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22. September 2017 | 13:53 Uhr

Schwerin : Schwimmunterricht fällt ins Wasser

vom

In der Lankower Schwimmhalle gab es einen Anmeldestopp für Seepferdchen-Kurse. Auch alle anderen Schwimmkurse müssen mit Einschränkungen rechnen. Grund: der Abriss der Halle auf dem Großen Dreesch.

svz.de von
erstellt am 20.Jun.2013 | 07:04 Uhr

Schwerin | Sommerzeit ist Badezeit - doch für die allerkleinsten Schweriner könnte der Wasserspaß in diesem Jahr getrübt werden. Denn viele von ihnen können nicht schwimmen. In der Lankower Schwimmhalle gab es einen Anmeldestopp für Seepferdchen-Kurse, selbst die Ferien-Schwimmlager der Wasserwacht im Freibad Kalkwerder sind ausgebucht. Auch die Schweriner Schwimmschule mit Ulf .Joraschkewitz hat seit der Schließung des Funtastic-Clubs kein festes Becken mehr. Viele Eltern sind sauer und sehen einen stressigen Strandurlaub auf sich zukommen, in dem sie ständig ihre kleinen Nichtschwimmer im Auge behalten müssen.

Die Antwort der Stadtverwaltung auf eine SVZ-Anfrage ist lapidar: "Der Schwimmunterricht wird im Rahmen der möglichen Kapazitäten weiterhin durchgeführt. Bei der voll ausgelasteten Halle bestehen für alle Nutzergruppen Einschränkungen. Die Anzahl der Schwimmkurse wurde dadurch um 35 Prozent reduziert." Bedeutet: Jeder dritte neue Schwimmschüler bekommt keinen Platz mehr. "Um die derzeitige Warteliste abzuarbeiten, wurden seit einem Jahr keine Neuanmeldungen angenommen", heißt es weiter. "Ab September sind wieder Anmeldungen möglich." Doch wer glaubt, aufatmen zu können, freut sich zu früh: "Die Wartezeit bis zum Schwimmkurs beträgt dann zirka sechs bis zwölf Monate."

Beschwerden habe es dazu "kaum" gegeben. Eltern müssen nun eben versuchen, auf allen möglichen Wegen einen Schwimmkurs zu bekommen. "Wenn wir unsere Kurse im Netz anbieten, sind sie jetzt sofort ausgebucht", sagt Daniel Heitmann von der DRK-Wasserwacht Schwerin. Vor der Schließung der Dreescher Halle habe sein Verein etwa zehn Kurse im Jahr angeboten, jetzt sei es noch die Hälfte. Anderen Vereinen ginge es ganz ähnlich. "Die Lankower Halle ist total überlastet", sagt Heitmann. Bis zur Eröffnung der neuen Dreescher Halle werden wohl noch anderthalb Jahre ins Land gehen. Doch weil dann die Lankower Halle abgerissen werden soll, könnte die Schwimmer-Situation in der Stadt der sieben Seen angespannt bleiben. "Eines der beiden Becken in der neuen Halle beispielsweise ist mindestens 1,80 Meter tief, dort kann man keine Seepferdchen-Kurse anbieten", sagt Heitmann.

Und auch in den Ausweich-Lösungen in Schwerin scheint der Wurm drin zu sein. Vor einigen Wochen schloss wegen Sanierung und Umbauarbeiten der Funtastic-Club, wo die "Schweriner Schwimmschule" angesiedelt sind. Gut 100 Elternhäuser haben bei Ulf Joraschkewitz ihre Kinder angemeldet. "Die Schließung kam früher und vor allem plötzlicher, als wir erwartet hatten", sagt Joraschkewitz. Seitdem sucht er händeringend Schwimmbecken, um seine Kurse fortzuführen. Im Belasso in Krebsförden und im Hotel Schloss Basthorst ist er jetzt für einige Stunden die Woche fündig geworden, über eine Nutzung des Beckens im Mecklenburgischen Förderzentrums verhandelt er mit der Stadt. Auch die voll funktionsfähige, aber nicht bewirtschaftete Schwimmhalle in der ehemaligen Blücherkaserne hat er sich angeschaut. Doch die Betriebskosten von geschätzten 20 000 bis 30 000 Euro monatlich könne seine Schwimmschule nicht aufbringen. Stattdessen plant er einen kleinen Neubau in Lankow.

Wer noch auf keiner Warteliste steht, seinem Kind im Sommer dennoch das Schwimmen beibringen möchte, der muss womöglich die Stadt der sieben Seen verlassen. Im Umland gibt es noch freie Kurse.

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