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Zeitung für die Landeshauptstadt

13. Dezember 2017 | 00:38 Uhr

Flüchtlinge in Schwerin : Schwierige Nachbarn

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schweriner beklagen sich über zunehmende Probleme im Zusammenleben mit Flüchtlingen. Stadt will mit speziellen Angebot helfen

von
erstellt am 20.Jun.2017 | 05:00 Uhr

„Warum erklärt den jungen Flüchtlingen, die Wohnungen in Neu Zippendorf und im Mueßer Holz bekommen, niemand vorher, wie Zusammenleben und Nachbarschaft hier funktionieren?“ Das sagt Alexander S. (Name von der Redaktion geändert), der selbst zweimal Flüchtling – Vor den Nazis und später vor den Armeniern – war und heute als Senior in Schwerin viele arabisch-stämmige Nachbarn bekommen hat.

In den Plattenbauten ist der Hausflur verdreckt, Sperrmüll liegt auf den Freiflächen, Duschen werden falsch benutzt, so dass Wasserschäden im Haus entstehen. Am Müllcontainerplatz vor der Tür von Alexander S. ist offensichtlich selbst sein Vermieter WGS gescheitert. Nach zu vielen Verunreinigungen sind die Container nicht mehr geleert worden. Verschlossen und voll. Alexander S. muss hunderte Meter weit laufen, um seinen sauber getrennten Verpackungsmüll ordentlich zu entsorgen. „Ich finde das unhaltbar“, sagt er.

Das sieht man bei der städtischen Wohnungsgesellschaft genauso. Doch sie hat auch keine Lösung. „Wir haben alles versucht. Die Hausordnung gibt es auf Arabisch, wir haben eigens einen Muttersprachler eingestellt. Wir haben richtiges Heizen und Lüften erklärt, ebenso die Mülltrennung. Doch nichts wird beachtet“, erklärt WGS-Abteilungsleiter Peter Majewsky. Deshalb sind einige der gelben Container in der Gagarinstraße und in der Hamburger Allee abgeschlossen. Alles kommt in den Hausmüll. Das Duale System Deutschland scheitert an den syrisch-stämmigen Neu-Schwerinern. Oder umgekehrt.

Peter Majewsky hat die Hoffnung aber nicht aufgegeben. „Wir müssen den Flüchtlingen Zeit geben“, sagt er. Doch auch Schwerins größter Vermieter, der seit dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise der Stadt ein verlässlicher Partner ist, wünscht sich selbst dann noch eine Betreuung, wenn die Anerkennung als Flüchtling durch sei.

Insgesamt 243 Wohnungen sind aktuell in Schwerin an 433 Flüchtlinge vermietet. Das geht aus einer aktuellen Statistik der städtischen Sozialbehörde hervor. Der Gesetzgeber hat zahlreiche Hilfsprogramme und -projekte vorgesehen, die vom ersten Tag an greifen, an dem der Flüchtling hier ankommt. Erhält er seine oftmals auf drei Jahre befristete Anerkennung als Flüchtling ist damit Schluss. Im Klartext: Es kümmert sich niemand mehr um sie. Das neue Programm der Job-Lotsen des Landes soll bei der Arbeitssuche helfen. Doch der Alltag?

Hier will die Stadt einspringen. Sozialdezernent Andreas Ruhl hat jüngst von der Politik grünes Licht bekommen, eine geeignete Firma zu finden, die sich um die Schwerin zugewiesenen Flüchtlinge kümmert, deren Überprüfungsverfahren abgeschlossen ist. Die Ausschreibung soll europaweit erfolgen. Die Aufgabenpalette der zu findenden Betreuer reicht von Beratung und Hilfestellung in Alltagsfragen über Begleitung zu den Behörden und Vermittlung von Beratungsangeboten bis eben hin zu Beratung bei der Führung des Haushalts – von der richtigen Mülltrennung bis hin zum Umgang mit sanitären Einrichtungen. Rund 200 000 Euro will sich das die Stadt pro Jahr kosten lassen. Geht es nach Sozialdezernent Ruhl, greifen die Hilfen ab Herbst dieses Jahres.

Bis dahin wird auch Alexander S. mit dem fehlenden Reinigungswillen der neuen Nachbarn im Treppenhaus leben müssen, mit niedergetrampelten und vermüllten Rasenflächen vor dem Wohnhaus und dem Nichtstun der zumeist jungen Männer aus den Kriegsgebieten. „Warum verpflichtet die Stadt sie nicht als Ein-Euro-Jobber?“, fragt der Senior, der sich noch ehrenamtlich im Stadtteil engagiert. Sein Fazit: „Viele sind aus meiner Sicht gar keine Flüchtlinge. Für mich sind die meisten Dealer oder Dschihadisten. Sie wollen nicht arbeiten und sich integrieren.“

Jede fünfte Straftat in Schwerin wird von einem Ausländer begangen, so Michael Erhart, Leiter des Polizeihauptreviers. Allerdings führen diese Statistik Täter aus Osteuropa an – Rumänen, Polen, Litauer, keine Syrer oder Iraker.

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