zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

13. Dezember 2017 | 08:31 Uhr

Aggressiver Humanismus : Schwesig mit Heiligenschein

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Weiße Kreuze und Aufnahme von 55 000 syrischen Kindern: Aktionskünstler provozieren mit ungewöhnlichen Inszenierungen

von
erstellt am 08.Jul.2015 | 17:41 Uhr

So still und geheimnisvoll wie die weißen Kreuze vor zwei Wochen in Schwerin vor dem Innenministerium, dem Rathaus und anderen Stellen aufgestellt wurden, so still verschwanden sie auch wieder. Das wohl letzte Kreuz wurde gestern vor dem Willkommensschild zwischen Ludwigsluster und Crivitzer Chaussee entfernt. „Die Toten kommen“ heißt die umstrittene bundesweite Aktion, die das Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer stärker ins deutsche Bewusstsein rücken soll.

Die Kreuze sind nicht die erste Kampagne der Aktionskünstler des Zentrums für politische Schönheit um den Theaterregisseur Philipp Ruch: Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) plant, so kann man es auf der Webseite „kindertransporthilfe-des-bundes.de“ nachlesen, 55    000 syrische Kinder aus den Kriegsgebieten nach Deutschland zu holen. Vorbild ist eine Aktion der britischen Regierung in den Jahren 1938/39, bei der 10    000 jüdische Kinder aus dem faschistischen Deutschland gerettet und von englischen Familien aufgenommen wurden.

Die Politikerin aus Schwerin wird dafür von begeisterten Menschen vor ihrem Ministerium in Berlin gefeiert unter anderem mit einer Ikone, die sie als Madonna mit Heiligenschein darstellt. Bilder im Internet zeigen Kinder in Syrien, die Fotos mit der Ministerin und Spruchbänder mit „Danke Manuela Schwesig“ hoch halten.

Auf der Internetseite, die wie die vom Bundesfamilienministerium aussieht, können deutsche Familien Anträge herunterladen, mit denen sie sich um die Aufnahme der syrischen Kinder bewerben können. Außerdem werden Fragen zur finanziellen Unterstützung oder zu den Voraussetzungen beantwortet, die Pflegeeltern mitbringen müssen.

Eine perfekte Inszenierung. Seite und Jubel sind allerdings gefaket und Teil einer vor einem Jahr gestarteten Kampagne des Zentrums für politische Schönheit. Einige werden vielleicht denken, leider keine Realität in Deutschland. „Innerhalb einer Woche haben sich 800 Familien beworben, um ein syrisches Kind in Obhut zu nehmen – trotz Benennung als Kunstaktion, teilen die Aktivisten auf ihrer Internetseite mit.

Darf Kunst das? Die Meinungen sind je nach Blickwinkel unterschiedlich. Die Seite „kindertransporthilfe-des-bundes.de“ ist jedenfalls bis heute online.

„Aggressiven Humanismus“, nennt Ruch seine Haltung. Provozieren, aufrütteln. Von Manuela Schwesig gibt es keine Stellungnahme zur Aktion. Wie auch? In der Situation kann man als Politiker nur Falsches sagen.

Thomas Volgmann

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen