Kein Käufer : Schwieriger Fall Schlossbrauerei

Schwieriger Verkauf: Die Immobilie ist als Brauerei erbaut worden und nur für sehr spezielle Nutzung ausgelegt. Das macht es kompliziert, einen geeigneten Käufer zu finden.
Schwieriger Verkauf: Die Immobilie ist als Brauerei erbaut worden und nur für sehr spezielle Nutzung ausgelegt. Das macht es kompliziert, einen geeigneten Käufer zu finden.

Der Bierhahn der Schweriner Schlossbrauerei wurde 2011 zugedreht und die Gebäude ausgeräumt. Jetzt gibt es neue Hoffnung.

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03. März 2014, 11:45 Uhr

In der Schweriner Schlossbrauerei ist der Bierhahn seit 2011 abgedreht (SVZ berichtete). Seitdem schlummerte der Standort seinen Dornröschenschlaf, aber jetzt gibt es neue Hoffnung. Die ausgeräumte Niederlassung der Oettinger Brauerei steht nach Informationen unserer Zeitung kurz vor einem Besitzerwechsel.

Dabei hatte die Brauerei noch im Jahr 2011 für Schlagzeilen gesorgt. „Kein Bier mehr aus Schwerin: 50 Arbeitsplätze in Gefahr“ hieß es am 21. Februar 2011 und „Bierhahn zu – Millionen weg“ am 3. September 2011 in der SVZ. Obwohl der Konzern noch zwei Jahre zuvor für 16 Millionen Euro eine neue Abfüllanlage gekauft und diese mit großem Politik-Bahnhof eingeweiht hatte, wurde die kleinste Brauerei der Oettinger-Gruppe geschlossen. Grund war angeblich der immer stärker werdende Preisdruck.

Inzwischen ist Schwerin kein bekannter Brauort mehr. Der Standort scheint schon immer schwierig gewesen zu sein, denn auch die Schlossbrauerei blickt auf eine wechselhafte Geschichte zurück. Dabei war sie zunächst das älteste industriemäßig betriebene Unternehmen in Schwerin gewesen. Als Holzhandlung war die Firma „Schall & Schwencke “ 1821 ins Leben gerufen worden, 1855 kam die Brauerei hinzu. Nachdem sie in den 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts als „Mecklenburgische Aktien-Bier-Brauerei“ weitergeführt wurde, kam sie wieder an die ursprüngliche Firma „Schall & Schwencke“ zurück und befand sich von 1900 bis 1936 im Besitz von Friedrich Neubeck und einigen Kleinaktionären. Die Brauerei konnte sich in Schwerin gegen drei weitere Brauereien durchsetzen: Paulshöhe, Städtisches Brauhaus und Feldmann. Wie überall in Mecklenburg wurden bei „Schall & Schwencke“ zuerst dunkle Biere nach Bayrischer Brauart hergestellt. Bier nach Pilsner Brauart wurde erst nach dem Ersten Weltkrieg gebraut. In den 30er-Jahren wurden etwa 35 000 Hektoliter pro Jahr hergestellt. Aus Schriften der 30er-Jahre ist ersichtlich, dass etwa 100 Arbeiter bei der Brauerei beschäftigt waren. Für Belieferung sorgten 20 Lastkraftwagen. Außerdem bestimmten 15 Pferdegespanne das Bild in der Stadt. In den Lagerkellern waren neben gebräuchlichen Holzfässern bereits Aluminium-Gärbottiche und glasemaillierte Lagertanks in Betrieb.

In der DDR musste „Schall & Schwenke“ 1957 eine staatliche Beteiligung aufnehmen. Dr. Neubeck war weiter als Justiziar tätig. So legte er dem Werkleiter Rechenschaft über seine Tätigkeit ab, wiederum legte der Werkleiter ihm Rechenschaft über die Verwaltung seiner Anteile ab und dann gingen beide gemeinsam zum Wirtschaftsrat, um dem Staat Rechenschaft abzulegen. 1970 endete diese kuriose Rechenschaftszeit und der Staat übernahm den Betrieb. Von 1972 bis zur Wende war die Brauerei Stammbetrieb des VEB Getränkekombinat Schwerin. Zum Getränkekombinat mit etwa 2000 Beschäftigten gehörten sechs Brauereien, Uhle-Sekt sowie die Spirituosenfabriken in Ludwigslust und Güstrow. Nach der Wende wurde ein neuer Standort gesucht. Die Schlossbrauerei mit noch 36 Mitarbeitern wurde 1997 von der Oettinger-Gruppe übernommen.

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