Schweriner See : Seehof: Geht Kahlschlag weiter?

Aus der Luft wird das Ausmaß sichtbar: Direkt am Ufer des Schweriner Sees wurden Dutzende Pappeln abeholzt.
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Aus der Luft wird das Ausmaß sichtbar: Direkt am Ufer des Schweriner Sees wurden Dutzende Pappeln abeholzt.

Nach Abholzung am Schweriner See kämpfen Gemeinde und Amt für Anerkennung des Biotops – Umweltministerium stellt sich quer

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11. August 2016, 06:00 Uhr

Es ist eine Lücke, die so schnell nicht wieder zuwächst. „Die Bäume am See fehlen nicht nur mir, auch viele andere Einwohner und Gäste wundern sich über diese kahle Stelle“, sagt Heidi Sauermann. Seit vielen Jahren bewohnen sie und ihr Mann einen Bungalow auf dem Campingplatz in Seehof. Mit Blick auf den See – auch auf das abgeholzte Areal. „Schön ist anders“, schiebt sie hinterher. Viele schöne Schnappschüsse sind ihr in den vergangenen Jahren gelungen. Die meisten hat Heidi Sauermann bereits in Ordnern auf ihrem Computer archiviert. „Jetzt ist hier Kahlschlag. Und zuweilen ist es auch sehr laut“, merkt die Seehoferin an. Die neuen Eigentümer des Waldstreifens zwischen See und Campingplatz hatten mehrere Pappeln fällen lassen (SVZ berichtete).

Auch die Gemeinde Seehof und das Amt Lützow-Lübstorf beschäftigen sich seit Monaten mit dem Problem. „Wir haben zahlreiche Möglichkeiten ausgeschöpft, Anzeigen bei den jeweiligen Behörden und der Forst gemacht“, bilanziert die Leitende Verwaltungsbeamtin Iris Brincker vom Amt Lützow-Lübstorf. Mittlerweile werde es für die Gemeinde auch teuer. Gerichtskosten fallen an.

Gemeindevertreter Wilhelm Karl Scholz steht mit ihr im regelmäßigen Kontakt, wie auch die Bürgermeisterin der Kommune. Viel gebracht hat das allerdings nicht. „Wir sind mit den Antworten, die wir vom Landwirtschaftsministerium wie auch von der Forstbehörde bekommen, nicht zufrieden“, sagt Scholz. Denn alles, was am Seeufer im vergangenen Jahr noch meterhoch in den Seehofer Himmel ragte, liegt nun in Meter-Enden geschnitten am Wegesrand. Scholz will sich aber nicht zufrieden geben. Bei seinen Recherchen hat er im Flächennutzungsplan der Gemeinde entdeckt, dass der abgeholzte Bereich als Biotop ausgewiesen ist. Er wandte sich an das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz. „Das Ministerium verweist auf den Atlas geschützter Biotope in MV, der diesen Bereich nicht als Biotop ausweist“, erklärt Scholz und moniert zugleich, dass dieser Atlas „nur informativ ist“ und somit keine rechtliche Bedeutung habe. Anders, so Scholz, verhalte es sich mit dem Flächennutzungsplan. Dieser sei verbindlich.

Allerdings ist Scholz laut Verwaltungschefin Brincker auf dem Holzweg. „Der Flächennutzungsplan ist nur ein Entwurf, Rechtsgültigkeit hat der Bebauungsplan. Der ist ausschlaggebend. Dennoch werden wir weiter an dem Thema dranbleiben“, versichert sie. Wie es weitergehen kann, ist allerdings noch offen. Wilhelm Karl Scholz will sich nun an den Bürgerbeauftragten wenden. „Wir müssen etwas tun, denn wir haben gehört, dass demnächst weitere Bäume fallen sollen und der Kahlschlag am Schweriner See weitergeht“, erklärt der Gemeindevertreter. Denn er ist sich sicher: „Entgegen der Aussage des Ministeriums ist ein gesetzlich geschütztes Biotop geschädigt worden.“

Zudem ist er der Meinung, dass die Pappeln und Erlen keinesfalls minderwertig sind. Sie seien standortgerecht und seit nunmehr 90 Jahren ortsprägend – jedenfalls noch die, die stehen. Peter Rabe, Leiter des zuständigen Forstamtes in Grevesmühlen, hielt klar dagegen und erklärte jüngst. „Es handelt sich in diesem Bereich um Pappeln, die nicht standorttypisch sind. Es spricht aus forstrechtlicher Sicht nichts gegen eine Abholzung.“ Er kann durchaus verstehen, dass Anwohner und Besucher des Platzes besorgt sind. „Es ist ein sehr sensibler Bereich und die Aufmerksamkeit in diesem Areal deutlich größer, als würde es in einem Waldgebiet passieren“, so der Forstamtsleiter.

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