zur Navigation springen

Anglerfrust in Seehof : See-Idyll: Damit ist es jetzt vorbei

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mitglieder des Seehofer Angelvereins wollen Wegerecht zu ihren Bootshäusern – und fingen sich vor Gericht zwei Niederlagen ein

svz.de von
erstellt am 17.Feb.2016 | 11:45 Uhr

Viele schöne Geschichten hat Heinz Bürger zu seinem Bootshaus am Ufer des Schweriner Sees zu erzählen. Doch neue kommen wohl nicht mehr hinzu. Dafür erzählt er von einem Wegestreit. Bislang kam er trockenen Fußes zu seinem Bootshaus, das geht nun nicht mehr. Seit dem Bau der Häuschen Ende der 60er-Jahre sind Heinz Bürger und seine Bootsschuppen-Nachbarn immer geradewegs über den kleinen, vom Anglerverein gepachteten Waldweg an ihre Häuschen gekommen. Der Verein ist seit mehr als einem Jahr nicht mehr Pächter des Grundstücks. Es gab einen Besitzerwechsel – und seitdem auch reichlich Ärger. Warum es dazu kam, dazu gibt es zwei Meinungen.

„In den Jahren zuvor hat der Angelverein an den vorherigen Besitzer des Waldstreifens eine jährliche Pacht von 300 Euro gezahlt“, sagt Heinz Bürger. Die Käuferin des Flurstücks hat den Bootshausbesitzern dann einen neuen Pachtvertrag vorgelegt. Jetzt wurden für Zuwegung und Stellplatz 70 Euro pro Monat fällig. Unterm Strich 840 Euro im Jahr – pro Bootshausanlage. „Für uns ist das Wucher“, sagt Heinz Bürger, „aber mit ihr reden ist zwecklos.“ Dabei haben Bürger und Co. doch eine Frage: Haben wir ein Wegerecht  ? Das wollten die Betroffenen vor Gericht klären lassen. Zwei Prozesse, zwei Urteile, zwei Niederlagen.

Die neue Eigentümerin sieht sich klar im Recht – und das auch bestätigt. Trotzdem bedauere sie den jetzigen Kleinkrieg. „Ich habe das so nicht gewollt. Doch wenn man nicht mit mir redet, dann muss das Gericht entscheiden. Das hat entschieden“, erklärt Gudrun Busse*. An ihrer Pachtforderung hält sie auch weiterhin fest. „Wir haben schließlich viel investiert. Die notwendigen Forstarbeiten kosten Geld, es müssen neue Leitungen für Strom und Wasser verlegt werden. All das ist im Preis mit drin“, ergänzt die Niedersächsin.

Der Ärger geht weiter. Auch bei Gudrun Busse. In den vergangenen Wochen wurde der Steg zu ihrem Bootshaus von Unbekannten demontiert. Heinz Bürger hat ein anderes Problem. „Meine Ex-Frau wurde angezeigt, weil sie angeblich die Grundstückseigentümer mit einer Webcam überwacht. Webcam, sie weiß gar nicht, was das ist“, sagt Bürger und ergänzt: „Anschließend wurden die Fensterscheiben an meinem Bootshaus mit schwarzer Farbe beschmiert.“

Der Vorsitzende des Seehofer Angelvereins ärgert sich zudem über die Absperrungen. Ein Schlagbaum kappt den bisher öffentlich zugänglichen Weg zu den Bootshäusern. Palisaden versperren teilweise die Sicht, das restliche Gelände ist mit Absperrband eingezäunt. „Wenn es friert, kommen wir übers Eis zu den Schuppen, ansonsten nur per Boot von einer anderen Stelle des Sees“, sagt Bürger ironisch. Wirklich zum Lachen ist ihm schon lange nicht mehr zumute, denn immerhin haben er und seine Vereinskollegen mittlerweile mehr als 8000 Euro allein an Anwaltskosten gezahlt. Ohne Erfolg.

„Wir fühlen uns im Stich gelassen. Auch von der Gemeinde“, sagt Vereinschef Bürger. Sie hätte sich, ist er sich sicher, ein Wegerecht eintragen lassen müssen. „Doch das wurde vergessen – schon vor Jahrzehnten“, meint der Lübstorfer. Seehofs Bürgermeisterin Christiane Schwonbeck wollte sich zu diesem Thema auf SVZ-Nachfrage nicht äußern.

Nächstes Streitthema: die Abholzungen auf dem Busse-Grundstück. Alles, was dort im vergangenen Jahr noch meterhoch in den Seehofer Himmel ragte, liegt nun in Meter-Enden geschnitten am Wegesrand. Der Landkreis Nordwestmecklenburg und auch die zuständige Forstbehörde kennen die Nachfragen der Anwohner. Anzeigen gab es auch schon. War die Abholzung erlaubt  ? „Die Baumfällungen sind nach Landeswaldgesetz zulässig.“ Das sagt Peter Rabe, Leiter des Forstamtes Grevesmühlen. Es bestehe, so Rabe, die Verpflichtung zur Wiederaufforstung mit standortgerechten Baumarten. Im konkreten Fall sind das Roterlen, die noch in diesem Jahr gepflanzt werden sollen. Der Forstamtsleiter sicherte zu, dass sein Amt die Einhaltung des Waldgesetzes auf diesem Grundstück weiter begleiten werde.

*Name von der Redaktion geändert.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen