.

Die Konstruktion der Einheitsjolle wurde 1921 vom Schweriner Segler-Verein von 1894, heute noch der mitgliederstärkste Verein im Landesverband, in Auftrag gegeben. Ziel war seinerzeit eine Einheitsjolle - mithin ein baugleiches Schiff, das in Serie gebaut werden und dem Aufbau einer Regattaszene mit baugleichen Booten dienen sollte. Zudem sollte das Boot als geräumiges Familienschiff genutzt werden können. Gezeichnet wurde der Riss 1921 vom Berliner Konstrukteur Reinhard Drewitz und in den folgenden Jahren vor allem auf Werften in Berlin und Schwerin rund 25-mal gebaut.

Seine erste Schweriner Einheitsjolle hat Detlef Huss im Jahr 2000 mit Originalbeseglung gekauft. "Drei Jahre habe ich an der Rekonstruktion von The Old Man gearbeitet und dabei aus alten Unterlagen erfahren, dass das Schiff als Sindbad getauft wurde. Unter diesem Namen taucht das Holzboot auch in Ergebnislisten der damaligen Zeit auf und so heißt es heute wieder", erläutert Detlef Huss. Das Schiff ist rund sechs Meter lang und zwei Meter breit, und seine Gaffeltakelung trägt 20 Quadratmeter Segel.

Die Schweriner Einheitsjolle ist eine robuste Konstruk tion mit grundsoliden Segel eigenschaften. "Mit Sindbad habe ich viel Anerkennung bei Regatten auf der Elbe, der Schlei, in Berlin, auf dem Stettiner Haff und natürlich in Schwerin gefunden", sagt Detlef Huss und ist stolz auf die Segeleigenschaften des Oldtimers.

Das Replikat aus Lübesse weist einige Unterschiede auf. Der Rumpf ist nicht mehr aus Holz, sondern aus Kunststoff. Und anstatt der schweren Leinensegel werden Kunststoff-"Gardinen" gefahren, die aber auch über die typischen, fünf Meter langen Spieren verfügen. "Unsere Intuition ist einfach, diesen Klassiker wieder auf den Schweriner See zu holen", erklärt BuK-Geschäftsführer Andreas Stankewitz. Da es keine Aufzeichnungen der Konstruktion mehr gibt, hat Stankewitz die Grundmaße vom Original Sindbad abgenommen. Danach fertigt Bootsbauer Stefan Gierke nun eine Schale, auf der künftig die neuen Kunststoffrümpfe gebaut werden sollen. Bereits im kommenden Jahr wollen die Lübesser Bootsbauer den Prototyp auf dem Schweriner See vorstellen.

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