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Zeitung für die Landeshauptstadt

12. Dezember 2017 | 05:46 Uhr

Baumsterben : Schwerins Wunschbaum todkrank

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Pilz bedroht 180 Jahre alte Hängebuche vor dem Schloss: Baumdoktor Thomas Franiel will das Leben des Sorgenkindes verlängern

von
erstellt am 04.Jun.2014 | 08:00 Uhr

Baum-Doktor Thomas Franiel macht sich Sorgen. Schwerins prominentester Baum ist todkrank. Ein Pilz bedroht die etwa 180 Jahre alte Hängebuche vor dem Schweriner Schloss. „Die Chancen stehen nicht gut“, sagt Thomas Franiel. Seine Diagnose: Dem Patienten bleiben höchstens noch ein paar Jahre.

„Wir müssen jetzt vor allem für die Sicherheit der Spaziergänger sorgen“, sagt Schloss-Gärtner Ralph Schmalz. Für die Schweriner gehört die Hängebuche zum Bild ihres Schlosses. Stadtführer machen regelmäßig Station unter dem dichten Blätterdach. Der Legende nach verleiht er Paaren, die unter ihm einhergehen, unendliche Liebe. Viele haben sich schon in seiner Rinde verewigt. „Das macht ihm gar nichts aus“, erklärt der Experte. Das sei nicht mehr als ein Kratzer. Die Gefahr schlummere im Baumfuß und arbeite sich langsam den Stamm hinauf.

Seit mehr als zehn Jahren kämpft der Baum gegen den Pilzbefall. Der Eindringling hatte sich über die Zeit langsam an den Wurzeln entlang bis in den Stamm vorgearbeitet, der fast fünf Meter im Umfang misst. Jetzt bedroht er die Standfestigkeit des 20 Meter hohen Riesen. An einigen Stellen sei die Außenwand nur noch etwa sechs Zentimeter dick, diagnostiziert Thomas Franiel. Mit Stethoskop, Bandmaß, Bohrer und Schall-Messgerät untersucht er das Sorgenkind seit einigen Jahren. Die Abstände der Hausbesuche sind inzwischen auf sechs Monate geschrumpft. Künftig will Thomas Franiel alle vier Monate nach dem Patienten sehen. Eine lebensrettende Therapie gibt es nicht.

„Die Frage ist, wie lange es die Buche schafft, schneller als der Pilz zu wachsen“, sagt er. Der Baum sei aber ohnehin in einem hohen Alter. Die Hängebuche habe eine Lebenserwartung von etwa 200 Jahren, „weil sie mit einer Rotbuche veredelt wurde“.

Jetzt gehe es darum, dem Patienten sein restliches Leben zu erleichtern – im wahrsten Sinne des Wortes. Wie Prothesen stützen Seile in der Baumkrone die zwei Stämme und die kräftigen Äste. Weitere Untersuchungen werden zeigen, ob schwere Äste entfernt werden können, um den Stamm zu entlasten und damit die Standfestigkeit zu erhöhen. „Aber wenn wir zu viel abnehmen oder die falschen Stellen beschneiden, droht dem Baum ein Sonnenbrand. Das ist auch nicht besser“, erklärt der Baum-Doktor.

In Abstimmung mit Denkmalschutzbehörde, Schlossgärtner Ralph Schmalz und Landtagsverantwortlichen wird Thomas Franiel lebensverlängernde Maßnahmen für die Hängebuche finden. „Unter Umständen muss der Weg verlegt werden. Wir wollen den Baum so lange halten, wie es eben geht“, sagt er.

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