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Zeitung für die Landeshauptstadt

21. November 2017 | 07:26 Uhr

Eisenbahngeschichte : Schwerins Tor zur Schienenwelt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mit der Bedeutung der Stadt der sieben Seen vergrößerte sich auch der Hauptbahnhof und erzählt so ein Stück Eisenbahngeschichte

svz.de von
erstellt am 18.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Während Schwerin im Jahr 1850 noch über nur ein Eisenbahngleis mit der restlichen Schienenwelt verbunden war, gehört der Hauptbahnhof heute zu einem der meist frequentierten Plätze der Landeshauptstadt. 130 Personenverkehrszüge halten und rund 30 Güterzüge passieren die Anlage werktags, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn erklärt. „Im Jahr 2013 gab es mehr als 6000 Ein- und Aussteiger pro Tag.“ Beschweren sich heute fast täglich Schweriner über die Lautstärke durchfahrender Züge, hätten sie Mitte des 19. Jahrhunderts die Beschaulichkeit gelobt.

Als Hagenow 1847 über die Schiene mit der restlichen Welt verbunden wurde, entstand zwei Jahre später das erste Bahnhofsgebäude am heutigen Grunthalplatz. „Der Bahnhof lag damals noch recht isoliert im Bereich der erst gerade begonnenen westlichen Stadterweiterung, der Paulsstadt“, erzählt Jörg Moll vom Schweriner Stadtarchiv.

Nach und nach wuchs Schwerin um seinen neuen Hauptbahnhof herum und das Bahnhofsgebäude musste sich in den 1880er-Jahren an den steigenden Bedarf anpassen. Sieben Jahre später gab der Aufsichtsrat der Großherzoglichen Friedrich-Franz-Eisenbahn die Zustimmung für einen Neubau. Gegenüber des ersten Gebäudes etwas versetzt in Richtung Pfaffenteich wurde nach Entwürfen des Baurates Carl Jacobi und ausgeführt vom Regierungsbaumeister Ernst Möller bis 1890 ein Gebäude errichtet. „In den Formen des Historismus, also unter Verwendung von Neorenaissance- und Neobarockelementen, entstand ein symmetrischer Baukörper mit einer Länge von 77 Metern“, berichtet der Archivar. In der Mitte empfing eine Bahnhofshalle die Reisenden. Südlich davon schlossen sich Diensträume an – ebenso wie die Wartesäle der 3. und 4. Klasse . Strikt getrennt davon warteten die Reisenden der 1. und 2. Klasse im nördlichen Gebäudetrakt. „Über eine südlich vorgelagerte Terrasse erreichte man die Repräsentationsräume des Großherzogs, die heute zu den wenigen erhaltenen historischen Innenräumen im Bahnhofsgebäude gehören“, so Jörg Moll.

Nachdem die ersten Züge nach Crivitz, Gadebusch und Ludwigslust rollten, konnte aber auch der Umbau des Hauptgebäudes ein Problem nicht lösen. „Man hatte nur ein Hauptgleis und auch noch die Abfertigung des Güterverkehrs abzuwickeln“, sagt Jörg Moll weiter.

Als sich das änderte, musste sich auch das Hauptgebäude wieder anpassen. Reisende betraten die Bahnsteige bis 1927 über eine Brücke. Erst in der Folgezeit schufen Schweriner den heute bekannten unterirdischen Zugang zu den Gleisen. Die Fassade zum Grunthalplatz hin musste sich anpassen. Die nördliche Terrasse wurde überbaut, um die Bahnhofsgaststätte sowie die Wartesäle zu vergrößern. Der südliche Teil der Terrasse blieb genauso wie der Zugang zu den ehemals großherzoglichen Räumen.

Eine dritte Umbauphase ereilte den Hauptbahnhof dann erst nach dem Zusammenbruch der DDR. 1997 weihte Schwerin die Ladenzone im Erd- und Obergeschoss ein. Es gab ein neues Vordach am Grunthalplatz und der Bahnhofstunnel wuchs 2001 bis zum Vorplatz der ehemaligen Reichsbahndirektion. „Die DB hatte für die Gesamtmaßnahme 87 Millionen Mark investiert“, erzählt Moll. „Von 2002 bis 2004 wurden die Bahnsteige erneuert und die historischen Bahnsteigüberdachungen abgerissen.“ Die Neugestaltung der Halle 2005 beschloss den vorerst letzten Umbau.

 


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