Schweriner Geschichte : Schwerins verborgene Bunker

Eine bewegte Geschichte: Der Bunker auf Paulshöhe war erst Eiskeller, dann Luftschutzbunker.
Eine bewegte Geschichte: Der Bunker auf Paulshöhe war erst Eiskeller, dann Luftschutzbunker.

Geheimnisumwobene Bauwerke im Untergrund regen die Fantasie an – SVZ liefert Fakten

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07. Dezember 2016, 05:00 Uhr

Nachdem die Tür eines verborgenen Bunkers nahe der Kreuzung Crivitzer Chaussee, Plater Straße aufgebrochen und nach dem SVZ-Bericht wieder verschlossen worden war, erreichten unsere Redaktion Hinweise und Anfragen zum Thema Bunker in Schwerin. Denn davon hat die Stadt eine ganze Menge zu bieten.

Die Identität des unterirdischen Beton-Klotzes im Mueßer Holz war schnell geklärt. Es handelte sich offensichtlich um eine Trinkwasser-Druckstation und Elektro-Schaltstation für die Bezirksparteischule, die sich etwa 70 Meter weiter auf dem Apachenhügel befand.

Viel spannender indes ist die Geschichte des Bunkers auf Paulshöhe, dessen vergitterte Zugänge und Luftschächte die Fantasie anregen. Und in der Tat: Das Gewölbe ist riesig und gut begehbar. Der Bunker hat eine Größe von rund 75 mal 50 Metern und ist zweigeschossig. Er wurde 1872 als Eiskeller der Brauerei AG Paulshöhe erbaut, die bis 1920 existierte. Das Gewölbe war im 2. Weltkrieg Luftschutzbunker. Nach Erinnerungen von Lesern soll der Bunker noch bis in die 70er-Jahre vom Obstgroßhandel OGS und als Lager für Pyrotechnik genutzt worden sein. Danach wurden die Zugänge verschlossen.

Präziser ist die Aktenlage dank deutscher Gründlichkeit bei anderen Bunkern: Laut Kontrollgesetz Nummer 23 der sowjetischen Militäradministration vom 19. Juni 1946 wurden auch in Schwerin alle Akten zu Bunkern, Pumpenhäusern und ähnlichem beschlagnahmt und am 15. August von einem Hauptmann Musim abgeholt. Um welche Papiere es sich dabei genau handelte, wurde präzise aufgelistet. Ebenso detailliert sind die Berichte des damaligen Stadtbaurates an den Oberbürgermeister über die Ausführung des Befehls der Militärkommandantur zum Abriss der Luftschutzanlagen. Zwischen April und Oktober 1946 wird der Fortgang der Arbeiten fast wöchentlich rapportiert. So heißt es im „Arbeitsbericht für die Zeit vom 9. bis 18. Mai 1946: An den Bunkern an der Schliemannstraße und am Bismarckplatz sind die Arbeiten soweit fortgeschritten, dass mit ihrer Beendigung im Laufe der nächsten Periode gerechnet werden kann. Es sind dort, ähnlich wie am Platz der Freiheit, aus den Bruchstücken des Betonmauerwerks Trockenmauern aufgeführt worden. An den Bunkern Feldstraße und Knaudtstraße wird weiterhin das Mauerwerk abgebrochen. Neu in Angriff genommen wird der Abbruch des LS-Bunkers am Krankenhaus (Werderstraße). Der Bunker Ziegelsee Nord (Möwenburgstraße) kann nur nach weiteren Sprengungen beseitigt werden. Erforderlich ist es auch, dass die Bunker in der Sebastian-Bach-Straße und der Eupener Straße gesprengt werden.“

In der Zeit des Kalten Krieges ließ die DDR Zivilschutzbunker bauen, so in der Sibeliusstraße und am Karl-Liebknecht-Platz. 2011 wurde er abgerissen.

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