Studie : See-Natur verträgt mehr Touristen

Den Schweriner See genau im Blick: Gutachter Dr. Ulrich Mierwald
Den Schweriner See genau im Blick: Gutachter Dr. Ulrich Mierwald

Kieler Biologe Dr. Ulrich Mierwald hat Auswirkungen zusätzlicher Boote und Stege auf die Vogelwelt untersucht und gibt Entwarnung

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18. November 2015, 08:00 Uhr

Die weitere Entwicklung der wassertouristischen Infrastruktur am Schweriner See beeinträchtigt die Vogelwelt im EU-Schutzgebiet nicht erheblich. Zu diesem Schluss kommt der Biologe Dr. Ulrich Mierwald. Der Experte vom Kieler Institut für Landschaftsökologie hatte im Auftrag der Stadt umfangreiche Untersuchungen und Modellrechnungen ausgeführt und in einem 200-seitigen Gutachten zusammengefasst.

Das untermauert die Position der Stadt im Rechtsstreit mit dem BUND insbesondere zum geplanten Bau des Schlossbuchtanlegers. „Wir haben aber darüber hinaus auch perspektivische Vorhaben wie die Sanierung des Hafens auf Kaninchenwerder und den Bau von Anlegern in Mueß und am Zoo mit untersuchen lassen“, sagt Ilka Wilczek, die Auftraggeberin der Studie. Auch dagegen gibt es nach Auffassung des Experten keine Bedenken. „Natürlich lassen wir bei der Entwicklung der touristischen Infrastruktur Augenmaß walten, um jene natürlichen Besonderheiten zu bewahren, wegen derer viele Urlauber in unsere Region kommen“, betont die Werkleiterin der Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen Schwerin (SDS).

Das Kieler Institut untersuchte für die FFH-Verträglichkeitsstudie die Auswirkungen von verstärktem Bootsverkehr auf die Vogelwelt im Schutzgebiet durch zusätzliche 322 Liegeplätze. Um möglichst präzise und umfassende Aussagen treffen zu können, habe er keine eigenen Daten erhoben, sondern sich auf vorliegen Untersuchungen, Zahlen und Fakten des EU-Vogelschutzgebietes und des FFH-Gebietes gestützt und mit allgemeingültigen wissenschaftlichen Erkenntnissen gearbeitet, erläutert Dr. Mierwald bei der Vorstellung des Gutachtens. Für die Auswertung habe er eine neue Software entwickelt, die verschiedene Parameter ins Verhältnis setzt. „Das sind verschiedene Bootstypen wie Motor-, Segel-, Paddel- und Ruderboote, auf die die Wasservögel unterschiedlich reagieren, das sind Lebensraumgröße und Siedlungsdichte der Tiere, artspezifische Empfindlichkeiten, verschiedene Lebensphasen wie Brut oder Mauser und vieles mehr“, berichtet der Biologe. „Am Computer haben wir dann Simulationen nach dem so genannten Monte-Carlo-Modell durchlaufen lassen und die Ergebnisse für verschiedene Arten wie Kolben- und Tafelente, Gänsesäger oder Haubentaucher errechnet“, erklärt der Experte. Ergebnis: Für keine Art gäbe es nachhaltige Störungen, die Bagatellschwelle werde nur bei der Tafelente überschritten, aber da sei der Bestand überdurchschnittlich hoch.

Mit dem Gutachten will die Stadt nun vor Gericht gegen den Baustopp für den Schlossbuchtanleger ziehen, kündigt Vize-OB Bernd Nottebaum an. „Im zeitigen Frühjahr werden wir bauen.“

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