Santiano-Konzert : Seemanns-Rock mit Verkehrsinfarkt

Stimmungsmusik: Santiano brachte die Fans in der Kongresshalle zum Tanzen und Mitsingen.
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Stimmungsmusik: Santiano brachte die Fans in der Kongresshalle zum Tanzen und Mitsingen.

Für 5000 Santiano-Fans wurde Anreise zum Geduldsspiel / Konzert entschädigte

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05. März 2014, 07:00 Uhr

Elfengleich, barfuß im weißen Kleid, präsentierte Oonagh zwei Hits ihres Album und stimmte die 5000 Santiano-Fans auf die folgenden Stunden ein. Doch selbst bei den ersten Erfolgs-Singles der fünf Flensburger – unter anderem „Gott muss ein Seemann sein“ – hielt sich das Publikum nahezu zurück. Ob das an der kompletten Bestuhlung lag, dass nur wenige in der fast ausverkauften Halle mitschunkelten, oder daran, dass sich viele vom vorherigen Anfahrts-Chaos verschaukelt fühlten, war unklar. Doch als Frontmann Björn Both den Namensgeber-Song „Santiano“ anstimmte, hielt es auch die Fans nicht mehr auf den Sitzen. Zu Seefahrerromantik, Irish Folk, Deutschrock und Shanty wurde geklatscht, getanzt, gehüpft – und immer textsicher mitgesungen. Seit 2012 sind Pete Sage, Björn Both, Hans-Timm Hinrichsen, Axel Stosberg und Andreas Fehnert in der musikalischen Erfolgsspur. Jetzt wollen sie sogar zum Eurovision Song Contest und damit Europas Bühnen erobern. Das deutsche Publikum haben sie längst auf ihrer Seite. In Schwerin war das zu erleben. Die Norddeutschen bescherten 5000 Fans einen unvergesslichen Abend.

So wie auch die Stadt: Einige hundert Autofahrer empfing nach dem Konzert ein Knöllchen. Das Ordnungsamt hatte seit 19 Uhr fleißig verteilt.


Hilflos oder einfach nur rotzfrech?
Kommentar von Timo Weber

Wird es je ein Konzert in der  Kongresshalle geben, bei dem Fans den größten Veranstaltungsort  sowohl bequem und zufrieden erreichen als auch verlassen können? Angesichts der aktuell kollektiv präsentierten Hilflosigkeit aller Beteiligten bleibt wohl nur ein klares Nein.

Der Hallenbetreiber kann oder will angesichts der Kosten keine zusätzlichen Stellplätze schaffen. Die Shuttle-Busse aus der Innenstadt haben sich nicht bewährt. Ein Leitsystem hat die Stadtspitze ebenso wenig auf die Reihe bekommen. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass sich der Ärger der Besucher bis zu den Konzertveranstaltern herumspricht und noch mehr Künstler einen Bogen um Schwerin machen.

Dass die Stadtverwaltung auch noch öffentlich erklärt, keine Lösung für 5000 Santiano-Fans zu haben, aber den Ordnungsdienst  hinschickt, ist eine Frechheit. Aus dem Debakel vom Andrea-Berg-Konzert haben OB Gramkow & Co. offenkundig keine Schlüsse gezogen. Außer vielleicht, dass mit Knöllchen gut Kasse zu machen ist. Peinlich!

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