Streit ums Goethe-Gymnasium in Schwerin : Schwierige Nachbarschaft

Der neue Haupteingang des Goethe-Gymnasiums liegt in der Johannes-R.-Becher-Straße, deshalb herrscht hier jetzt mehr Bewegung als früher. Gleich nebenan ist ein weiterer Schul-Neubau geplant.
Der neue Haupteingang des Goethe-Gymnasiums liegt in der Johannes-R.-Becher-Straße, deshalb herrscht hier jetzt mehr Bewegung als früher. Gleich nebenan ist ein weiterer Schul-Neubau geplant.

Rauchende Schüler, falsch parkende Autos und Lärm nerven Anwohner gegenüber des Goethe-Gymnasiums

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04. Dezember 2017, 20:45 Uhr

Wild parkende Autos, rauchende Schüler auf dem Hinterhof eines kleinen Wohnquartiers, nächtlicher Lärm, wenn Proben oder Elternabende zu Ende gehen – für einige Nachbarn des Goethe-Gymnasiums entwickelt sich der moderne Anbau zum Albtraum. Weil der Haupteingang verlegt wurde, spielt sich jetzt mehr Auto- und Fußgängerverkehr an der Johannes-R.-Becher-Straße ab. Und die Lage scheint zu eskalieren. Während einige Anwohner den Dauer-Krach und angeblich pöbelnde Schüler kaum mehr aushalten und von der Schulleitung ein härteres Durchgreifen fordern, hat auch Schulleiter Reinhard Maas seine Kritikpunkte: Dass beispielsweise Nachbarn Schüler fotografieren und die Bilder weitergeben, sei ein Unding und ungesetzlich. Das Problem mit rauchenden Schülern hätten zudem viele weiterführende Schulen in Schwerin, seitdem es keine Raucherecken auf dem eigenen Gelände mehr geben darf. Mit Kollegen und der Polizei sei man seit langem im Gespräch. „Wir haben als Schulleiter draußen aber keine Handhabe“, sagt Maas.

Für Andrea Kohlmann ist das ein schwacher Trost: „Viele ältere Leute gehen vormittags nur noch aus dem Haus, wenn gerade keine Schulpause ist“, sagt die Schwerinerin, die seit vielen Jahren in der Johannes-R.-Becher-Straße lebt und stellvertretendes Mitglied des Ortsbeirates Weststadt ist. Rauchende Schüler und Parkchaos sei man dort schon gewohnt, aber so schlimm wie jetzt, sei es noch nie gewesen. Sie werde inzwischen von Schülern angepöbelt und beleidigt, einer habe sie sogar mal bis zur Haustür verfolgt, in der Nacht Eier an ihre Fensterscheibe geworfen. „Das ist der Horror hier“, sagt Andrea Kohlmann. Sie würde gerne wegziehen, braucht wegen einer Erkrankung aber eine Wohnung im Erdgeschoss – und die seien schwer zu finden.

Aber auch mit Eltern sei sie schon aneinander geraten, die auf Grünflächen, reservierten Stellplätzen oder dem Gehweg parken. „Weiter entfernt sind noch Parkplätze frei, aber am liebsten scheinen die Erwachsenen ihre Autos in der Becherstraße abzustellen“, sagt sie. Nahe am Haupteingang eben. Kohlmanns größte Sorge indes: Wenn demnächst ein weiterer Schulneubau gleich neben dem Goethe-Gymnasium entsteht – geplant sind ein Grundschulneubau, Regionalschule und Hort – sei größerer Ärger programmiert, wenn sich keine friedliche gemeinsame Lösung mit Schule, Elternvertretung und der Stadt finden lässt.

„Architekten aus anderen Gegenden Deutschlands haben sich bei den Planungen des Anbaus auch gewundert, dass der Abstand zu den Wohnhäusern so gering ist“, sagt Maas. „Aber das ist hier halt so gewachsen.“ Beim Tag der offenen Tür, beim Elternsprechtag und auf der Homepage würden die Eltern jetzt ausdrücklich gebeten, sich an die Parkregeln zu halten, sagt Maas. Und bei den Rauchern könne man derzeit nur auf den Erfolg von Aufklärung und Prävention setzen.

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