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Deponien verschmutzen Grundwasser : Schwerins Trinkwasser in Gefahr

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Aus der alten Hausmülldeponie Finkenkamp in Schwerin-Neumühle sickern Schadstoffe ins Grundwasser und fließen in Richtung Wasserwerk Mühlenscharrn. Ein gefährlicher Cocktail könnte in die Brunnen gelangen.

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erstellt am 17.Okt.2012 | 06:20 Uhr

Schwerin | Es liest sich dramatisch, was die Oberbürgermeisterin der SPD-Bündnis 90/Grüne-Fraktion schreibt. Diese hatte eine Reihe von Fragen zur Trinkwassersicherheit in Schwerin gestellt. Die Antwort der Verwaltungschefin: Es sei "mit einer Erhöhung der Gefährdung des für die Trinkwassergewinnung genutzten Grundwasserleiters durch kontaminierte Deponiewässer zu rechnen". Es geht um die ehemalige Hausmülldeponie Finkenkamp hinter der Tierklinik. Die liegt nur 500 Meter von den Trinkwasserbrunnen des Wasserwerkes Neumühle entfernt. Aus der Altlast sickert ein gefährlicher Cocktail aus Sulfaten, Nitraten, Bor, Schwermetallen und anderem ins Grundwasser und könnte dann in die Brunnen gelangen. Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt hat den Deponiestandort deshalb als gefährlich für den Einzelnen und für die Allgemeinheit eingestuft und von der Stadt weitere Untersuchungen gefordert. Die Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsgesellschaft (WAG) hat deshalb bereits 2011 ein Institut beauftragt, eine Risikoabschätzung zu erarbeiten. Die Ergebnisse sollen im November vorliegen. WAG-Geschäftsführer Axel Krause betonte aber, dass es gegenwärtig keine Gefahren für die Schweriner gibt. "Die Wasserversorgung ist sicher." Das Unternehmen blicke ständig kritisch auf das Umfeld der Trinkwasseranlagen. Das betreffe Sickergruben in Kleingärten ebenso wie Industriebetriebe.

Für die Sanierung der Deponie Finkenkamp ist die Landeshauptstadt zuständig. Es bestehe "dringender Handlungsbedarf" heißt es im Schreiben der Oberbürgermeisterin. Die Stadt müsse als Eigentümer und "sogenannter Zustandsstörer ihrer Funktion nachkommen". Wie, ist allerdings noch offen. "Es gibt noch kein Konzept für die Müllhalde", sagte Stephan Schlick von der Immobilienverwaltung. "Wahrscheinlich müssen wir die Deponie abdecken." Unklar ist bisher auch, wie viel das Ganze kostet. Sicher ist: Die WAG hat sich bereit erklärt, alle erforderlichen Planungen und baulichen Umsetzungen fachlich zu begleiten und zu koordinieren.Bezahlt werden muss die Aktion jedoch aus dem städtischen Haushalt. Auf jeden Fall - "zur langfristigen Sicherung der Trinkwasserversorgung der Stadt Schwerin hat die Sanierung der Deponie Finkenkamp oberste Priorität".

Probleme gibt es allerdings immer noch im Umfeld der Wasserwerkes in Pinnow. Hier kommen die Schadstoffe aus dem ehemaligen Russenstandort in Stern Buchholz. "Die Sanierung des landeseigenen Standortes ist noch nicht abgeschlossen, da ein weiterer Sanierungsbedarf ermittelt wurde." Eine akute Gefahr besteht aber nicht. "Die Schadstoffe erreichen die Pinnower Brunnen wohl erst in 80 bis 100 Jahren", sagte WAG-Geschäftsführer Krause. Diese Situation und auch die der Deponie Finkenkamp seien nicht mit der Gefährdung der Brunnen des Wasserwerkes Gosewinkel zu vergleichen. Das musste im Jahr 1999 geschlossen werden, weil eine Giftwolke im Grundwasser aus Chemikalien eines Reinigungsbetriebes in Lankow auf die Brunnen zutrieb. Sanierungsversuche waren damals nicht erfolgreich. "Wir haben aus den Erfahrungen mit Gosewinkel gelernt", so Axel Krause. "Deshalb werden wir jetzt rechtzeitig aktiv." Die Schweriner Wasserwerke seien nicht akut gefährdet, neue Brunnen seien nicht erforderlich. "Wir können die Schweriner auch weiterhin, wie gewohnt, stabil und mit hochwertigem Trinkwasser versorgen." Die Abnahmemenge sei dabei seit Jahren relativ konstant. Für die Zukunft rechnen aber sowohl die WAG, als auch die Liegenschaftsverwaltung mit steigenden Mengen. "Im Nestlé-Werk wird zwar nicht überdurchschnittlich viel Wasser abgenommen, aber wir rechnen mit weiteren Ansiedlungen in den Göhrener Tannen, denn Nestlé hat quasi eine Leuchtturmwirkung", sagt Axel Krause. Außerdem, so Stephan Schlick, entstünden immer mehr Neubausiedlungen in der Stadt, die alle versorgt werden müssen.

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